Mit Herzblut und Beharrlichkeit für das bklm

|   Ahaus

14 Jahre lenkte Michaele Grote die Geschicke des bklm und vor vollem Haus feierten treue Wegbegleiter, Vertreter aus Politik und Bezirksregierung, Kollegen und Familie Abschied. Der Kreis hatte geladen und alle kamen. Durchs Programm führte nonchalant das Lehrerteam Christina Giersch und Christoph Sommer, mit feinem Witz und auch deutlichen Worten und präzisen Zeitangaben.

So wurde die letzte Lehrerkonferenz unter der Leitung von Grote nochmals allen plastisch ins Gedächtnis gerufen. Denn Christoph Sommer hat ein Trauma, ein Problem mit Frau Grote, schlaflose Nächte und er sieht etwas Schicksalhaftes darin:  „Als am 3. April 2019 um 17.37 Uhr der letzte Arbeitsauftrag von Frau Grote lautete, Korrektes Falten und Einfügen einer Klarsichthülle in einen DINA3-Bogen, um dies dann gesamt zu einem DINA4-Bogen zu machen.“ Da dies nur einigen Hochbegabten auf Anhieb gelang, war vielen klar, die Fortbildung der Bezirksregierung Münster, Falten und Heften II in der Toskana, wird auf jeden Fall wahrgenommen, so Moderator Christoph Sommer. Mitgebracht hatte er auch ein wahrlich nicht korrekt gefaltetes Exemplar der neuen Mappe. Musikalisch untermalt wurde der Festakt von den Musiklehrern am bklm, Hiltrud Erning, Josef Gebker, Thomas Renkhoff und Stefan Herkenrath, die von französischem Barock an Spinett und Flöte, sowie mit dem Lehrerchor ihre musikalische Bandbreite zeigten. 

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Schulleiter Alfred Schröer, dem der Abschied von seiner langjährigen Chefin sichtlich schwerfiel, wurde zu zwei runden Tischen geladen in denen individuell die Teilnehmer Michaele Grote gute Wünsche, Einschätzungen und Dank mit auf den weiteren Lebensweg gaben. In der ersten Runde moderiert von Lehrerratsvertreterin Barbara Blüml, stellte Landrat Dr. Kai Zwicker nochmals die Wichtigkeit beruflicher Bildung für den Kreis Borken heraus und betonte, welch verlässliche Partnerin Michaele Grote in all den Jahren für die gute Zusammenarbeit war. Elisabeth Büning, die den Fachbereich Bildung, Kultur und Sport des Kreises Borken leitet, betonte, wie froh sie war, noch mehr Frauen in Leitungspositionen zu sehen und auch sie fand überaus lobende Worte für die scheidende Schulleiterin- „Ihre Beharrlichkeit ist das, was ich ganz besonders an, Ihnen, Frau Grote finde.“

Bernhard Damm, der ehemalige Leiter des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZFSL) Gelsenkirchen reichte nicht ein Adjektiv, um die Persönlichkeit Grotes zu beschreiben, er nannte zwei: „Geerdet neugierig- auf die Welt, die Menschen und sich selbst.“ Peter Geusendam vom Land- und Golfhotel Ahaus konnte sich auch gut vorstellen, wie Michaele Grote beim Golfen den nötigen Abstand zur Schule herstellen kann. Dies wünschte er ihr auch von Herzen, da er besondere Wertschätzung auf ihre große „Praxisnähe in der Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben“ hegt. Daniel Janning, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft betonte, dass die Arbeit Grotes mit „Kopf, Herz und Hand“ von ihr gemacht wurde, und er bei einer Führung durch die Räume eine „starke persönliche Identifikation“ mit der Lise Meitner gespürt habe, „Frau Grote sehr viel Herzblut“ in ihre Arbeit legte.

Nach einer berührenden Darbietung des Lehrerchores unter der Leitung von Hiltrud Erning, die den Gospel Let my light shine bright mehrstimming darbrachten, wurden zu einem zweiten runden Tisch die Referendarin Eva Gesing, stellvertretender Schulleiter Alfred Schroer und der pensionierte Kollege Fritz Gregory gebeten. Lehrer Raphael Medding kitzelte unter dem Motto „Grote- Schön wars“ besondere Erinnerungen heraus. So betonte Eva Gesing, dass sie mit Michaele Grote mehrfache erste Begegnungen hatte, als Schülerin, Praktikantin und auch als Referendarin und sich immer ernst- und angenommen fühlte. Alfred Schröer erinnerte an eine dramatische Notsituation, in der der neuen Schulleiterin beim ersten Lehrerausflug eine Zecke entfernt werden musste, der Rest ist bekannt, sie überlebte. Fritz Gregory erinnerte an die „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Lehrer, die Frau Grote erwartete. Damit einher ging die ihm von Grote aufgezeigte „Polarität zwischen Arbeitsaufwand und Stundenlohn“. Diese Offenheit konnte er gut annehmen und so seinen eigenen Weg als Lehrer finden.

Alle Redner wünschten Michaele Grote Zeit für ihre kulturellen Hobbys, Reisen und das Fahrradfahren und auch die nötige Muße. Landrat Dr. Kai Zwicker wünschte zum Abschied: „Finden Sie Ihre ganz persönliche Tagesstruktur und dafür habe ich Ihnen etwas mitgebracht.“ Er überreichte ihr einen Korb für die Freizeitgestaltung mit Picknickdecke und auch kulinarischen Genüssen. Als die leitende Regierungsschuldirektorin der Bezirksregierung Münster, Beate Schwingenheuer die Bühne betrat, war allen klar, nun wird es amtlich mit dem endgültigen Abschied von Michaele Grote als Schulleiterin des Berufskollegs Lise Meitner.

Schwingenheuer ließ den Werdegang Grotes Revue passieren, von der bodenständigen Ausbildung als PTA, dem Studium des Gewerbelehramts, die langjährige Tätigkeit auch als Religionslehrerin, als Fachleiterin in Gelsenkirchen und die Übernahme der Schulleitung in Ahaus. Schwingenheuer ließ keinen Zweifel daran, dass Michaele Grote sich engagiert und voller Fleiß in jede neue Aufgabe mit Begeisterung einarbeitete und sich mit Hingabe dieser widmete. Dort wurde auch die TZI-Fortbildung genannt, die die persönliche und professionelle Haltung der Schulleiterin entscheidend prägte. Sechs Jahre widmete sie sich der themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn, dort steht eine sachliche Auseinandersetzung mit Themen, die aber die Beteiligten nicht außen vorlässt, im Vordergrund.

Auch die kulturellen Interessen von Michaele Grote, die sie mit ihr teilt, wurden erwähnt, wie ein Radiofeature über den Philosophen Jürgen Habermas, welches so spannend war, dass man schon mal im Auto sitzen blieb. Mit Dank und Lob für die gute Zusammenarbeit und vielen offiziellen und auch sehr persönlichen guten Wünschen überreichte sie dann die Entlassungsurkunde des Landes NRW. Michaele Grote oblag es, die Schlussworte zu sprechen. Sie benannte neben der Öffentlichkeitsarbeit, die den Aufbau der Schulhomepage mit einer engagierten Kollegin beinhaltete, auch die Arbeit in der Steuergruppe, die ihr sehr viel gegeben habe. Ihre Eltern besaßen eine Fleischerei und sie habe nie ihre Wurzeln vergessen. „Im Handwerk kann man auch die Resultate sehen“, auch im Krankenhaus, wo sie die Infusionen in der Krankenhausapotheke vorbereitet hatte, hatte man ein sichtbares Arbeitsergebnis. Aber als Schulleiterin, wo doch über 90 Prozent der Arbeit aus Kommunikation besteht? Wie sieht man da, was man geschafft hat? Ein Messzylinder schaffte für das Publikum Abhilfe: „Dies ist die Tinte, die ich in den 14 Jahren verschrieben habe, auf Dokumente wie Zeugnisse oder Briefe.“ Die leeren Tintenfässer brachte sie auch noch mit. Die Menge war beeindruckend.

Grote zeigte sich dankbar für die gute Arbeitsatmosphäre, die sie am Berufskolleg Lise Meitner hatte. Sie erinnerte an Verstorbene, verglich ihren Arbeitsalltag mit einer „Wundertüte“, wo man erst abends wusste, womit sie tagsüber gefüllt war. Trotz vieler „Wehmutsanteile“ sieht sie dem Ruhestand mit Neugier und Gelassenheit entgegen: „Ich muss nicht mehr funktionieren, ich bin nicht mehr so wichtig“ und schmunzelnd ergänzt sie: „Ich habe meinem Mann gesagt, der Tag ist lang…“ Michaele Grote freut sich jetzt auf eine erfüllende Zeit, die vor ihr liegt, wo sie die Prioritäten setzen kann. Dies griff zum Abschied auch das Moderatorenteam auf, die einen Vorfreudetee überreichten, zur Vorfreude oder einem Zustand, in dem man dann vor Freude ist. Zum Abschluss sang der Chor der Lehrerinnen und Lehrer am Berufskolleg Lise Meitner der scheidenden Schulleiterin ein Ständchen mit einem Ausblick, einem Wunsch und einem Rat: „Don´t worry be happy…”

« Zurück zur Übersicht
Ein Angebot von