Stadtarchiv Vreden erhält wertvolle Zugänge

|   Vreden

Josef Lepping von der Nachbarschaft erläuterte bei der Übergabe, dass das Protokollbuch 1801 begonnen wurde. Es wird aber auf die Statuten von 1777 verwiesen, so dass die Nachbarschaft "Malta" 1977 bereits ihr 200jähriges Bestehen feiern konnte. Lepping berichtet lebhaft von der großen Feier mit 170 Gästen. Es begann mit einem Festhochamt, dessen Gestaltung zwei Priester aus der Nachbarschaft, Heinz Kemper und Wilhelm Lepping, übernahmen.

Die Nachbarschaft "Malta" befindet sich nicht irgendwo im Mittelmeer, sondern in der Mauerstraße gegenüber der evangelischen Kirche. So wie sie heute von der guten Nachbarschaft mit der evangelischen Kirche profitiert, so war es vor rund 250 Jahren mit dem Franziskaner-Kloster. Dessen Mönche waren schreibkundig und nahmen anfangs die Eintragungen im Protokollbuch vor. Viele der Nachbarn arbeiteten bei der Fa. Reerink, die in 1828 ihre Produktion in Vreden aufnahm. Daher konnte das Protokollbuch auch mit einem wertvollen, sehr haltbaren Einband versehen werden. Inhaltlich geht es im Protokoll und den Statuten viel um Tod und Beerdigung und welche Regeln und Pflichten es für die Nachbarn gibt. So wird bis heute im Sterbefall der Notnachbar informiert. Er übernimmt die Einladung zur Beerdigung und die Nachbarschaft trägt diese Einladungskosten. Da das Buch inzwischen vollgeschrieben ist und heute die Protokolle nicht mehr handschriftlich, sondern am Computer erfasst werden, hat die Nachbarschaft beschlossen, diese Archivalie dem Archiv zu übergeben. Woher der Name "Malta" kommt, können die Nachbarn nur vermuten, vielleicht waren mal "Malteser" im benachbarten Kloster beheimatet.

Hubert Krandick vom Stadtarchiv freute sich über diesen ungewöhnlichen Zugang und die weiteren Unterlagen, die Josef Lepping übergab. Neben einer ausführlichen Dokumentation zum 200jährigen Jubiläum umfassen die Unterlagen auch Zeitungsartikel zum Stadtjubiläum 1952 und einige ältere Artikel aus den 30er Jahren. Diese Vorkriegsartikel sind besonders interessant, weil das Zeitungsarchiv der Druckerei Gescher 1945 völlig zerstört wurde und nur noch vereinzelte Exemplare des damaligen "Vredener Anzeigers" vorhanden sind. So konnte aktuell bereits eine Anfrage zu den Sgraffitos in der Aula der Musikschule mithilfe eines Artikels aus der Sammlung beantwortet werden.

Zusätzlich überreichte Josef Lepping eine Besonderheit aus den Familienunterlagen: eine "zeitweilige Arbeiter-Aufenthaltserlaubnis für die Sperrzone" ,1950 ausgegeben vom Grenzkontrolldienst für eine Tätigkeit im sog. Niemandsland entlang der deutsch-niederländischen Grenze.  Die Unterlagen wurden erfasst und werden im Archiv gelagert.

« Zurück zur Übersicht
Ein Angebot von