Vertieftes Gewässer für den Moorfrosch

|   Gescher

Das Gewässer im Naturschutzgebiet Fürstenkuhle in Gescher soll nicht mehr so schnell austrocknen. Die Senke in dem Moorgebiet ist in den vergangenen Jahren kaum noch zu sehen gewesen, nur ein kleiner Abschnitt der ursprünglichen Fläche war noch mit Wasser gefüllt. Das soll sich wieder ändern: Derzeit läuft dort eine Pflegemaßnahme im Rahmen des Projektes "Atlantische Sandlandschaften". Auf diese Weise soll insbesondere der Lebensraum für den Moorfrosch verbessert werden. "Hier in der Fürstenkuhle gibt es eines der bedeutendsten Vorkommen des Moorfrosches in Nordrhein-Westfalen", erläutert Patrick Lückel von der Unteren Naturschutzbehördes des Kreises Borken beim Ortstermin mit Corinna Kaiser, Projektverantwortliche bei der Bezirksregierung Münster.

Die Arbeiten sind inzwischen nahezu abgeschlossen: Ein Bagger hat im Bereich des Gewässers auf rund 7.000 Quadratmetern Boden abgetragen. Diese Aufgabe hat Philip Langner vom gleichnamigen Wald- und Landschaftsbau- sowie Forstplanungs-Unternehmen übernommen. Insgesamt wurde das Gebiet so um 30 Zentimeter vertieft. "Auf diese Weise wollen wir erreichen, dass das Gewässer ein bisschen länger Wasser hält, möglichst bis Juni oder Juli", erläutert Lückel. Das wäre gut für den Moorfrosch, denn der hält sich bevorzugt in und um niedrige Gewässer auf und braucht diese Umgebung zum Laichen. Und auch einem weiteren, sehr seltenen Bewohner des Naturschutzgebietes könnte die Maßnahme dienen: Die Knoblauchkröte, die elf Monate des Jahres im Boden lebt, könnte von diesem Laichgewässer profitieren. Die flache Blänke und der schlammige Bereich drumherum sind zudem für viele Insekten und Vogelarten attraktiv, die dort Nahrung finden.

Die Maßnahme wurde im Rahmen des LIFE-Projektes "Antlantische Sandlandschaften" umgesetzt. Damit wollen die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeinsam dem Verlust der Artenvielfalt und wertvoller Naturräume entgegenwirken, erläutert Corinna Kaiser. Das LIFE-Programm (L’Instrument Financier pour l’Environnement) ist ein Förderinstrument auf europäischer Ebene für Maßnahmen im Bereich Natur, Umwelt und Klimawandel.

Bevor der torfige, sandige Bonden abgetragen werden konnte, musste der dichte Bewuchs entfernt werden: "Hier standen viele Binsengewächse", sagt Lückel. Außerdem Weiden, andere Sträucher und Gräser, berichtet Langner. Um das Gewässer auch langfristig zu erhalten, wird der Kreis Borken die weitere Entwicklung beobachten. "Wie sich der Bereich entwickelt und was dann optimiert werden muss, das wird sich dann erst in den nächsten Jahren zeigen", sagt Lückel.

Als letzter Schritt wird nun die Hecke, die den Bereich vom beliebten Nord-Süd-Weg durch die Fürstenkuhle trennt, auf knapp 100 Metern auf den Stock gesetzt werden. Das fördert die Vitalität der Hecke und hat den positiven Nebeneffekt, dass Naherholungssuchenden und Naturverbundenen ein Blick auf die gestaltete Fläche und das dortige Gewässer ermöglicht wird. "Wir wollen die Natur hier auch erlebbar machen", erläutert Lückel. Wenn die Hecke wieder hochgewachsen ist, soll es aber weiterhin Sichtfenster geben.

Der ganze Bodenaushub ist auf eine Ackerbrache am Rande des Naturschutzgebietes gebracht worden, die im Besitz des Landes NRW ist. Dort wurde mit der Erde ein kleiner Wall angelegt – auch das kommt wieder dem bevorzugten Lebensraum der Knoblauchkröte zugute.

Die Restarbeiten werden in den nächsten Tagen abgeschlossen, stellen die Projektverantwortlichen in Aussicht. Bepflanzt wird drumherum nichts, da sich die Natur von allein entwickeln soll. Die schnelle Umsetzung freut alle Beteiligten. "Die Arbeiten durften nicht während der Brutzeit durchgeführt und mussten vor dem ersten Bodenfrost und der damit beginnenden Winterruhe von Amphibien und Reptilien abgeschlossen werden", erläutert Kaiser. "Wir haben Glück, dass das Wetter so mitgespielt hat."

Für Rückfragen steht als Ansprechpartner der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Borken Patrick Lückel vom Fachbereich Natur und Umwelt unter Tel. 02861 / 681-7130 sowie per E-Mail unter p.lueckel@kreis-borken.de zur Verfügung.

Zum Hintergrund: "Atlantische Sandlandschaften"

Das von der Europäischen Union geförderte Projekt "Atlantische Sandlandschaften" zielt auf den Erhalt der biologischen Vielfalt ab und wird von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeinsam umgesetzt. Dabei sollen charakteristische Biotope der atlantisch-biogeographischen Region, wie zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer, nachhaltig aufgewertet werden. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten, wie Knoblauch- und Kreuzkröten, Schlingnattern und Zauneidechse, sollen gestärkt werden. Weitere Informationen zum Projekt "Atlantische Sandlandschaften" gibt es im Internet unter www.sandlandschaften.de.

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