Schnellbusverbindung „Baumwollexpress“ wird konkret

|   Kreis Borken

Im Rahmen seiner Beschlussfassung über den "3. Nahverkehrsplan" am 21. Februar 2019 hatte der Borkener Kreistag auch grünes Licht für die Konzipierung einer Schnellbusverbindung mit Namen "Baumwollexpress" auf der Strecke Bocholt-Vreden-Gronau-Bad Bentheim gegeben. Zwischenzeitlich konnte der Kreis Borken zusammen mit den Fachleuten des Zweckverbands SPNV Münsterland-Fachbereich Bus (ZVM Bus) und der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) in enger Abstimmung mit den betroffenen Kommunen den genauen Streckenverlauf, die Taktung sowie den Fahrplan festlegen. Zurzeit erfolgt die letzte Feinjustierung, um eine optimale Verknüpfung mit den bestehenden Bus- und Schienenverbindungen zu ermöglichen.

Knackpunkt ist allerdings noch die Finanzierung dieses durchaus kostenträchtigen Vorhabens. Aus Sicht von Landrat Dr. Kai Zwicker, Kreisverkehrsdezernentin Dr. Elisabeth Schwenzow und der Leiterin des Fachbereichs Verkehr des Kreises, Dr. Gerswid Altenhoff-Weber, könnte der derzeit laufende Landeswettbewerb "Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum" nun die Lösung bieten.

Mit einer zwölfseitigen Projektskizze haben sie sich daher jetzt um die Teilnahme beworben und die Besonderheiten der neuen Linie dargelegt: Mit dem "Baumwollexpress" soll erstmalig eine direkte Schnellbusverbindung zwischen mehreren Mittelzentren geschaffen werden – und das mit einer umfangreichen "Laufleistung". So würden viele unterschiedliche Nutzergruppen wie beispielsweise Berufspendler, Schüler und Studenten sowie Besucher von kulturellen Einrichtungen die Möglichkeit erhalten, ihre Reiseziele mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) fast genauso schnell wie im eigenen Auto zu erreichen.

Zwischen Bocholt und Bad Bentheim soll die Strecke über Rhede, Borken-Burlo, Südlohn-Oeding, Vreden, Ahaus-Alstätte und Gronau-Bahnhof verlaufen. Sie ist 83 km lang und würde im Wesentlichen über die B 70 geführt. Der "Baumwollexpress" würde damit die zentralen ÖPNV-Verknüpfungspunkte (mit vielen Umstiegsmöglichkeiten) der Mittelzentren Bocholt, Vreden, Gronau und Bad Bentheim auf direktem Weg miteinander verbinden. Alle Haltestellen würden – soweit noch nicht vorhanden – mit Fahrradabstellanlagen ausgestattet. Darüber hinaus soll es ein Bike-Sharing-Angebot an Haltestellen mit vielen Ein- und Ausstiegen geben. Die Buchung und Freischaltung dieser Fahrräder kann über eine digitale Buchungssoftware, die den Kunden als App-Anwendung zur Verfügung gestellt wird, erfolgen.

Der Nahverkehrsplan des Kreises Borken sieht für den "Baumwollexpress" zunächst einen zweijährigen Probebetrieb vor. In diesem Zeitraum sollen die Wirtschaftlichkeit der Linie sowie die weiteren ökonomischen und ökologischen Vorteile für den Kreis Borken und die Grafschaft Bentheim durch ein Gutachterbüro bewertet werden.

Die Gesamtkosten für den zweijährigen Probebetrieb beziffert der Kreis Borken auf rund 3,8 Millionen Euro. Werden die Kosten für die Vorbereitung eines dann ggf. folgenden Regelbetriebs hinzugerechnet, belaufen sich die Ausgaben auf rund 5,6 Millionen Euro. Stößt das Projekt beim Land auf Zustimmung, werden von dort 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernommen.

Zum Hintergrund:

Das Land verfolgt das Ziel, den ÖPNV in Nordrhein-Westfalen attraktiver zu machen – nicht nur in den Städten, sondern auch im ländlichen Raum. Daher hat das Verkehrsministerium Ende 2019 den Wettbewerb "Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum" ausgeschrieben. Kommunen, Kreise, kommunale Zweckverbände und SPNV-Aufgabenträger konnten sich bis Mitte Januar 2020 um Fördermittel bewerben. Damit sollen sie in die Lage versetzt werden, Wege aufzuzeigen, wie in eher ländlich geprägten Räumen ÖPNV-Angebote neu geschaffen oder die bestehenden Angebote attraktiver gestaltet werden können.

Für die Erprobung der Modellprojekte stehen bis zum Jahr 2023 landesweit insgesamt 30 Millionen Euro bereit. Die maximale Höhe der Zuwendung beträgt fünf Millionen Euro für ein Projekt über die Laufzeit von maximal drei Jahren.

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