Qualifikation schafft Perspektiven

|   Kreis Borken

„Ich habe ihn einfach  mal ins kalte Wasser geworfen.“ Mit diesen Worten beschreibt Volker Nießing mit einem kleinen Augenzwinkern den ersten Arbeitstag von Ghane Moradpur in seinem Unternehmen. Der junge Geflüchtete aus dem Irak sollte am Schweißgerät einfach mal zeigen was er kann. Der Chef rechnete mit einer kleinen Katastrophe und wurde angenehm überrascht. Eine Erfolgsgeschichte die auch Dieter Overkämping von der Agentur für Arbeit Coesfeld gerne hört. Denn er hat Moradpur den Arbeitsplatz vermittelt.

Der junge Mann, der im Jahr 2016 nach Deutschland kam, hatte bereits in seinem Heimatland als Schlosser gearbeitet. „Teilweise weichen die Berufsbezeichnungen und die verwendeten Werkzeuge aber stark von den deutschen Standards ab“, erklärt Overkämping. „Daher ist immer ein Praktikum oder Probearbeiten sinnvoll, um zu prüfen, welcher Wissensstand vorhanden ist.“ So entstand der Kontakt zur Firma Nießing, wobei der Inhaber zunächst etwas skeptisch war. „Ich hatte die Befürchtung, dass Sprachschwierigkeiten die Zusammenarbeit schwer machen könnten“, erinnert sich Volker Nießing. Nach dem Probearbeiten war diese Sorge aber verflogen. „Ich habe schnell gemerkt, dass Ghane schon sehr viel Fachwissen hatte. Das technische Begreifen für Zusammenhänge war da“, so Nießing. „Einige Werkzeuge und Arbeitsabläufe waren ihm zwar noch nicht vertraut, aber er hat sich die notwendigen Kenntnisse schnell angeeignet. Natürlich erklärt man anfangs mehr und muss Ghane mehr anleiten, durch seine Motivation macht er das aber mehr als wieder wett“, fasst der Chef zufrieden zusammen. Seit dem August 2016 ist Moradpur als Helfer-Metall bei Nießing tätig.

Parallel dazu absolvierte der junge Mann einen weiteren Sprachkurs. „Diesen hat er unlängst mit Bravour bestanden“, freut sich Overkämping. Auch nach der erfolgreichen Vermittlung dauerte die Betreuung durch den Integration Point der Agentur für Arbeit Coesfeld weiter an. „Wir wollen sowohl mit Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern in Kontakt bleiben. Nur so können wir, wie bei Herrn Moradpur, frühzeitig die Weichen für die Zukunft stellen“, fasst Overkämping zusammen. „Gute Handwerker sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Herr Moradpur hat uns gegenüber gezeigt, dass er langfristig gerne mehr als eine reine Helfertätigkeit machen möchte. Entsprechend haben wir gemeinsam mit dem Arbeitgeber das weitere Vorgehen besprochen.“ Mit Erfolg, denn Ghane Moradpur beginnt ab dem Januar 2018 eine Umschulung als Schlosser, die etwa zweieinhalb Jahre dauern wird.

Finanziert wird diese von der Agentur für Arbeit Coesfeld über das Projekt „WeGebAU“, eine Abkürzung für „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“. „Mit diesem Projekt unterstützen wir als Agentur für Arbeit in erster Linie ungelernte Beschäftigte und Mitarbeiter in kleinen und mittleren Unternehmen, die sich weiter qualifizieren möchten“, fasst Dieter Overkämping zusammen. „Ziel ist es dabei zu helfen, einen anerkannten Berufsabschluss zu erreichen.“ Denn oftmals arbeiten Beschäftigte schon lange in einer Branche und verfügten über großes Fachwissen. Eine reguläre Ausbildung wurde aber nicht absolviert. Das kann sich bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz negativ auswirken und auch der Aufstieg im Unternehmen wird so schwieriger. „Wir als Agentur für Arbeit helfen bei der Qualifizierung und unterstützen sowohl Betriebe als auch Beschäftigte“, erklärt Overkämping die Fördermaßnahme.

Auch Mordapur hatte vor seiner Flucht bereits Berufserfahrung gesammelt. Eine Qualifizierung soll jetzt aber die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern. „Ich will das unbedingt schaffen“, betont Moradpur. Und sein Chef ergänzt „Wir ziehen da alle an einem Strang, denn wir wollen Ghane als Mitarbeiter behalten. Motivierte Bewerber, die sich zu guten Fachkräften mausern, sind im Handwerk derzeit nicht immer leicht zu finden.“

Eine Auffassung, der sich auch Dieter Overkämping anschließen kann. „Natürlich bedeutet die Einarbeitung eines Geflüchteten oder eines Bewerbers mit geringerer Qualifikation zunächst einen Mehraufwand. Die Agentur für Arbeit bietet dabei aber vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten. Langfristig profitieren in der Regel sowohl Arbeitnehmer und Arbeitgeber und darauf kommt es uns an.“

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