„Und bist du nicht willig, so brauch ich Geduld“

|   Kreis Borken

Kinder und Jugendliche sind heute vielen Reizen ausgesetzt. Im Alltag zu Hause und in der Schule führt das oftmals zu Auffälligkeiten oder stellt Eltern, Lehrer und Akteure in der Jugendhilfe vor große Herausforderungen. Eine frühzeitige Einflussnahme auf das Entwicklungsgeschehen in Form des Konzeptes "Neue Autorität" kann da eine zielführende Antwort auf die Autoritätsprobleme in der heutigen Erziehung sein. Entwickelt wurde es vom israelischen Psychologen und Autor Prof. Dr. Haim Omer aus Tel Aviv. Auf Einladung des Kreises Borken war er nun im Borkener Vennehof zu Gast und stellte rund 380 Lehrkräften und Fachleuten aus Schulsozialarbeit und Jugendhilfe das Konzept vor.

Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster begrüßte die Interessierten in der ausgebuchten Stadthalle, die aus dem gesamten Kreisgebiet gekommen waren. Nach 2007 war es dem Kreis Borken erneut gelungen, im Rahmen einer Kooperation des Bildungsbüros, des Schulamtes für den Kreis Borken und des Fachbereichs Jugend und Familie den Fachtag anzubieten. Diese Zusammenarbeit spiele eine wichtige Rolle, erläuterten Elisabeth Büning, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Schule, Kultur und Sport,  Ulrike Elkemann vom Schulamt für den Kreis Borken sowie Brigitte Watermeier, Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie: "Damit Kinder und Jugendliche positive Bildungschancen haben, müssen wir – die Jugendhilfe und die Schule – zusammenwirken."

Anschließend stellte Prof. Dr. Haim Omer sein Konzept in insgesamt vier Vorträgen vor. Am Nachmittag ging es dabei besonders praxisnah zu: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, eigene Fallbeispiele einzubringen, die er gemeinsam mit ihnen durchsprach, Handlungsempfehlungen und Tipps gab.

Der Ansatz der "Neuen Autorität" basiert auf einer sehr wertschätzenden Haltung und ermöglicht es gleichermaßen Eltern wie Pädagogen, wieder handlungsfähig zu werden, ohne autoritär zu sein. Kern des Konzeptes ist die elterliche Autorität durch Beziehung, Geduld und ohne Gewalt.  "Eltern und Lehrer haben eine Ankerfunktion für das Kind in der ganzen Reizüberflutung", veranschaulicht Prof. Dr. Haim Omer. Dabei komme es auf die drei "Spitzen des Ankers" an: Präsenz, Selbstkontrolle und Vernetzung.

Beim Punkt "Präsenz" gehe es darum, dem Kind zu vermitteln, dass es immer begleitet werde: "Ich bin da und ich bleibe da", sagte Prof. Omer. Die Selbstkontrolle solle den Erwachsenen helfen, nicht in Machtkämpfe einbezogen zu werden und in Ruhe zu reagieren – "das Eisen schmieden, wenn es kalt ist", erläuterte der Referent bildlich: So werde nicht in der hitzigen Situation reagiert, sondern man komme später auf das Verhalten zurück. Bei der "Vernetzung" stehe das "Wir" im Mittelpunkt: Eltern, Lehrkräfte und andere Beteiligte bildeten eine Kooperation. "Es heißt ja, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen – so bilden wir dieses Dorf", sagte Prof. Omer.

Zu seinem Konzept der "Neuen Autorität" hat Prof. Dr. Haim Omer zwei Bücher herausgegeben: Eines richtet sich an Eltern ("Das Geheimnis starker Eltern"), das andere an Lehrerinnen und Lehrer ("Raus aus der Ohnmacht").

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