Projekt „Grün statt Grau“ in Gaxel gestartet

|   Vreden

Gewerbegebiete müssen nicht trist und grau sein. Genau das möchte sich die Stadt Vreden mit dem Projekt "Grün statt grau" – Gewerbegebiete im Wandel - für das Industriegebiet Gaxel auf die Fahne schreiben. Wie eine nachhaltige Gestaltung bestehender Gewerbe- und Industriegebiete gelingen kann, erproben der Wissenschaftsladen Bonn, die Technische Universität Darmstadt und die Universität Osnabrück zusammen mit mehreren Pilotstädten seit drei Jahren in einem Verbundprojekt. Seit Oktober dieses Jahres kann auch Vreden von dem Verbund profitieren.

Als Schlüsselthemen für eine nachhaltige Entwicklung von Industrie- und Gewerbegebieten haben sich Wasser und Boden, Stadtklima, Energie und Mobilität hervorgetan. Der Klimawandel wird in Zukunft auch in Gewerbe- und Industriegebieten entsprechende Anpassungen erfordern. So heizen sich diese Gebiete im Sommer durch hohe Versiegelungsraten und die geringe Durchgrünung besonders auf und auch bei Starkregenereignissen verlangt der Mangel an Versickerungsflächen den Kanalsystemen so einiges ab. Hier gilt es den Vredener Unternehmen im Industriegebiet Gaxel Umsetzungsvorschläge zu unterbreiten, um die negativen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

Die Unternehmen können sich beispielsweise für eine Fachberatung zur naturnahen Umgestaltung ihrer Firmengelände anmelden. Die ersten sieben Unternehmen aus Gaxel haben bereits Beratungstermine in Anspruch genommen, um von dem Programm zu profitieren. Nach der Umsetzung soll nicht nur der "Wohlfühlfaktor" für Tiere und Pflanzen steigen, sondern auch die Beschäftigten sollen eine erhöhte Aufenthaltsqualität genießen. Durchgrünte Firmengelände schaffen insbesondere in den heißen Sommermonaten ein besseres Klima und sprechen sowohl Beschäftigte als auch Kunden an.

Auch der Umgang mit Regenwasser kann in den Fachberatungen ein wichtiges Thema sein. Retentionsmulden sowie eine Dach- oder Fassadenbegrünung können helfen, Teile des Regenwassers am Ort des Anfalls versickern zu lassen. Begrünte Dächer und Fassaden bieten außerdem einen nicht zu unterschätzenden gebäudeklimatischen Vorteil. Gebäude heizen sich durch den Bewuchs im Sommer weniger auf, so dass bei Rekordsommern wie in den letzten zwei Jahren ein angenehmeres Arbeiten möglich werden kann. Ganz nebenbei werden Ersatzlebensräume für Pflanzen und Tiere auf den Dächern und an Fassaden geschaffen. Eine Dachbegrünung ist im Übrigen nicht nur für Dächer mit einer hohen Tragkraft und freien Dachflächen eine Option. Mithilfe von vorkultivierten Moosmatten lassen sich auch Flächen mit geringer Tragfähigkeit und unter aufgeständerten PV- oder Solarthermieanlagen für die Begrünung verwenden. Die Moose benötigen kaum Pflege und nehmen ihre Nährstoffe aus der Luft und dem Regenwasser auf.

Um der Hitzeentwicklung auf Gebäuden und versiegelten Flächen im Industriegebiet Gaxel auf den Grund zu gehen, plant die Stadt Vreden im Rahmen des Projektes im Sommer 2020 eine Thermographie-Befliegung durchzuführen. Diese soll Aufschluss darüber geben, wo eine Gebäudebegrünung für die Temperaturregulierung sinnvoll sein könnte.

Als mit Gold ausgezeichnete Europäische Energie- und Klimaschutzkommune hat die Stadt Vreden Nachhaltigkeit durch umweltfreundliche Energie und Mobilität schon lange im Visier. Mit dem Projekt "Gaxelino" werden die Fahrradstrecken ins Industriegebiet zukünftig komfortabler und sicherer. Auch die geplante Schnellbuslinie "Baumwollexpress" und eine E-Ladestation im Industriegebiet sollen eine umweltverträgliche Mobilität fördern.

Als Sachbearbeiterin für "Grün statt grau" wird Dr. Julia Gottwald in den nächsten zwei Jahren für den Austausch zwischen den Unternehmen und der Stadtverwaltung verantwortlich sein sowie die Planung und Umsetzung der Prozesse begleiten. Ein wichtiges Instrument soll dabei der Aufbau eines Unternehmernetzwerkes sein. Eine gemeinsame starke und nachhaltige Weiterentwicklung des Industriestandortes Gaxel durch aktiven Austausch zwischen allen Beteiligten bringt Vorteile für das gesamte Gebiet, aber auch für den einzelnen Unternehmer. Vom Unternehmerfrühstück bis hin zu Fachvorträgen zu gebietsrelevanten Themen oder auch die Vermittlung von persönlichen Beratungen sind hier verschiedene Maßnahmen in der Planung.

Kontakt: E-Mail julia.gottwald@vreden.de, Tel. 02564/303-177 (Mo, Di und Fr)

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