Passion und Auferstehung auf dem Daruper Altarbild

|   Kreis Borken

In der der Zeit des Osterfestes geraten immer auch Abbildungen von Kreuz, Tod und Auferstehung Christi in den Blick. Ein besonders eindrucksvolles Bild von der Passion und Auferstehung befindet sich in der Daruper Kirche, die den hl. Fabian und Sebastian geweiht ist. Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr betreut in seiner Freizeit ehrenamtlich seit Jahren das Daruper Pfarrarchiv und hat in der aktuellen Ausgabe der Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld einen Beitrag über das Daruper Altarbild veröffentlicht, in dem er einen Einblick in die Geschichte des Altarbildes gibt, das um das Jahr 1420 entstanden ist.

Es zählt zu den ausdrucksstarken Kleinodien westfälischer Tafelmalerei und ist auf drei horizontale Eichenbohlen gemalt. Es zeigt fünf Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi, zentral in der Mitte befindet sich die Szene auf dem Kalvarienberg, die Kreuzigung, die von vier kleineren Bildern umrahmt wird: die Geißelung, Kreuztragung, Christus im Grabe sowie die Auferstehung Christi. In der Art der Darstellung ist eine Nähe zum großen Meister Conrad von Soest deutlich spürbar, wobei davon ausgegangen wird, dass wir es hier mit einem eigenständigen Meister zu tun haben, der seine Werkstatt vermutlich in Münster hatte und in dessen Werstatt wohl auch die Retabel von Warendorf und Isselhorst entstanden sind. Dabei entwickelte der Meister des Daruper Altarbildes ebenso eigene Bildideen wie auch eine durchaus eigene Darstellung im Detail. Besonders erwähnenswert ist die Darstellung Christus im Grabe, die in ihrer Art und Weise in der christlichen Ikonographie äußerst selten ist. Hier hat der Künstler den Moment der beginnenden Auferstehung festgehalten: Christus liegt im Sarkophag mit geschlossenen Augen, mit einem weißen Leichentuch bekleidet, seine beiden „rechten Füße“ sind soeben sichtbar. Die vor dem Sarg sitzenden beiden Wächter sind ebenfalls in einem tiefen Schlaf versunken. Drei zierliche Engel ergreifen hier die Initiative und heben den Sarkophagdeckel empor, während Christus weiterhin die Augen geschlossen hält. So wird gewissermaßen erst durch das Tun der Engel die Auferstehung Christi vom Tode eingeleitet, die in dem nachfolgenden Bild des über den Tod triumphierenden Christus besonders wirkungsvoll dargestellt wird. Dabei hält Christus in der Linken das Siegesbanner mit dem Kreuzeszeichen und schiebt mit der Rechten tatkräftig den Sargdeckel zur Seite. Auch hier hat der Maler symbolhaft dem Auferstandenen an das linke Bein einen rechten Fuß gemalt, damit dieser sprichwörtlich nicht mit dem „linken Bein“ aus dem Sarg aussteigen mußte. Eingefasst wird dieses Ostergeschehen am linken Rand mit einem Busch blühender Osterglocken und am rechten Bildrand von einer ebenso detailliert gemalten Akelei, die im Mittelalter in der Blumensprache Christus symbolisierte.  

Leider haben sich die beiden Seitenflügel des Altarbildes nicht mehr in Darup erhalten. Sie wurden vermutlich im Jahre 1809 als nicht mehr benötigt verkauft. So heißt es in einem Verzeichnis über die Erträge, die der Daruper Pfarrer Matthias Kroos von Verkäufen der „alten aus der Kirche abgebrochenen Materialien“ in den Jahren 1809/10 erzielte, am 2. November 1809 neben „5 Stück von der alten Communion Bank“ auch „1 gemahltes brettern Altarbild… 9 Sgr.“ Die Gelder wurden damals für die Instandsetzung der Kirche verwendet.

Bei der Umgestaltung der Daruper Kirche in den Jahren 1868-70 unter Pfarrer Heinrich Stöffing erhielt das Altargemälde seinen Platz über dem neu errichteten neogotischen Seitenaltar, der durch den aus Darup stammenden Architekten und Steinmetz Bernard Zumbusch, angefertigt wurde. Im August 1900 ließ der damalige Pfarrer von Darup, Dr. August Bröckelmann, das Altargemälde durch den Maler und Restaurator Richard Fernholz, Münster restauriere, wofür er 130 Mark berechnete.

Im Herbst 1946 sah sich auf Bitten der Kirchengemeinde Provinzialkonservator Dr. Wilhelm Rave das Altarbild in der Daruper Kirche an, da sichtbare Schäden am Bild aufgetreten waren. Er empfahl, die Luftzirkulation des Bildes mit der Kirchenwand zu verbessern und alsbald eine Restaurierung durch einen geeigneten Restaurator zu veranlassen. Dies zog sich bis zum Januar 1949 hin, als Rave den Direktor des Dortmunder Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Dr. Rolf Fritz, mit der Begutachtung des Bildes beauftragte. Dieser sah wegen einer festzustellenden starken Blasenbildung dringenden Handlungsbedarf und bot an, das Bild in der Restaurierungswerstatt auf Schloß Cappenberg bei Lünen restaurieren zu lassen, um es anschließend auch direkt in der geplanten Ausstellung „Conrad von Soest und sein Kreis“ präsentieren zu können. Hiermit erklärte sich die Daruper Kirchengemeinde einverstanden, so dass im Herbst 1949 die Restaurierungsarbeiten in Cappenberg durchgeführt werden konnten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Arbeiten konnte das Altarbild im neuen Glanz von Juli bis September 1950 in der sehr erfolgreichen Ausstellung über Conrad von Soest und sein Umfeld auf Schloß Cappenberg präsentiert werden. Die Abwesenheit des Bildes in Darup in dieser Zeit passte insofern gut, als dass in den Jahren 1950/51 die Kirche um die heutige Seitenkapelle nach Plänen der Architekten Heinrich Benteler und Albert Wörmann, Münster, erweitert wurde. Der Seitenaltar, über dem das Bild bisher seinen Platz gehabt hatte, wurde abgebrochen und fand vereinfacht in der Seitenkapelle neue Aufstellung. Darüber wurde sodann wieder das Altarbild platziert, nun jedoch mit größerem Abstand zur Wand und ohne den neogotischen steinernen Rahmen, damit nicht erneute Schäden am Tafelgemälde entstehen konnten.

Das Daruper Altarbild wurde dann im Jahre 1969 erneut in der Kunsthalle in Hamburg im Rahmen der Ausstellung „Meister Francke und die Kunst um 1400. Ausstellung zur Jahrhundert-Feier der Hamburger Kunsthalle“ ausgestellt.

Mit der Umgestaltung des Chorraumes im Rahmen einer umfassenden Kirchenrenovierung in den Jahren 1982/83 erhielt das Altarbild seinen heutigen Platz in der Apsis der Kirche oberhalb des Tabernakels. Hier ist es auch heute noch das Ziel zahlreicher Gläubiger und interessierter Besucherinnen und Besucher, die es eingehender betrachten und von dem dargestellten biblischen Geschehen besonders berührt werden.

Der ganze Beitrag ist in den Geschichtsblättern des Kreises Coesfeld Jahrgang 45, 2020 veröffentlicht, die beim Kreisheimatverein für 12 Euro erhältlich sind.

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