Wenn der Wörterfresser hungrig ist

|   Stadtlohn

Ein Wörterfresser verlangt nach Futter, chaotisch durcheinander gewürfelte Silben wollen auf dem Touchscreen in die richtige Reihenfolge geschoben werden und kurze Videos illustrieren Lesetexte. Das spielerische, digitale Angebot bereitet vielen kleinen Lesern noch mehr Spaß als die gedruckten Bücher. Diese Faszination für digitale Medien nutzt der MENTOR - Die Leselernhelfer Bundesverband e.V. ab sofort verstärkt für die Leseförderung. Dazu startete er im September 2020 mit dem Lesekosmos Vreden e.V. ein Seminar seines Digitalprojekts „MENTOR – Die Leselernhelfer: Digitaler Treffpunkt der Generationen“ in Vreden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert es über drei Jahre.

Davon profitieren die Lesekinder und -jugendlichen in Stadtlohn und Vreden direkt, weil die 12 teilnehmenden Lesementoren an den Partnerschulen des Vereins eine 10-wöchige Testphase beginnen.

Teilnehmerin Gerti Terbrack, die seit über 11 Jahren als Lesementorin zuerst Hauptschüler und jetzt Grundschüler in Vreden fördert, freut sich über die neuen Möglichkeiten: „Das Seminar in den Räumen der Bücherei sowie im kult machte es allen sehr einfach: Wir konnten mit vorbereiteten Tablets und geprüften Apps direkt loslegen und bekamen Anleitungen vom Referenten Klaus Tembrink für den gezielten Einsatz in den Lesestunden.“ Die 84-jährige möchte damit mehr Abwechslung in ihre wöchentliche Stunde mit ihrem Lesekind bringen.

Beim digitalen Lesen ist die sorgfältige Auswahl der Inhalte sehr wichtig. Dafür stellt der MENTOR-Bundesverband von Experten geprüfte Apps zur Verfügung.
Andrea Pohlmann-Jochheim, Vorstandsmitglied im MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V., erläutert die vielseitigen Chancen der digitalen Leseförderung: „Dass sich ein Erwachsener exklusiv für sie Zeit nimmt, stärkt das Selbstwertgefühl der jungen Menschen und ist zentral für unser Mentoring. Das neue Digitalprojekt unterstützt den Aufbau des Selbstwertgefühls noch dadurch, dass die Kinder und Jugendlichen ihren älteren Mentoren den selbstverständlichen Umgang mit Tablets und Software vermitteln.“  Dieses Reverse-Mentoring, bei dem auch der Mentor vom Lesekind lernt, ist ein zentrales Ziel des Projekts.

Grundsätzlich gilt: Die Kinder und Jugendlichen dürfen mit den Medien nicht allein gelassen werden. Daher passt das digitale Lesen gut zu MENTOR, meint Gisela Waning, Vorsitzende des Lesekosmos Vreden e.V.: „Unsere Mentoren fördern in den Lesestunden immer nur ein Kind und gehen ganz gezielt auf seine Interessen ein. So bekommen wir Schüler zum Lesen, die bisher gar keinen Zugang dazu hatten. Das digitale Lesen wollen wir ab sofort integrieren, um über das Interesse am Digitalen auch für das Lesen und die Literatur zu begeistern. Natürlich soll weiterhin analog gelesen werden.“  Die Ehrenamtlichen des Lesekosmos fördern in Stadtlohn und Vreden mehr als 30 Schüler und Schülerinnen zwischen 6-12 Jahren an 8 Schulen. Unter dem Dach des Bundesverbandes sind es deutschlandweit 16.500 junge Menschen.

Das Erfolgsprinzip der Leseförderung von MENTOR basiert auf der 1:1-Förderphilosophie: Ein Lesementor fördert ein Kind, mindestens ein Jahr lang, eine Stunde pro Woche. Der Lesekosmos sucht noch Verstärkung. Informationen dazu über die Öffentliche Bücherei St. Georg Vreden (Tel. 02564 4683 und Lesekosmos-Vreden@web.de) oder bei Michael Nießer, dem Ansprechpartner für Stadtlohn (Tel. 02563 4684 und niesser.stadtlohn@googlemail.com).

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