„Sprachsensibel lehren lernen“

|   Kreis Borken

"Wenn einem Deutschen ein Adjektiv in die Finger fällt, dekliniert und dekliniert er es, bis aller gesunde Menschenverstand herausdekliniert ist." – Mit diesem Zitat von Mark Twain begann Professor Josef Leisen die ganztägige Auftaktveranstaltung zur Workshopreihe "Sprachsensibler Fachunterricht", die vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) des Kreises Borken organisiert wird. Zuvor hatte Fachbereichsleiterin Elisabeth Büning die Bedeutsamkeit der Thematik herausgestellt: In den vergangenen beiden Jahren wurden gut 1.500 Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte nach der sprachlichen Erstförderung in Regelklassen integriert. Damit sei das Deutschlernen längst nicht abgeschlossen. Diese Herausforderung wird von den Schulen sehr ernst genommen – das machten die 180 interessierten Lehrkräfte aller Schulformen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Schulaufsicht deutlich, die der Einladung des KI in den Borkener Vennehof gefolgt waren.

Prof. Josef Leisen, ehemaliger Leiter des Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz und Professor für Didaktik der Physik an der Universität Mainz, verstand es mit seinem Vortrag die Zuhörerinnen und Zuhörer zu fesseln und stellte auf der einen Seite heraus, dass Fachlehrerinnen und -lehrer natürlich nicht für den Deutschunterricht verantwortlich seien, sehr wohl aber für das Verstehen in ihren eigenen Fächern. Mit sprachsensiblem Fachunterricht würden aber nicht nur Schülerinnen und Schüler unterstützt, die Deutsch als Fremdsprache lernen, die Förderung der Fach- und Bildungssprache komme allen Lernern zugute.

Sprachliche Vielfalt finde sich in allen Schulformen von der Grundschule bis zum Gymnasium, betonte der Experte für Sprache und Sprachbildung im Unterricht. Immer wieder lenkte er aber auch den Blick auf Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und machte deutlich, dass ein geringer Wortschatz eine große Hürde beim Erwerb der Fachsprache sei und warnte davor, "Fossilierungen", also Verfestigungen von Sprachfehlern, im Unterricht zu begünstigen.

Zur Förderung von Sprache im Fachunterricht hatte er neben kurzweiligen Vorträgen auch wertvolle Tipps und Methodenwerkzeuge dabei. Diese wurden in kurzen Arbeitsphasen praktisch erprobt und am Nachmittag für den eigenen Unterricht angewendet. Dabei nutzten die engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zur Diskussion mit Prof. Leisen und stellten ganz konkrete Fragen zur Unterrichtsgestaltung.

Die Pausen wurden von den Lehrkräften rege genutzt, um sich am Infostand über weitere Unterstützungsangebote des Kommunalen Integrationszentrums, wie den Dolmetscherpool, zu informieren und beraten zu lassen. An die Auftaktveranstaltung schließen sich nun in den kommenden Monaten sieben fachspezifische Workshops an.

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