„Usse Arbäid föör ne Hochtied“

|   Vreden

Ein volles, ja übervolles Haus Noldes in Ammeloe war der Schauplatz der jüngsten Veranstaltung aus der erfolgreichen Reihe "Blickwinkel live – Lesungen und Gespräche an ungewöhnlichen Orten", an der wieder mehrere Kooperationspartnerinnen beteiligt waren. Diesmal ging es um traditionelle Hochzeiten im Kirchspiel von Vreden, und dabei vor allem um die viele Arbeit, die bei den Vorbereitungen immer anfiel und nur von Fachfrauen zu bewältigten war. Frauen der kfd Ammeloe hatten die Vorbereitungen des Abends übernommen und dabei aus den reichen Beständen des Hauses Noldes eine Hochzeitstafel gedeckt. In der Pause servierten sie sogar eine Kostprobe des Nachtisches, wie er bei Hochzeitsmenüs typisch war und ist. Justus Gericks am Klavier versetzte das Publikum mit seiner virtuosen Darbietung des Schneewalzers und des Hochzeitsmarsches in die passende Stimmung für die Lesung.

Nachdem Maria Noldes als Vertreterin der traditionsreichen Eigentümerfamilie und das Haus Noldes mit seinen vielfältigen Sammlungen zu seiner Geschichte als alter Dorfladen mit Backstube und Bewirtung von Gertrud Elling vorgestellt worden war, ging es im weiteren Verlauf des Abends um die Vorbereitungen großer Hochzeiten auf dem Lande. Dabei wies das Publikum zu Beginn erst einmal darauf hin, dass der zutreffende Vredener Begriff für die Feier keineswegs "Hochtied", sondern vielmehr "Bruudlachte" ist – so mussten die Organisatorinnen lernen. Das Porträt zu Agnes Effing (1913-2011) stellte dann das Porträt einer Köchin vor, der die Nationalsozialisten die Aussicht auf eine eigene Familie durch zwangsweise Sterilisation genommen hatten. Sie meisterte aber ihr Schicksal mithilfe ihres Berufs als Köchin im Josefshaus und für große Gesellschaften. Sie hinterließ einen Erinnerungsbericht über ihre Arbeit als Köchin auf Bauernhochzeiten – auf Plattdeutsch. Eben diesen Bericht verlas Rita Hollekamp ganz mundartgerecht.

Fortgesetzt wurde der Abend mit der Schilderung der Kochfrau von Lünten, Adelgunde Feldhaus (1931-2000), wobei die vortragende Christel Höink auch aus eigener Anschauung und Zusammenarbeit schöpfen konnte und manche Einzelheiten ergänzte. Als weitere unentbehrliche Fachfrau bei Hochzeitsvorbereitungen um Vreden wurde von Gerti Terbrack schließlich die Friseurmeisterin Gerda Lütjann vorgestellt, die nicht nur persönlich anwesend war, sondern sogar eine typische Gerätschaft früherer Festfrisuren mitgebracht hatte: ein Ondulierschere. Moderiert von Ingeborg Höting entwickelten sich lebhafte Gespräche zwischen den Anwesenden, gab es viele Nachfragen und so manche eigene Erlebnisberichte, die auch Schattenseiten der Hochzeitstraditionen nicht aussparten, etwa die kritische Inspektion der Aussteuer im Wäscheschrank. Über die Mühen mit dem Ausleihgeschirr und -besteck für bis zu 300 Personen wusste Ria Kemper zu berichten.

Dies war die letzte Veranstaltung, die Ria Sönnekes als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Vreden organisiert hat, und deshalb wurde sie von Michael Schürmann, Leiter der Öffentlichen Bücherei, auch im Namen der übrigen Kooperationspartner, sowie durch Agnes Schültingkemper vom Bündnis für Familie mit Blumenstrauß und Geschenk geehrt – und vom Publikum mit langanhaltendem Applaus bedacht!

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