„Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen"

|   Kreis Borken

Beleidigungen, Nötigung zu sexuellen Handlungen, Schläge und Vergewaltigungen gehören in keine Partnerschaft. Trotzdem erleben viele Frauen weltweit – auch im Kreis Borken – täglich Gewaltausbrüche ihrer Partner. Um diese Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, wird jährlich am 25. November der "Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen" begangen. Er soll jeglicher Form der Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen entgegenwirken. In diesem Zusammenhang weist der Kreis Borken auf Hilfsangebote für Betroffene im Westmünsterland hin. Zudem wird als Zeichen der Solidarität und Unterstützung an dem Tag die Fahne des gemeinnützigen Vereins "Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau" vor dem Kreishaus in Borken gehisst. Des Weiteren beteiligt sich die Verwaltung an der Mitmachaktion "Wir brechen das Schweigen – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen #schweigenbrechen" des bundesweiten Hilfetelefons für Frauen (08000/116-016).

Kreispolizei registriert bsi September 607 Fälle häuslicher Gewalt

"Die steigende Zahl der Strafanzeigen, die die Kreispolizeibehörde Borken von Januar bis September 2022 wegen häuslicher Gewalt aufgenommen hat, zeigt, dass nicht häufig genug auf die Problematik aufmerksam gemacht werden kann", sagt Landrat Dr. Kai Zwicker. In den neun Monaten registrierte die Kreispolizeibehörde Borken 607 Fälle häuslicher Gewalt. Im Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum 538 Fälle. Somit beträgt die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr zwölf Prozent. Bei den Straftatbeständen rangierte an erster Stelle die "einfache Körperverletzung" mit 361 (349) Fällen, gefolgt von der "gefährlichen Körperverletzung" mit 86 (59) Fällen und der "Bedrohung" mit 55 (46) Fällen. Auch bei diesen jeweiligen Straftatbeständen ließ sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021 ein deutlicher Anstieg erkennen. In 291 Fällen wurden im Zeitraum Januar bis September dieses Jahres Wohnungsverweisungen ausgesprochen.

"Hohe Dunkelziffer in diesem Bereich weiter lichten"

"So alarmierend die Daten sind, sie bedeuten aber nicht zwangsläufig, dass die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt tatsächlich gestiegen ist. Die Zahlen verdeutlichen aber eines: Die Bereitschaft, Fälle häuslicher Gewalt öffentlich zu machen und zur Anzeige zu bringen, wächst stetig. Wir gehen davon aus, dass durch intensive Bemühungen aller Beteiligten, durch verstärkte Aufklärung, Sensibilisierung, Öffentlichkeitsarbeit und Prävention es gelungen ist, die extrem hohe Dunkelziffer in diesem Bereich weiter zu lichten", erklärt der Landrat. "Nach Schätzungen gehen wir als Polizeibehörde davon aus, dass die Dunkelziffer im Bereich der häuslichen Gewalt immer noch hoch ist. Viele Opfer verschweigen aus Angst, Scham oder weil Kinder im Spiel sind, die Vorfälle", sagen die Opferschützer der Kreispolizeibehörde Borken.

Präventiv mit Beratungsangeboten helfen

Die vermehrten Anzeigen und die hohe Dunkelziffer in dem Bereich zeigen für Imgard Paßerschroer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Borken, wie wichtig es ist, das kreisweite gemeinsame Engagement gegen häusliche Gewalt fortzusetzen und möglichst früh präventiv mit entsprechenden Beratungsangeboten zu helfen. Aus diesem Grund existiert seit 2001 im Kreis Borken der "Runde Tisch gegen häusliche Gewalt – GewAlternativen", dessen Schirmherr Landrat Dr. Kai Zwicker ist. "Hierbei handelt es sich um einen interdisziplinären Zusammenschluss von Fachleuten, die direkt oder indirekt mit Fällen häuslicher Gewalt konfrontiert werden können", erläutert Irmgard Paßerschroer als Geschäftsführerin des Runden Tisches und ergänzt: "Gemeinsam haben wir uns das Ziel gesetzt, gegen häusliche Gewalt im Kreis Borken vorzugehen, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und damit befasste Institutionen sowie Organisationen untereinander zu vernetzen." Nicht durch Verleumdung und Verharmlosung könne der Gewalt und ihren Folgen begegnet werden, sondern nur durch aktive Begleitung, Beratung und Unterstützung der betroffenen Frauen, unterstreicht der Landrat die Relevanz des Gremiums. Vertreten sind dort unter anderem folgende Bereiche: Beratungsstellen, Bildungseinrichtungen, Frauenberatung, Frauenhäuser, Gleichstellung, Jugendämter, Justiz, Medizin, Polizei, Schulen und Tageseinrichtungen für Kinder. "Inzwischen gehören rund 55 aktive Mitglieder zum Zusammenschluss", sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Aktion mit den roten Bänken war sehr erfolgreich

Im Laufe der mehr als 20 Jahre des Bestehens des "Runden Tisch – GewAlternativen" haben die Verantwortlichen verschiedene Aktionen, Ausstellungen, Seminare und Tagungen organisiert. Als Beispiel nennt Irmgard Paßerschroer die letzte Veranstaltung des Bündnisses "Wenn der Krieg im Kopf weitergeht – Traumafolgestörung im Kontext von Krieg, Flucht und Gewalt". Bei dieser Fachtagung sei es um Frauen und Mädchen gegangen, die auf der Flucht unvorstellbares Leid erlebt haben und daher unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Eine große Bedeutung spielt in diesem Kontext die Erstbetreuung der Kriegsgeflüchteten. Dabei stellen sich unter anderem folgende Fragen: Wie soll man sich dabei verhalten? Wie gehen Fachleute in Beratungsstellen, Fraueneinrichtungen und Flüchtlingsunterkünften damit um?

Ein weiteres Beispiel für die Aktivitäten des Runden Tisches sind die roten Bänke mit markanten Sprüchen zum Thema Gewalt, die 2021 und 2022 von den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in vielen Städten und Gemeinden im Kreisgebiet aufgestellt wurden. Die Bänke sollen Hoffnung auf einen Ausweg aus der gewalttätigen Situation symbolisieren. Daher sind sie mit Schildern ausgestattet, auf denen wichtige Rufnummern der bundes- und landesweiten Hilfetelefone und Beratungsstellen im Kreis Borken angegeben sind. Ein QR-Code führt zudem auf die Internetseite des Runden Tisches "GewAlternativen", die weitere Informationen zum Bündnis und zu Hilfsangeboten bereithält.

Zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote im Kreis

Im Kreis Borken gibt es zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote, wie beispielsweise die Frauenberatungsstelle und den Frauennotruf in Ahaus, die unter der Telefonnummer 02561/3738 zu erreichen sind. Die Rufnummer der Kontakt- und Anlaufstelle bei häuslicher Gewalt in Ahaus lautet 02561/95230. Mit dem Frauenhaus Bocholt können Hilfesuchende unter der Telefonnummer 02871/40194 Kontakt aufnehmen und die Frauenschutzwohnung Gronau ist unter der Rufnummer 02562/817340 zu erreichen. Alle Beratungsangebote sind kostenlos und vertraulich. Weitere Informationen zu Beratungsstellen, Schutzeinrichtungen und Hilfsangeboten für betroffene Frauen, aber auch für Kinder und Männer gibt es auf der Internetseite des Kreises Borken unter www.kreis-borken.de/gewalternativen.

Zum Hintergrund:

In einer Beziehung können verschiedene Formen der Gewalt ausgeübt werden. Sie lassen sich wie folgt definieren: Zur ökonomischen Gewalt zählen beispielsweise Verbot oder Zwang, arbeiten zu gehen, Geld zuteilen, verweigern oder wegnehmen und Ausgaben kontrollieren. Die physische Gewalt lässt sich beispielsweise mit fesseln, festhalten, schlagen, stoßen und würgen definieren. Psychische Gewalt kann unter anderen durch beleidigen, demütigen, drohen, einschüchtern und stalken verübt werden. Unter sexualisierte Gewalt fallen sexuelle Belästigung, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung. Jemanden wie Eigentum behandeln, Entscheidungen für einen anderen treffen und Kontakte überwachen sind Formen der sozialen Gewalt. Mord und Totschlag zählen zu den Straftaten gegen das Leben. Entziehung der Kinder und Freiheitsberaubung gehören zu den Straftaten gegen die persönliche Freiheit.

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