„Wer Fehler macht, ist glücklich“

|   Kreis Borken

„Die Deutschen glücklicher machen“: Das ist das Ziel von Glücksforscherin Maike van den Boom (47, Bonn). Am Aschermittwoch beim traditionellen Heringsessen des Roten Kreuzes im Kreis Borken scheint die Deutsch-Niederländerin diesem Vorhaben ein gewaltiges Stück nähergekommen zu sein: Die meisten der mehr als 100 Gäste aus dem öffentlichen Leben verließen frohgelaunt und mit einem entspannten Lächeln das Rotkreuz-Zentrum in Borken – was vielleicht auch am Mittagsmahl im Café Henry gelegen haben mag.

Zum Vortragsmotto „Zum Glück gibt es Werte“ begrüßte Aloys Eiting, Vorsitzender des Rotkreuz-Präsidiums, die vielen Gäste, unter ihnen die Politikerinnen Ursula Schulte (SPD-MdB), Heike Wermer (CDU-MdL), Landrat Dr. Kai Zwicker, viele Bürgermeister aus dem Kreis sowie die Spitze des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe. „Tagtäglich erleben wir Glücksmomente“, grüßte ein glücklicher Aloys Eiting. Die könnten einfachster Art sein: „Im Supermarkt öffnet die zweite Kasse, und wir stehen als Erster am Band. Oder wir schaffen es, eine Orchidee zum zweiten Mal zum Blühen zu bringen. Oder wir haben erfolgreich einen Fahrradreifen geflickt.“

Das hat Maike van den Boom im fietsen-freundlichen Holland, wo sie 13 Jahre verbrachte, vermutlich auch schon erlebt. Vor allem aber reiste die studierte Kunsttherapeutin und frühere Managerin, seit 2013 in die 13 glücklichsten Länder der Welt wie Island, Norwegen, Schweden, Dänemark, Mexiko und Costa Rica. Sie betrieb Glücksforschung und schrieb ein Buch: „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ Das Erstlingswerk wurde ein Bestseller. Maike van den Booms Botschaft: „Zusammenhalt. Wir zusammen mit anderen.” Das hätten bei ihren Reisen und Interviews immer wieder Menschen aus Skandinavien erzählt, die in der Rangliste des Glücks jedes Jahr Spitzenplätze belegten, während die Deutschen lediglich einen Mittelfeldrang einnähmen. Der Arbeiter in der Autofabrik habe bestätigt: „Wenn ich zur Arbeit gehe, bin ich glücklich.“ Der Bauarbeiter habe gesagt: „Ich bin selbst dafür verantwortlich, mein Schiff in den Hafen des Glücks zu fahren“. Dazu passe gut das deutsche Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

„Jeder ist wichtig“, referierte die in Heidelberg geborene Halbholländerin frei und ohne Manuskript, jedoch mit Konzept. In Schweden, wo sie sich zuletzt ein Jahr aufhielt und jetzt Schwedisch als ihre dann fünf Fremdsprache lernt, dürfe jeder Fehler machen. „Was ist das Problem an Fehlern?“ In Deutschland dürfe indes nichts falsch gemacht werden. „Die Schweden lieben Fehler.“ Sie zahlten sehr viel Steuergeld  „und tun dies gerne“, weil sie nach vorne schauten.

„Tillit“, Maike van den Booms Lieblingswort, steht in Schweden und Norwegen gleichermaßen für „Vertrauen, anderen zu vertrauen. Den gleichen Fehler zweimal zu machen, macht Menschen glücklich. Das Recht zu scheitern macht glücklich.“ Skandinavier seien glücklich, „weil sie tierisch neugierig sind“. Die „Schweden gehören wirtschaftlich zur Weltspitze und sind dabei auch noch glücklich“, betonte die Autorin: „Sie bauen lieber Kathedralen, als Steine zu kloppen.“ Die Dänen, im Vorjahr „glücklichstes Land der Welt“, setzten gleichsam auf Vertrauen, persönliche Freiheiten und darauf, „das Beste aus sich selbst herauszuholen“. Zum Glücklichsein gehören für Maike van den Boom drei Merkmale: „Ich entscheide selbst, eine wohlwollende Gemeinschaft und folge deinem Herzen.“ Die Glücksforscherin interviewte viele Menschen bei ihren Ausflügen durch Europa und Mittelamerika. Ein 90-jähriger Schiffsbesitzer aus Islands Hauptstadt Reykjavik sagte bedeutungsvoll: „Hier in Island sind wir nur ein paar Menschen, und wir kennen einander gut. Wir sind nett zueinander, denn niemand kann alleine glücklich sein.“

Nach so viel Inspiration in Sachen Glück befand DRK-Vorstand Jürgen Puhlmann, dass er im Westmünsterland „nur noch in glückliche Gesichter sehe“. Er wünschte den Besuchern: „Kommen Sie glücklich nach Hause.“

www.DRKBorken.de

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