„Versorgungsstrukturen im Kreis werden vorsorglich ausgeweitet“

|   Kreis Borken

Der Gesundheits- und Pflegebereich im Kreis Borken steht angesichts der weiterhin steigenden Zahl von Coronavirus-infizierten Personen vor ganz besonderen Herausforderungen. Für Landrat Dr. Kai Zwicker und den Krisenstab des Kreises Borken hat daher die Stützung und Ergänzung der bestehenden Versorgungsstrukturen im Interesse des Gesundheitsschutzes der gesamten Bevölkerung höchste Priorität. Ein unter allen beteiligten Institutionen abgestimmtes Konzept bilde dafür die Basis, erklärte Dr. Zwicker am Dienstagmittag (31. März). "Die auf dieser Grundlage vorgesehenen Maßnahmen sind zum Teil bereits angelaufen, zum Teil befinden sie sich in der Umsetzungsphase", machte der Landrat deutlich.

Die Maßnahmen im Einzelnen:

Zur Ergänzung der Tätigkeit der Hausarztpraxen hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) seit Donnerstag (26.03.2020) mit Unterstützung des Kreises Borken sowie von DRK und MHD jeweils ein "Behandlungszentrum" in Bocholt ("Europahaus", Adenauerallee 59) und Legden ("Dorf Münsterland", Haidkamp 1) eingerichtet. Ambulant versorgt werden dort:

· Patienten mit einer Coronavirus-Infektion
· Patienten mit dringendem Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion und behandlungsbedürftigen Beschwerden.

Auch Personen, die Infektionssymptome entwickeln und Kontakt zu Infizierten hatten, können sich dort vorstellen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 9 bis 12 Uhr und von 16 bis 19 Uhr – eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

In Bocholt geht eine Diagnostikambulanz am St. Agnes-Hospital in Bocholt in Betrieb. In einem Zelt in der Nähe des Eingangsbereichs werden zunächst alle gehfähigen Patienten vor Betreten des Krankenhauses gesichtet und dann entsprechend dem festgestellten Krankheitsbild weitergeleitet. Patienten mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion oder leichten Symptomen werden dann unmittelbar an das Behandlungszentrum im "Europahaus" weitergeleitet, da der ganz überwiegende Teil der Betroffenen keiner stationären Behandlung bedarf. Durch diese Maßnahme sollen im Bocholter Krankenhaus die Betten für Patienten mit "schweren Verläufen", die sofort stationär behandelt werden müssen, freigehalten werden. Gleichzeitig soll auf diese Weise die Notfallversorgung für alle medizinischen Bereiche des Bocholter Krankenhauses gesichert werden.

Kurz vor dem Abschluss stehen inzwischen in Regie des Kreises Borken die Vorbereitungen für die Eröffnung zunächst einer "Kreis-Krankenhilfe-Einrichtung" (KKE) mit der Option auf eine zweite. Als Standorte dafür vorgesehen sind das "Europahaus" in Bocholt und das "Dorf Münsterland" in Legden. Beide Einrichtungen sollen erforderlichenfalls die Krankenhäuser im Kreisgebiet entlasten: Patienten, die nicht mehr ambulant medizinisch betreut werden können, aber auch noch keine Krankenhausbetreuung benötigen, sollen dort untergebracht werden. Die Zuweisung von Patienten dorthin wird über die Behandlungszentren Bocholt und Legden bzw. die Krankenhäuser erfolgen. Bocholt soll ab einer Mindestpatientenzahl von fünf Personen starten – die Einrichtung kann auf maximal 80 Plätze ausgeweitet werden. Legden wird bei Bedarf ergänzend aufgebaut. Gegenwärtig stellt der Kreis das medizinische Personal für beide Standorte zusammen – es rekrutiert sich insbesondere aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hilfsorganisationen sowie medizinisch vorgebildeten Freiwilligen, die sich nach einem Aufruf des Kreises gemeldet haben. Die KKE werden eng mit den Krankenhäusern im Kreisgebiet kooperieren. Freiwillige aus dem Gesundheitsbereich können sich weiterhin melden unter www.kreis-borken.de.

Zur Unterstützung der ambulanten Pflegeversorgung ist das Haus St. Ludger, ein ehemaliges Alten- und Pflegeheim, in Vreden wieder bezugsfertig gemacht worden. Dort stehen ab dieser Woche 18 Plätze für Personen zur Verfügung, deren bisherige ambulante Pflege nicht mehr sichergestellt werden kann. Kurzfristig soll die Zahl der Plätze dann auf 34 aufgestockt werden. Gleichzeitig laufen Planungen, ob und wie auch die bestehenden Altenpflegeeinrichtungen im Kreisgebiet ihre Kapazitäten schnell erweitern können. Zehn Unterbringungsplätze sind bereits zugesagt.

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