Rote Bank vor dem Gescheraner Rathaus

|   Gescher

Häusliche Gewalt in Familien und gegen Frauen ist allgegenwärtig und doch ein Tabuthema: Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch Partnergewalt. Vor dem Rathaus in Gescher wurde jetzt eine rote Bank aufgestellt, um ein deutliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Außerdem soll durch eine Plakette an der Bank, welche auch mit einem QR-Code versehen ist, auf konkrete Hilfeangebote für von Gewalt betroffene Personen aufmerksam machen.

Im Rahmen der Dunkelfeldstudie, die das Ministerium für Heimat, Bau,  Kommunales und Gleichstellung NRW und das Ministerium des Innern in Auftrag gegeben hatte, hat sich herausgestellt, dass es eine große Unkenntnis über vorhandene Hilfsangebote gibt.

Entstanden ist die Idee der „Roten Bank“ ursprünglich in der italienischen Stadt Perugia. Die Rote Farbe soll dabei das Blut darstellen, das bei den Gewalttaten vergossen wird.

Auf der Bank darf Platz genommen werden. Diese Möglichkeit besteht bis zum 25. November 2021, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Auf Wunsch kann die Bank beispielsweise für thematisch geeignete Aktionen innerhalb von Gescher ausgeliehen werden. Ansprechpartnerin ist Christiane Betting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gescher, die per Mail an betting@gescher.de kontaktiert werden kann.

Wer darüber hinaus an einem Schild mit dem QR-Code zu den Hilfsangeboten zum Anbringen an geeigneten Begegnungsorten, wie Familienzentren usw. interessiert ist, kann sich gerne im Gleichstellungsbüro Tel. 02542/60102 oder per Mail betting@gescher.de melden.

Auch im Kreis Borken steigen die Zahlen häuslicher Gewalt kontinuierlich an. Dabei erfasst die Kriminalstatistik nur die bekannt gewordenen Straftaten, d. h. die Zahlen bilden somit nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Gewaltgeschehens ab (Hellfeld). Das Dunkelfeld ist in diesen Deliktsbereichen erheblich. Die Taten finden im häuslichen Bereich, also meist im Verborgenen, statt. Schätzungen zufolge werden nur ca. 75 – 80 Prozent der Fälle aktenkundig: Opfer trauen sich aus verschiedenen Gründen nicht: aus Scham, aus Angst vor weiterer Gewalt oder aus emotionaler oder finanzieller Abhängigkeit. Überwiegend sind Frauen von Häuslicher Gewalt betroffen.

Im Kreis Borken gab es im vergangenen Jahr 615 erfasste Fälle von Häuslicher Gewalt. Es ist davon auszugehen, dass die Corona-Krise das Gewaltproblem zusätzlich verschärft hat, weil Stressfaktoren wie z. B. räumliche Enge, psychische Belastungen, finanziellen Sorgen etc. gewaltfördernde Faktoren sind.

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