Runder Tisch GewAlternativen tagte

|   Kreis Borken

Zu ihrem jährlichen Fachforum trafen sich die Mitglieder des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt – GewAlternativen – im Borkener Kreishaus. Als Referenten hatte der Runde Tisch den Wirtschaftspsychologen David Ginati aus Bremen eingeladen, der den Anwesenden das Konzept der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg näher brachte. Rosenberg setzte sich vor allem in der Zeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den frühen 1960er-Jahren damit auseinander, warum der Mensch, der von Natur aus einfühlsam ist, gewalttätig werden kann. Er kam zu dem Schluss, dass Gewalt Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse sei. Die GFK ist international anerkannt als eine äußerst wirksame Kommunikationstechnik im Alltag und im Beruf.

David Ginati betonte in seinem Vortrag, dass Empathie die Grundvoraussetzung für konstruktives Streiten sei. Sich in den anderen hineinzuversetzen, ihm zuzuhören, ohne Schuldzuweisungen, Ratschläge, Vergleiche oder Bewertungen einfließen zu lassen, sei der Schlüssel für eine gewaltfreie Kommunikation. Wichtig sei es, Verantwortung für das eigene Denken, Handeln und Fühlen zu übernehmen.

Rosenberg nenne die gewaltfreie Sprache auch "Herzenssprache" oder "Giraffensprache", denn die Giraffe habe einen langen Hals und könne von der Höhe aus gut beobachten und andere Tiere warnen, so Ginati. Sie habe das größte Herz aller Landtiere, was für Liebe und Mitgefühl stehe, lebe friedvoll und habe kaum Feinde. Auf der anderen Seite stehe die aggressive "Wolfssprache", erläuterte der Referent. Der Wolf sei ein Raubtier und habe Feinde. Er fühle sich stets bedroht und greife schnell an. Die Grundenergie dieser Sprache sei die Angst und es werde stets nach Schuld bei sich oder bei anderen gesucht. Diese Sprache sei verletzend und drücke sich unter anderem durch Kritik ("Das ist falsch"), Bewertung ("Du bist schlecht"), Verallgemeinerung ("Ihr seid schon wieder laut") und Manipulation ("Was Dir helfen wird, ist…") aus.

Gewaltfreie Kommunikation könne in vielen Situationen helfen, Anliegen so zu formulieren, dass sich niemand verletzt oder angegriffen fühle. Eine Kultur des Miteinanders könne entstehen, Missverständnisse sowie Eskalationen frühzeitig vermieden und Konflikte auf konstruktive und kooperative Art und Weise gelöst werden.

David Ginati, der bereits einige Seminare im Bereich der GFK für den Runden Tisch GewAlternativen durchgeführt hat, wird ab November im Kreis Borken zu dem Thema eine zehntägige Weiterbildung für Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen durchführen. "Wir freuen uns darüber, dass das Angebot so gut angenommen wird und die Fortbildung nach kurzer Zeit ausgebucht war", sagte Irmgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte und Geschäftsführerin des Runden Tisches GewAlternativen.

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