Stiftung „Besser Sehen“ errichtet Augenklinik

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Von 1987 bis 2006 hatten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Lords Resistence Army (LRA) unter Führung von Joseph Kony und der Armee der ugandischen Regierung stattgefunden. Trotz Friedensverhandlungen unter maßgebliche Beteiligung der katholischen Kirche zog sich im Norden der Bürgerkrieg bis 2017 hin. Vor allem Kinder und Jugendliche wurden als Soldaten und Mädchen als Sklavinnen missbraucht. Über 60.000 Kinder wurden getötet oder werden bis heute vermisst. Über 1 Millionen Menschen waren inländisch auf der Flucht. Einen großen Teil dieser Flüchtlinge hat der damalige Priester Sabino, heutige Bischof von Arua, in Camps untergebracht. Allein im Randgebiet von Gulu wurden fünf große Camps eingerichtet. Eines dieser Camps wird seit fast 30 Jahren vom Uganda-Hilfe St. Mauritz e.V. aus Münster und den Lesern der Münsteraner Zeitung unterstützt. 

Pfarrer Stefan Jürgens machte Dr. Ralf Gerl, den Gründer der gemeinnützigen Stiftung „Besser Sehen“, auf dieses Camp aufmerksam, wies auf die inzwischen gute Infrastruktur und Organisation des Camps hin. Und in der Tat, die Uganda-Hilfe St. Mauritz e.V. half in den letzten Jahren mit Spenden und baute sogar ein Gesundheitszentrum auf. Auch die Stiftung „Besser Sehen" profitiert logistisch von ihrer Erfahrung und erhält engagierten Rat. Geplant war für 2020 und dann für 2021 ein augenärztlicher OP-Einsatz in dieser kirchlichen Einrichtung. Doch dann kam Corona und viele Ugander, auch zwei Priester, haben diese Virusinfektion nicht überlebt.

Untätig waren Dr. Gerl und seine Partner in der Zwischenzeit nicht. Es wurde ein Allradwagen erworben und zusammen mit dem Team aus Münster zu einem Ambulanzwagen umgebaut. Das Gesundheitszentrum für Allgemeinmedizin und die Geburtenstation wurde um die Augenklinik erweitert. Die bauliche Fertigstellung der Augenklinik wurde am 12. Juni d. J. mit einer dreistündigen Messe unter Leitung des Erzbischofs Jean-Baptiste Odama und des Bischofs aus Arua Sabino gefeiert. Über 1000 Gäste, zur Hälfte Kinder nahmen an dieser bunten und fröhlichen Messe mit Gesang, Trommeln, Blaskapelle und afrikanischen Tänzen teil.

Die Stiftung „Besser Sehen“ hat jetzt einen ugandischen Augenarzt, gleichzeitig Dozent an der Universität Gulu, sowie eine sehr erfahrene OCO (Ophthalmic Clinical Officer) fest angestellt. Das ging nur, weil die Stiftung die regelmäßige Zahlung der Gehälter garantiert. Dadurch können jetzt sowohl die Augenklinik ganzjährig betrieben als auch Studenten im klinischen Teil augenärztlich ausgebildet werden. Die Stiftung hat sich mit seinen Partnerkliniken in einem Vertrag mit dem Erzbischof dazu verpflichtet, zweimal im Jahr einen operativen Einsatz mit deutschen und ugandischen Mitarbeitern zu leisten.

Das deutsche Team inklusive der Ärzte leisten ihren Einsatz ehrenamtlich in ihrem Urlaub. Das dazu benötigte Material, Medikamente, Linsen und Ausrüstung werden mitgebracht, finanziert aus Spenden. Die deutschen Schwestern, Arzthelferinnen und Techniker weisen die ugandischen Mitarbeiter in die Bedienung der Hightech Geräte ein. Umgekehrt zeigen uns die ugandischen Kollegen seltene Tropenerkrankungen, deren Diagnostik und Behandlung. Es soll ein Austausch auf Augenhöhe stattfinden.

Dr. Gerl: „Das Wissen ist da, es fehlt an Geld und der technischen Ausrüstung“. Organisator, gleichzeitig Priester und Leiter von Obiya Palaro und den Kliniken ist Pater Cyprian Odongo. Er berichtete soeben, dass schon nach drei Monaten über 800 Patienten behandelt wurden. 400 Patienten mit einer Sehleistung unter 10 % warten bereits auf eine Graue Star-Operation.

Die Augenklinik soll in das ugandische Gesundheitswesen eingebunden werden, die entsprechenden Genehmigungen wurden bereits erteilt. Pater Cyprian: „Wir und die Stiftung sind non Profit Organisationen, die laufenden Kosten müssen auf Dauer gedeckt werden“. Für Essen und eine mögliche Unterkunft muss darüber hinaus ein kleiner Obolus gezahlt werden.

Am heutigen Donerstag, 20. Juli, fliegen Vater und Sohn Gerl nach Uganda und werden mit einer zehnköpfigen Mannschaft die ersten operativen Eingriffe in Gulu/Obiya Palaro durchführen.

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