Keine Angst vor dem „schwarzen Mann“

|   Kreis Borken

Der Tag begann früh für Tierpfleger Ralf Nolten. Sein Wecker klingelte bereits um 4.30 Uhr, denn der stellvertretende Revierleiter vom Haustier-Revier des Tierparks Nordhorn startete zu einer besonderen Mission. Sie hieß: mit dem Pferdeanhänger auf zum Zoo Duisburg. Dort erwartete man ihn gegen 8 Uhr, um einen kleinen Alpakahengst zu übergeben.

Wobei „übergeben“ im Sinne der Pandemie-Schutzmaßnahmen natürlich nicht wortwörtlich gemeint ist. „Im Gegenteil“, so Nolten, die Kollegen haben den Junghengst eigenhändig in den Pferdehänger getragen, während ich in gebührendem Abstand als Zuschauer daneben stand“. Selber laufen wollte der Kleine nicht. „Halfterführigkeit ist leider nicht angeboren, das muss man erst noch trainieren“, fügt er lachend hinzu. Da steht dem Nordhorner Tierpflegerteam also noch eine kleine Tiertrainings-Aufgabe bevor. Nachdem auch die Papiere vom Tier und für den Transport im Auto abgelegt worden waren, konnte Ralf Nolten wieder den Rückweg antreten.

Sobald das Auto anfährt legen sich Alpakas – im Gegensatz zum Beispiel zu Pferden - in der Regel hin. Daher streut man den Boden des Hängers schön dick mit Stroh ein, damit es die Tiere gemütlich und warm haben. "Transporte sind immer ungewohnt und sicher auch etwas beängstigend für die Tiere“, erklärt Zootierärztin und Kuratorin Dr. Heike Weber. „Sie werden ja aus ihrer gewohnten Umgebung herausgeholt und an einen für sie neuen, unbekannten Ort gebracht. Daher versuchen wir jeden Tiertransport so ruhig und angenehm wie möglich zu gestalten,“ so Weber weiter.

Angekommen in Nordhorn wurde es dann nochmal richtig spannend. Der 11 Monate alte schwarze Junghengst startete gleich mit den typischen Alpaka-Brummlauten. Die hört man sehr oft und zu unterschiedlichen Gelegenheiten. Vor allem wenn Alpakas neugierig oder etwas unsicher und ängstlich sind. Nachdem er erstmal aus der Ferne von den Alpakadamen des Nordhorner Tierparks beäugt wurde, kam es zu einer Annährung am Zaun. Angst vor dem „neuen schwarzen Mann“ hatte keine der Stuten.

Aber anfangs etwas ungehalten reagierte ausgerechnet die ebenfalls schwarze Carla. Sie spuckte den Neuen erstmal an. Spucken, oder genauer gesagt Mageninhalt hochwürgen und ausspucken, ist ein ganz typisches Verhalten von Alpakas. Sie weisen damit ihren jeweiligen Artgenossen in die Schranken, zeigen wer ranghöher ist. Gegenüber Menschen wird dieses Verhalten selten gezeigt. „Eine Ausnahme sind tiermedizinischer Behandlungen. Da kommen die Tierpfleger und ich leider oft nicht um eine säuerlich riechende grüne Magensaftdusche herum“, wirft Heike Weber schmunzelnd ein. Sie kann die Tiere aber verstehen, wer lässt sich schon gerne eine Spritze geben.

Nachdem der kleine Hengst also durch Carla erst einmal in die Schranken gewiesen wurde und von allen Stuten noch gründlich beschnüffelt worden war, konnten die Tierpfleger ihn auf der Wiese laufen lassen. Der Neue fühlte sich augenscheinlich sofort wohl im Pulk der vier Alpakadamen. Der Tausch des männlichen Tieres war wichtig, um die Herde fit und gesund zu halten. Alle paar Jahre steht turnusmäßig der Tausch des Deckhengstes an. Der alte, mittlerweile kastrierte „Hengst“ wird nun an einen anderen Zoo oder, weil er ein Haustier ist, auch an Privat abgegeben. Interessenten können sich unter kurator@tierparknordhorn. de melden.

Nun hoffen alle Tierparkmitarbeiter, dass der „schwarze Mann“ aus Duisburg in den nächsten Jahren auch seiner Bestimmung als guter Zuchthengst nachkommt und für schöne Alpakafohlen im Tierpark Nordhorn sorgen wird.

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