Kolloquium zur Glockenkunde in Gescher

|   Gescher

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie treffen sich Sachverständige, Glockengießer, Campanologen und Glockenfreunde wieder in Präsenz zum Kolloquium zur Glockenkunde, zu dem das Deutsche Glockenmuseum einlädt. Von Freitag, dem 30. September bis Montag, dem 3. Oktober werden etwa 50 Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz wieder am Standort des Vereins in der Glockenstadt Gescher im westlichen Münsterland erwartet. In Form von Vorträgen, Diskussionen und persönlichen Gesprächen tauschen sie sich über ihre Forschung und Arbeit mit den Glocken aus.

Neben der jährlichen Mitgliederversammlung des Vereins wird am Freitagabend ein weiterer, 369 Seiten umfassender Band des Jahrbuchs für Glockenkunde vorgestellt, in welchem sowohl Kolloquiumsbeiträge der vergangenen Jahre als auch umfassende wissenschaftliche Aufsätze und wichtige Nachrichten aus der Glockenwelt nachzulesen sind. Für die Zusammenstellung und redaktionellen Einrichtung zeichnet erstmals ein neues dreiköpfiges Herausgebergremium verantwortlich.

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Kolloquiums wird die Vorstellung von Inventarisationen und neuen historischen Erkenntnissen zu einzelnen Glocken und Geläuten sein. In dem Zusammenhang werden die Kolloquiumsteilnehmer am Samstag zu einer ganztägigen Exkursion nach Rheine aufbrechen. Kennzeichnend für die Geläute dieser Stadt ist eine ungeheure Vielfalt von Glocken aus unterschiedlichem Material wie Bronze und Gussstahl, aber auch historisch bedeutender Glocken des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit in der Pfarrkirche St. Dionysius. Vor allem auf letzteres wird Dr. Claus Peter, Glockensachverständiger des Landeskonservators von Westfalen, in seinem Abendvortrag am Freitag hinweisen. Durch dendrochronologische Untersuchungen am Glockenstuhl kam es zu neuen Erkenntnissen im Hinblick auf die Baugeschichte der Kirche.

Die Vorträge am Sonntag und Montag befassen sich mit dem musikalischen als auch mit dem technischen Aspekt der Glocken und ihrem Umfeld. So wird Prof. Dr. Max Klöcker von der Technischen Hochschule Köln über die Neuaufhängung des Klöppels der Petersglocke des Kölner Domes, die im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag feiern wird, referieren. Nachdem der alte Klöppel der einst größten freischwingenden Glocke der Welt 2011 beim Dreikönigsläuten gebrochen und abgestürzt war, erhielt der „decke Pitter“ noch im selben Jahr einen neuen. Da dessen Aufhängung jedoch nicht befriedigte, wurde 2017/18 von der Technischen Hochschule eine neue berechnet. Weiter berichtet Martin Groß vom Verein Domglocken Magdeburg e.V. über den aktuellen Stand des Projektes der Erweiterung des dortigen Domgeläuts. Die Hintergründe der erst jüngst bekannt gewordenen Erweiterung des Bremer Domgeläuts mit Neuguss der großen Domglocke Brema verrät Projektbetreuer Matthias Dichter.

Am Sonntagnachmittag bieten Glockensachverständige in den Räumlichkeiten des Westfälischen Glockenmuseums, mit dem das Deutsche Glockenmuseum seit Jahren kooperiert, Tutorien zur Einführung in die Glocken- und Geläuteinventarisation an. Hierzu sind interessierte Gäste herzlich willkommen, sich die Geheimnisse des Glockenklangs und wie man diese mit Hilfe von Stimmgabeln analysiert zeigen zu lassen.

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