„Pflege, das ist was für mich“

|   Kreis Borken

Er hat gewusst, worauf er sich einlässt. Und das im absolut positiven Sinne: Sebastian Stödtke ist der neue Einrichtungsleiter des Henricus-Stifts in Südlohn. Der 38-Jährige hat zum 1. Juni die Nachfolge von Jochen Albers angetreten.

Sebastian Stödtke ist beileibe kein Unbekannter im Seniorenheim am Breul in Südlohn. Der Oedinger ist dem Henricus-Stift seit 2002 treu verbunden. Damals absolvierte er dort seinen Zivildienst in der Haustechnik. Aber nur kurz, der frühere Leiter Helmut Könning sprach ihn an, ob er nicht in die Pflege wechseln wolle. Sebastian Stödtke wollte – und das nicht nur für die restliche Zeit seines Zivildienstes. „Ich habe relativ schnell festgestellt, Pflege, das ist was für mich.“ Der gelernte Tischler orientierte sich um, machte sein Fachabitur und absolvierte eine Ausbildung zum Altenpfleger. 2012 erwarb er den Wohnbereichsleiterschein und leitete dann den Wohnbereich 5 im Henricus-Stift. Es schloss sich eine Fortbildung zur Pflegedienstleitung an. Seit 2017 war Sebastian Stödtke Pflegedienstleiter, nun ist er Einrichtungsleiter.

Ist es für ihn als Einrichtungsleiter gut oder schlecht, dass er das Haus schon lange kennt? Sebastian Stödtke lächelt bei dieser Frage. „Mein Vorteil ist, dass ich so gut wie jeden Mitarbeiter hier im Hause kenne. Ich habe fast mit jedem schon zusammengearbeitet.“ Er nehme jetzt eine andere berufliche Rolle ein, erklärt er. „Ich muss mich abnabeln von der reinen Pflegetätigkeit.“ Er richtet seinen Blick jetzt auf das gesamte Henricus-Stift mit seinen gut 180 Mitarbeitern und 102 stationären Plätzen.

Das Henricus-Stift ist in Südlohn fest verankert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Seniorenheim aus dem alten Krankenhaus hervorgegangen ist. Bis 2018 war das Henricus-Stift eigenständig, dann schloss es sich dem Caritasverband Ahaus-Vreden an. Der Großteil der Bewohner kommt aus Südlohn und Umgebung, doch reicht der Einzugsbereich deutlich über die Grenzen des Kreises Borken hinaus. Es gibt auch Anfragen aus dem Ruhrgebiet. Das Haus hat einen sehr guten Ruf, die Bewohner fühlen sich wohl – was sie und ihre Angehörigen den Mitarbeitern auch sagen. „Es gibt hier ein sehr kollegiales Miteinander“, sagt Sebastian Stödtke. „Das spürt man auch in den Wohnbereichen.“ Deren Leitungen seien voller Elan.

„Die Qualität des Henricus-Stifts hochhalten“, das ist Ansporn und Verpflichtung für den neuen Einrichtungsleiter. Qualität, das sind für Sebastian Stödtke auch zwei Wohnbereiche für Menschen mit Demenz. Die Prämisse: Die Stärken dieser Bewohner bündeln und ihnen Bestmögliches anbieten, ohne andere zu vernachlässigen. „Zukunftsfähig“ ist ein weiteres Schlagwort. Sebastian Stödtke sieht das Henricus-Stift gut aufgestellt, weil es sich den Gegebenheiten anpasst. „Die Bewohner werden jünger. Und sie werden pflegebedürftiger.“ Die klassische Pflege von vor 20 Jahren, die gebe es heute nicht mehr. Die sogenannte Verweildauer werde immer kürzer. „Es ist ja auch so gewollt, dass die Menschen so lange wie möglich zuhause wohnen.“ Mal liegt die Verweildauer bei Jahren, mal bei einigen Monaten oder wenigen Wochen.

Noch eine Veränderung: Früher sei es bei den Bewohnern um Hobbys wie Backen oder Stricken gegangen. „Davon verabschieden wir uns ein wenig. Nach und nach kommen Bewohner, die ein iPad oder Smartphone haben und mit ihren Enkeln skypen. Sie sind interessiert an Mode, an Politik. Das sind die Zukunftsthemen.“ Um es mit Musik auszudrücken: „Was früher Heintje war, das sind heute Abba und die Beatles.“ Auch die Verpflegungswünsche wandeln sich. „Es könnte in Zukunft auch schon mal der Pizzaservice vor der Tür stehen, falls ein Bewohner es wünscht.“

Sein Vorgänger Jochen Albers war 17 Jahre Chef der Einrichtung, was wird Sebastian Stödtke anders machen? „Ich werde mich erst einmal in einige Aufgaben einarbeiten“, antwortet er. „Bei manchen Entscheidungen, die ich treffen werde, könnte es heißen: ,Das war schon mal anders‘. Aber damit muss und kann ich leben. Sonst hätte ich mir die Einrichtungsleitung nicht zugetraut.“

Der 38-Jährige weiß zudem ein starkes Team um sich herum. Das bestätigen Katrin Jägers (29) und Sigrid Ebbing (50). Sie treten in die Fußstapfen von Sebastian Stödtke als Pflegedienstleitung. „Wir kennen uns gegenseitig so gut, dass wir wissen, wie der andere tickt“, sagt Sigrid Ebbing. Sie schätzt vor allem die flachen Hierarchien im Haus. „Wenn die Mitarbeiter sich hier wohlfühlen, kommt das auch den Bewohnern zugute.“

Katrin Jägers arbeitet seit sieben Jahren im Henricus-Stift. Die Stadtlohnerin fing im Jahr 2014 direkt nach ihrer Ausbildung an und absolvierte eine Fortbildung zur Wohnbereichsleitung und Pflegedienstleitung. Sie leitete seit September 2018 den Wohnbereich 3 und teilt sich seit dem 1. Juni die Pflegedienstleitung mit Sigrid Ebbing. Die 50-jährige Ramsdorferin kümmert sich um die Bereiche Personal, Dienstplanung und Bewohnerakquise. Katrin Jägers ist für das Qualitätsmanagement und organisatorische Belange zuständig.

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