„Pflege braucht mehr Lobby, damit sich etwas verändert“

|   Kreis Borken

Die Vredener SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte hat bei einem Besuch des Bildungsinstituts für Gesundheitsberufe des Roten Kreuzes im Kreis Borken in Bocholt den Schülern geraten, offensiv ihre Belange zu vertreten – dies vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Stellen in der Pflege nicht besetzt werden können. Ursula Schulte sagte im Europahaus in Bocholt zu den Auszubildenden: „Sie müssen sich gewerkschaftlich organisieren und lauter werden. Pflege braucht mehr Lobby, damit sich etwas verändert.“

Im Pflegebereich herrscht seit Jahren ein großer Mangel an Pflegekräften. Es gibt zu wenig Personal, um den Bedarf an Pflege in Deutschland abzudecken. Die Bundesregierung hat zugesagt, 13.000 zusätzliche Stellen in der stationären Pflege zu schaffen. Schulleiterin Bernett Pingel wünscht sich, dass der Beruf attraktiver wird. „Dies ist nur durch bessere Arbeitsbedingungen und bessere Gehälter möglich. Wir müssen junge Leute für den Beruf wieder begeistern“, erklärte sie im DRK-Pressedienst.

„Wir wollen den älteren Menschen ein Lächeln auf die Lippen zeichnen und ein ganzheitliche kompetente Pflege ermöglichen“, sagt eine Schülerin. Nach dreijähriger Ausbildung sind die Azubis Fachkräfte in der Altenpflege. Alle arbeiten in Bocholter Senioreneinrichtungen oder in ambulanten Pflegediensten. Sie klagen, verdeutlichte Bernett Pingel im Gespräch mit Usula Schulte, über zu wenige Kollegen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen könnten. Am Wochenende sei die Personaldecke noch dünner. Die meist jungen angehenden Pflegekräfte trügen dann eine noch höhere Verantwortung. Die Lehrkräfte wüssten um die wenige Zeit, die auch den Pflegenden für den einzelnen Schüler zur Anleitung bleibe.

Die Zeit für Gespräche hätte zudem abgenommen. „Wir sprechen seit 20 Jahren von Kunden statt Patienten“, berichtete eine Pflegedienstleiterin. Der wirtschaftliche Faktor habe in dieser Zeit an Bedeutung enorm gewonnen.

 

Die Rotkreuz-Pflegeschüler haben einen Forderungskatalog für Gesundheitsminister Jens Spahn und Familienministerin Franziska Giffey erarbeitet. Ursula Schulte hat ihn nach Berlin mitgenommen.

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