Mehr Lebensqualität im Pflegealltag

|   Ahaus

Ob ausgelöst durch einen Unfall oder eine Krankheit - täglich kommt es auch im Westmünsterland zu vielen Schicksalsschlägen, die Betroffene und ihre Angehörigen aus der Bahn werfen. Dafür ist es wichtig einen sogenannten „Bewegungsführerschein“ zu erwerben. Der Alltag bei einem Pflegefall muss nämlich von jetzt auf gleich umgestaltet werden, weil die sonst üblichen, automatischen Bewegungsabläufe nicht mehr funktionieren. Das nicht jeder hilflos in seiner neuen Situation sein muss und welche Möglichkeiten es gibt, auch mit Handycap noch einiges an Lebensqualität zu erhalten, hat der Grundkurs Kinaesthetics im Ahauser St. Marien-Krankenhaus anschaulich und praxisorientiert umgesetzt. Bei einer Feierstunde wurden den Absolventen die Urkunden zum Bewegungsführerschein überreicht.

„Kinaesthetics“ - ein Begriff, der im täglichen Sprachgebrauch kaum Verwendung findet, aber dessen Inhalt, die „Bewegungs-Wahrnehmung“, unbewusst das alltägliche Leben mitbestimmt. Körperbewegungen wie aufstehen, anziehen, laufen, essen und trinken gelten für den gesunden Menschen als selbstverständlich. Doch was ist, wenn z.B. nach einem Unfall oder Schlaganfall genau diese angelernten Automatismen nicht mehr locker von der Hand abgehen? Oftmals werden die Betroffenen als kompletter Pflegefall eingestuft, obwohl viele Funktionen noch erhalten geblieben sind. Genau da setzt die Expertise der „Kinaesthetics“ und dem damit verbundenen „Bewegungsführerschein“ an, die im Ahauser Krankenhaus durch die Fach-Expertin Annette Zumdick in vielfältigen Kurs- und Workshop-Angeboten in ihrer Bewegunsfahrschule präsentiert wird. „Die größte Irritation ist die Unwissenheit der Bewegungsabläufe im Umgang mit den zu Pflegenden“, sagt Zumdick. „An Armen und Beinen wird gezogen, gezerrt oder anderweitig hin und herbewegt und sorgt dadurch für unnötige Hektik, Unbeweglichkeit und Frustration im Pflegealltag.“

„Wir freuen uns sehr, dass durch die regelmäßigen Kinaesthetics-Kurse die Lebensqualität der zu Pflegenden und ihrer Angehörigen in den eigenen vier Wänden verbessert wird und somit oftmals eine stationäre und damit teurere Pflege nicht in Anspruch genommen werden muss“, macht Sascha Schierok als Regionalgeschäftsführer der BARMER aus Stadtlohn das kostenlose Angebot des Ahauser Krankenhauses noch einmal deutlich. „Die Erfahrungen und das Wissen aus dem Kurs bringen mich sehr viel weiter, ich habe im Vorfeld viele Fehler gemacht, die ich jetzt bewusst vermeiden kann“, heißt es gleich von mehreren Kurs-Teilnehmern nach mehrwöchigen Einheiten.

Seit mehreren Jahren finanziert die Barmer als Kooperationspartner die Kurse und sorgt dadurch ohne großen bürokratischen Aufwand für eine schnelle und direkte Hilfe zur Selbsthilfe. Auch andere Krankenkassen übernehmen inzwischen derartige Kosten. Anmeldungen und weitere Informationen zu den Kinaesthetics-Kursen sowie zu häuslichen Schulungen, die kostenlos vor, während und nach den Kursen gebucht werden können, erhalten Sie bei Annette Zumdick direkt unter Tel. 0176/ 30 50 79 35 oder per Mail an kontakt@bewegungsfahrschule.de.

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