Innovativ mit Bionik

|   Vreden

Einen sehr großen Innovationssprung nach vorn haben kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit der Zukunftstechnologie Bionik in den letzten Jahren in der deutsch-niederländischen Grenzregion und vor allem im Kreis Borken gemacht. Dank des INTERREG VA-Programms Deutschland Nederland „BIK – Bionik in KMU“ konnten viele KMU natürliche Vorbilder nutzbar machen, um Prozesse zu verbessern oder völlig neue Produkte bzw. Technologien nach dem Beispiel der Natur zu entwickeln und zu vermarkten. Insgesamt standen dafür 2,7 Mio. Euro als Gesamtprojektsumme zur Verfügung. Das BIK Einzugsgebiet umfasste die Euregio Ems-Dollart-Region und die EUREGIO.

Allein im Kreis Borken konnten 17 Unternehmen über konkrete Bionik-Anwendungen in ihren Betrieben im Rahmen der Förderstufen 1 und 2 informiert und intensiv von den Bionik-Experten der Westfälischen Hochschule beraten werden. Vier Unternehmen befassten sich mit sogenannten „Demonstratorentwicklungen“ (Stufe 3 und 4). Zwei weitere Unternehmen durchliefen weitere Stufen des Programms bis zur Prototypentwicklung (Stufe 3 bis Stufe 5). Regierungspräsidentin Dr. Dorothee Feller besuchte nun drei Unternehmen, die alle Stufen von BIK erfolgreich durchlaufen haben und zeigte sich sehr beeindruckt:

"Ist etwas, was seit Millionen Jahren von der Natur gemacht wird innovativ? Aus Sicht der Natur, lautet die Antwort: ‚Nein‘. Übertragen auf Produkte, Prozesse und Dienstleistungen innerhalb von KMU lautet die Antwort. "Durchaus!" Davon konnte ich mich überzeugen."

Seit mehr als 30 Jahren ist Haake Technik in Vreden in der Entwicklung und Fertigung von Sicherheitstechnik erfolgreich tätig. SchaltleistenSafety BumperSchaltmatten, Schalter, Türverriegelungen und Ventilverriegelungen werden selbst entwickelt und produziert. Arbeitssicherheit und Maschinensicherheit haben für das Vredener Familienunternehmen oberste Priorität. Kapazitive und Drucksensoren spielen in der Industrie für Sicherheitsanwendungen im Bereich Personenerkennung, Mensch-Roboter-Interaktionen und Kollisionsdetektion eine wichtige Rolle. Als bionische Inspirationsquellen im Rahmen von BIK nutzte Haake den Tastsinn der menschlichen Hand und den Elefantenrüsselfisch. Als eines der wenigen Unternehmen bei BIK hat Haake die Bionik mit einem Experten im Unternehmen implementiert. So kann über die Landesförderung "Karrierewege FH-Professur" mit Dr. Michael Bennemann ein ausgewiesener Bionik-Experte befristet beschäftigt werden. „Wir sind stets offen für Neues und sehen die Bionik als Chance und wertvolle Inspirationsquelle für unsere Forschung und Entwicklung“, so Geschäftsführer André Haake.

„Wir setzen bereits seit einigen Jahren bionische Methoden und Ansätze ein. Wir haben uns in dem Projekt zunächst um bionische Optimierungen für Schneidkanten gekümmert. Aktuell widmen wir uns vor allem dem Thema  ‚bionischer Leichtbau‘, da hier enormes Potenzial auch bei unseren Kunden gesehen wird“, erklärt Geschäftsführer Ulrich Grunewald. Im Rahmen von BIK beschäftigte sich Grunewald intensiv mit der Optimierung seiner Stanzvorrichtungen, die eine langanhaltende Qualität der Stanzkante ermöglichen und so die Standzeit der Stanzvorrichtungen verlängern und eine manuelle Nachbearbeitung möglichst unnötig machen. Nach dem Vorbild von Zähnen bei Tieren wurden hier unterschiedliche Aspekte untersucht. Die erfolgreiche weitere Implementierung der Bionik bei Grunewald erfolgt nachhaltig unter anderem durch die Einstellung von Bionik-Absolventen der Westfälischen Hochschule. Grunewald ist deutschlandweit mit mehreren Standorten im Werkzeug- und Formenbau sowie im Bereich Entwicklung und Optimierung metallischer Bauteile und Kunststoffkomponenten von der Konstruktion, über den Prototypenbau und Vorserie bis hin zu Serienfertigungsverfahren tätig.

Nicht nur bei Staub, sondern auch bei Viren unterstützt das Prinzip des bionischen Staubsaugers dabei ultrafeine Partikel zu vergrößern, um diese dann zu filtern oder zu zerstören. Hinter dem Agglomerieren zu größeren Partikeln, das das Filtern erleichtert, verbirgt sich ein Prinzip, das von Fledermäusen kopiert wurde. Der Entwickler Prof. Gregor Luthe erklärt: "Lernen von der Natur führt häufig zu ganz neuen faszinierenden Einsichten, wie der Fähigkeit der Fledermäuse durch Schall Nanoteilchen wie Schneeflocken zu Schneebällen zu formen, die dann wegen der um die 1000-fach gesteigerte Größen einfach gefiltert werden können. In der Coronazeit hat uns das in die Lage versetzt, einen vollkommen neuen Filtertypen auf den internationalen Markt auszurollen - auch dank der Unterstützung der EUREGIO. Die Bionik ist ein faszinierendes Instrument, dem man deutlich mehr Gewicht bei der Entwicklung von Technologien beimessen sollte."

Die WFG für den Kreis Borken engagiert sich seit vielen Jahren intensiv im Bereich der Bionik. Im Rahmen des INTERREG Projektes „BIK - Bionik in KMU“ übernahm sie gemeinsam mit den Partnern tcnn, Emsland GmbH und Novel T die intensive Betreuung und Beratung der Unternehmen während der Projektlaufzeit. Für einen niederschwelligen Zugang der Firmen zu INTERREG-Mitteln sah BIK eine gestufte Beantragung vor. Die Förderung erstreckte sich von zu 100 % geförderten Aufschluss- und Intensivberatungen (Stufen 1 und 2), über umfangreiche Machbarkeitsanalysen (Stufe 3, 75 % Zuschuss) bis zur jeweils mit 50 % Zuschuss unterstützen Demonstrator- (Stufe 4) und Prototypenentwicklung (Stufe 5).

„Es freut mich sehr, dass das INTERREG-Förderprogramm ‚BIK – Bionik in KMU‘ so gut angenommen wurde und auch viele neue Ansätze und Verbesserungen hervorgebracht hat. Das stimmt mich für die folgende INTERREG Phase, die Ende 2021 bzw. Anfang 2022 beginnt, zuversichtlich“, so Dr. Markus Könning, Leiter der WFG-Innovationsberatung.

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