Selbstbestimmter Leben mit dem "Persönlichen Budget"

|   Vreden

Am 5. Juni 2019 wurde die Wanderausstellung „Persönliches Budget – Mehr als Geld!“ der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben NRW im Vredener Rathaus eröffnet. Bürgermeister Holtwisch begrüßte alle Anwesenden. Auch in Vreden wissen noch viel zu wenig Betroffene, dass es diese Leistungsform des Persönliche Budgets gibt und es werde nur wenig genutzt. Diese Wanderausstellung sei eine gute Gelegenheit sich darüber zu informieren. Er freue sich sehr, dass das Vredener Bündnis für Familie dies möglich gemacht habe. Das Persönliche Budget, bei dem in der Regel statt der üblichen Sachleistung eine Geldsumme an die Menschen mit Behinderung ausgezahlt wird, mit der sie dann die benötigten Unterstützungsleistungen zur Teilhabe selbst einkaufen können, macht es möglich, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf ihr Leben deutlich selbstbestimmter führen können.

Sehr lebendig berichtete anschließend Frau Gülay Acar aus Gelsenkirchen, die seit der Geburt an einer Lähmung aller vier Extremitäten leidet. Sie sitzt im Rollstuhl, benötigt rund um die Uhr Unterstützung und forderte das Persönliche Budget durch eine 24 Stunden Assistenz ein, als sie ihr Studium in Köln begann. „Auch für meine Mutter war das eine große Umstellung. Anfangs kam sie jeden Tag vorbei, um zu sehen, ob es mir gut geht. Irgendwann verstand sie, dass sie mich einfach machen lassen muss, und fuhr vier Wochen in den Urlaub. Und es klappte wunderbar. Ich suche meine Assistenzkräfte aus und leite sie an. Mittlerweile ist Gülay Acar Diplom Psychologin, hat einige Jahre in einer Klinik in Oberhausen gearbeitet und ist heute als Beraterin bei der EUTB in Gelsenkirchen tätig. „Bald werde ich eine 4-wöchige Kreuzfahrtreise machen und wenn ich dann mal Lust habe, mache ich die Nacht durch.“ Aber nicht nur notwendige personelle Unterstützung, wie die persönliche Assistenz im Arbeitgeber-Modell, sondern auch passgenaue, individuelle Lösungen wie der Besuch von Kunst- oder Sprachkursen oder ein Hunde-Training können über ein Persönliches Budget als Eingliederungshilfeleistung finanziert werden. Vorausgesetzt, dass genau diese Maßnahme die Teilhabe diesen einen Menschen mit Behinderung ermöglicht bzw. vergrößert, berichtete Frau Schlenstedt vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Münster in ihrem Impuls-Vortrag.

Wenn ich darüber nachdenke, ob das Persönliche Budget etwas für mich ist, stellen sich mir viele Fragen. Was genau ist mein Bedarf? Was genau brauche ich um Teilhaben zu können? Traue ich mir die Organisation der Assistenzkräfte zu? Woher bekomme ich überhaupt die passenden Assistenzkräfte? Für Menschen mit Behinderung ist es häufig sinnvoll, sich im Vorfeld der Beantragung zum Persönlichen Budget beraten zu lassen. Eine solche Beratung kann man z. B. bei den ergänzenden unabhängigen Beratungsstellen (EUTB) erhalten. Herr Deing, von der EUTB in Borken informierte die Anwesenden über das Angebot der Teilhabeberatungsstellen in Borken und Ahaus. Die Beratung der EUTB erfolge auf Augenhöhe, oftmals durch Menschen, die in ihrem Leben selbst die Erfahrung von Behinderung gemacht haben. Die Ratsuchenden bekommen in der Beratung die Zeit und Unterstützung, die sie benötigen. Er selbst habe nach einem Schlaganfall nicht gewusst, wie es z.B. beruflich für ihn weiter gehen soll. Solch eine niedrigschwellige Beratungsstelle hätte er sich damals gewünscht. Die EUTB beraten zu allen Formen und Leistungen der Teilhabe, nicht nur zum Persönlichen Budget, unabhängig von den Interessen der Kostenträger und Leistungsanbieter. Auch Eltern von kranken Kindern oder Menschen mit Behinderung nach einem Unfall sind Zielgruppe der Beratungsstelle. Des Weiteren sind auch Menschen willkommen, die sich schon frühzeitig informieren möchten über Möglichkeiten der Unterstützung. Sogar Hausbesuche sind möglich, wenn es nicht anders geht. Die Ausstellung in Vreden ist noch bis zum 21. Juni 2019 im Rathaus zu sehen. Weitere Informationen zum Persönlichen Budget können Sie bei dem Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben (KSL) für den Regierungsbezirk Münster oder den Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen (EUTB) in Ahaus oder Borken erhalten.

www.eutb-kreis-borken.de

Büro Ahaus: Josefstr. 27, 48683 Ahaus, Tel.-Nr. 02561 / 44 81 82 8

Büro Borken: Butenwall 63, 46325 Borken, Tel.-Nr. 02561 / 44 81 82 8

www.ksl-muenster.de

Neubrückenstr. 12 - 14, 48143 Münster, Tel. 02 51 – 98 29 16 40

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