„Präsenz oder Online – was bleibt?“

|   Heek

Mit einem Podium für das WDR3 Forum haben die Akademie der Kulturellen Bildung und die Landesmusikakademie NRW am 7.5. gemeinsam die Zukunft von Fort- und Weiterbildungen im kulturellen Bereich in den Blick genommen. Unter dem Titel „Präsenz oder Online – was bleibt?“ diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verbänden und der Kulturellen Bildung über die Veränderungen von Weiterbildungsformaten durch die Digitalisierung und Perspektiven für lebenslanges Lernen.

Seit Jahrzehnten sind Bildungshäuser wie die Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid oder die Landesmusikakademie NRW in Heek Orte intensiver Begegnung und fokussierten Lernens in ländlicher Abgeschiedenheit. Durch den Digitalisierungsschub während der Corona-Pandemie haben sich für Bildungsstätten wie Bundes- und Landesmusikakademien neue Wege eröffnet.

So bieten Online-Angebote eine andere Form der Teilhabe, auch für Menschen, die nicht reisen können oder weit entfernt leben. Fraglich bleibt jedoch, ob Online-Lernen die gleiche Intensität und einen ähnlichen Erkenntnisgewinn ermöglicht wie Lernen in Präsenz. Schließlich ist die nächste Ablenkung nur einen Klick entfernt.

„Die Zukunft der Fort- und Weiterbildung sehe ich in einer geschickten Kombination von Online- und Präsenzlernen. Dies wird zu höherer Effektivität und möglicherweise sogar besserer Vernetzung unter Teilnehmenden und Lehrenden führen“, bemerkte Antje Valentin, Sprecherin des Verbands der Bundes- und Landesmusikakademien in Deutschland.

Beim WDR3 Forum beleuchteten die Expert*innen aus der Politik, der Kulturellen Bildung und Verbänden nicht nur die Auswirkungen der Digitalisierung auf Weiterbildungen in Präsenzform, sondern betrachteten die Entwicklung von neuen Lehr- und Lernformaten. Dabei stand auch die Frage im Raum, wie in einer Gesellschaft, die von lebenslangem Lernen abhängt, ein Recht auf Weiterbildung für alle verankert werden kann – sei es im beruflichen oder ehrenamtlichen Bereich.

Prof. Dr. Susanne Keuchel, Direktorin der Akademie der Kulturellen Bildung, gab zu bedenken: „Kann sich eine Gesellschaft angesichts des rasanten gesellschaftlichen Wandels überhaupt leisten, Weiterbildung optional zu denken? Die bisherige Praxis einer vier- bis fünfjährigen akademischen Ausbildungsphase, die die Grundlage für eine 40-jährige Berufspraxis bilden soll, ist nicht mehr haltbar. Der Staat muss für die Weiterbildung in gleichem Umfang Verantwortung übernehmen wie für die Ausbildung.“

Die Podiumsrunde nahm zudem die Situation in der musikalischen Aus- und Weiterbildung während der Corona-Pandemie in den Blick. Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, sagte hierzu: „In der Corona-Zeit konnte die Verlagerung etwa von Vokal- und Instrumentalunterricht in den digitalen Raum vielen Musikpädagoginnen und -pädagogen zwar ihre finanzielle Existenz sichern. Dennoch haben wir seit März 2020 im Verstummen der Kultur vor allem auf drastische Weise erfahren und gelernt, dass das Live-Erlebnis durch nichts zu ersetzen ist – sei es das gemeinschaftliche Konzerterlebnis, die Proben der vielen Amateurmusikensembles oder der direkte Austausch von Lehrenden und Lernenden an Musikschulen, Musikhochschulen und im Weiterbildungsbereich.“

Für das WDR3 Forum diskutierten:

  • Dr. Peter Buhrmann, Geschäftsführer des Verbands der Bildungszentren im ländlichen Raum
  • Prof. Christian Höppner, Generalsekretär Deutscher Musikrat
  • Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft
  • Prof. Dr. Susanne Keuchel, Direktorin Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW, Präsidentin Deutscher Kulturrat und Vorsitzende Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
  • Antje Valentin, Direktorin Landesmusikakademie NRW, Sprecherin des Verbands der Bundes- und Landesmusikakademien in Deutschland

Moderation: Dr. Michael Köhler

Sendetermin: 9. Mai 2021, 18:04 Uhr

Die Sendung kann im Anschluss an den Sendetermin im WDR3 Forum als Podcast heruntergeladen werden.

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