Krisenstab des Kreises Borken im „Corona“-Dauereinsatz

|   Kreis Borken

Dr. Elisabeth Schwenzow ist da stets sehr konsequent: Pünktlich um 10 Uhr am Vormittag bittet die Kreis-Ordnungsdezernentin als Leiterin des Krisenstabes die rund 25 Anwesenden um Gehör. Dazu muss sie allerdings nicht laut rufen. Sie spricht vielmehr in das vor ihr auf dem Tisch stehende Mikrophon und sofort nehmen alle ihre Plätze ein. Abhängig von der Lage tritt der Krisenstab des Kreises Borken derzeit jeweils zwei- bis dreimal in der Woche zusammen – seine Aufgabe: Informationen über die aktuelle Situation austauschen und analysieren, Maßnahmen abstimmen sowie Planungen auf den Weg bringen.

Damit diese Treffen unter Beachtung der erforderlichen hygienischen Standards und der Abstandsregelung durchgeführt werden können, finden sie im Großen Sitzungssaal des Borkener Kreishauses statt – ein Raum jetzt in Coronazeiten mit besonderer Eingangskontrolle und Desinfektionsspender an der Tür; ein Raum, in dem sonst locker 120 Personen Platz finden können. Daher braucht die Leiterin des Krisenstabes – genauso wie dessen weitere Mitglieder – also ein Mikro, um sich im weiten Rund verständlich machen zu können. Die erforderliche Arbeitsdisziplin hingegen stellt sich in diesem wichtigen Gremium schon von ganz alleine ein. Schließlich geht es hier darum, binnen kürzester Zeit eine umfangreiche Tagesordnung – oft mit besonderer Tragweite für die Bevölkerung – abzuarbeiten und dabei aufgeworfene Fragen zu diskutieren und dann auch zu entscheiden.

An einer straffen Sitzungsführung ist Elisabeth Schwenzow deswegen sehr gelegen. Die stets mehr oder minder gleiche Ablaufstruktur erleichtert dies ungemein: Zunächst gibt die Krisenstabsleiterin selbst mithilfe von Karten und Schaubildern einen kurzen Einblick in die aktuelle Lage: Wie viele Personen sind neu positiv auf das Virus getestet worden? Gibt es örtliche Schwerpunkte? Wie viele Infizierte sind zwischenzeitlich gesundet? Wie sehen Hochrechnungen zur weiteren Entwicklung aus? Wie ist die Versorgungslage mit Schutzmaterialien? Landrat Dr. Kai Zwicker richtet den Blick dann vor allem auf die Entwicklung in Bund und Land sowie in den benachbarten Niederlanden.

Anschließend berichten Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster als Kreissozialdezernent und Kreisamtsärztin Annette Scherwinski als Leiterin des Kreisgesundheitsamtes über die zurzeit immer weiter wachsenden Herausforderungen für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Zunehmend häufiger muss hier auch Karin Ostendorff, Leiterin des u. a. für die Heimaufsicht zuständigen Fachbereichs Soziales der Kreisverwaltung, das Wort ergreifen, wird doch das Coronavirus inzwischen leider auch in Altenpflegeheime und Behinderteneinrichtungen "eingetragen"; zudem ist die ambulante häusliche Pflege betroffen.

Danach folgen die Ausführungen der Vertreter der Krankenhäuser (Ludger Hellmann und Christoph Bröcker), und der niedergelassenen Ärzte (Dr. Amin Osman), des Leiters der Kreisleitstelle für Feuerschutz und Rettungsdienst (Stephan Kruthoff), der Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes (Hanjo Groetschel bzw. Dr. Peter Wagener), des Ordnungsamtsleiters des Kreises (Heribert Volmering), und der Vertreter der Feuerwehr (Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel), der Hilfsorganisationen DRK (Jürgen Rave und Leonard Pliete) und des Malteser Hilfsdienstes (Thomas Klein-Ridder).

Als Sprecher der Kommunen im Kreis informieren die Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch (Vreden) und Andreas Grotendorst (Raesfeld) über die Situation in den kreisangehörigen Städten und Gemeinden, geben Rückmeldungen zu getroffenen Maßnahmen und regen weitere an. Die Verbindungsbeamten Ingo Walter (Kreispolizeibehörde Borken) und Christiaan Velthausz von der niederländischen Veiligheidsregio Noord- en Oost Gelderland (Feuerwehr- und Rettungsdienstregion) vermitteln ein kurzes Lagebild aus ihrer fachlichen Sicht und Karlheinz Gördes als Pressesprecher des Kreises unterrichtet über die Medienarbeit und Bevölkerungsinformation, also über den Kontakt zu Presse, Funk und Fernsehen, über die Aktivitäten in den Social-Media-Kanälen und über die unmittelbare Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Ergänzt wird dies von Michael Heistermann vom Kreisgesundheitsamt um Informationen aus der Telefon-Hotline, die über die ganze Woche hin freigeschaltet ist. Dem Krisenstab gehört außerdem Hauptmann d. R. Oliver Müller-Hammerschmidt vom Kreisverbindungskommando der Bundeswehr an. Erforderlichenfalls können auch weitere Fachleute hinzugezogen werden, wie etwa Elisabeth Büning als Leiterin des Fachbereichs Bildung, Schule, Kultur und Sport der Kreisverwaltung oder die Bürgermeister ggf. besonders betroffener Kommunen im Kreis.

Damit die Krisenstabsarbeit organisatorisch reibungslos funktionieren kann, arbeitet im Hintergrund die sogenannte Koordinierungsgruppe (KGS) dem Stab zu, erstellt beispielsweise die Sitzungseinladungen und -protokolle, Lagekarten und Schaubilder und leitet auch die Lagemeldungen an die Bezirksregierung Münster weiter. In der KGS sind im täglichen Wechsel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Kreisverwaltung schichtweise tätig.

Genauso konsequent wie sie die Krisenstabssitzung eröffnet hat, beendet Dr. Elisabeth Schwenzow die Zusammenkunft schließlich auch wieder. Der nächste Sitzungstermin wird noch festgelegt und dann gehen alle mit dem Wunsch "Bleiben Sie gesund!" auseinander. Nicht wenige nehmen ein Päckchen oder gar einen Packen Arbeitsaufträge mit.

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