„In der Krise gibt es oft nicht die Zeit, vieles durchzulesen“

|   Ahaus

Gesundheitliche Versorgungsplanung (GVP) – das ist die gedankliche und inhaltliche Auseinandersetzung mit der Planung der Gesundheitsfürsorge am Lebensende. Beim Caritasverband Ahaus-Vreden ist Monika Nienhaus für dieses Angebot zuständig. Sie und weitere GVP-Berater aus dem Kreis Borken trafen sich zu einem ersten Austausch im Otgerus-Haus in Stadtlohn. Die GVP-Beratung ist ein noch relativ unbekannter und neuer Teil in der Versorgung eines zu Pflegenden.

„Wir GVP-Beraterinnen und -Berater sind irgendwie noch Einzelkämpfer, jeder in seiner jeweiligen Einrichtung“ berichtet Monika Nienhaus. Es fehle der kontinuierliche Austausch zum Beispiel darüber, wo es Probleme gebe und was gut laufe. So könne man aus den Erfahrungen anderer lernen und die GVP besser in die Dienste implementieren.

Seit gut zwei Jahren gibt es den „Arbeitskreis GVP im Kreis Borken“. Ihm gehören unter anderem Mitglieder aus der stationären Altenhilfe, der ambulanten Pflege sowie der Eingliederungshilfe an: Gudula Decking (Kreis Borken), Friedhelm Harmeling (Antonius-Hospital Gronau), Ali Nazlier (Klinikverbund Westmünsterland), Bernd Bietmann (Wittekindshof), Andreas Gerdes (Caritasverband Borken) Monika Nienhaus und Pascal Nienhaus (Caritasverband Ahaus-Vreden) Helmut Hater (Haus Hall).

Vierteljährlich werden verschiedene Themen bearbeitet. Es wurde eine „Verfügung für den medizinischen Notfall“ entwickelt, die kreisweit Verwendung findet und die von allen GVP-Beratern im Kreis genutzt werden kann. Dabei handelt es sich um eine Handlungsanweisung, die greift, wenn ein Patient oder ein Bewohner sich in einer akuten Situation befindet, die das Leben bedroht.

Die Verfügung wurde vorab mit der Person, mit Angehörigen, Ärzten und gegebenenfalls mit Betreuern besprochen und abgestimmt. „Alle Beteiligten wissen nun, in welche Richtung agiert werden soll. Soll die Person ins Krankenhaus? Soll sie beatmet werden? Sollen intensivpflegerische Maßnahmen ergriffen werden? Oder ist abgeklärt, dass der palliative Weg beschritten wird?“ Die Gespräche dazu sollten auf jeden Fall frühzeitig erfolgen, erläutert Monika Nienhaus. Die Handlungsanweisung wird in der Patientenakte (digital) hinterlegt und verbleibt auch beim Bewohner, wenn er zum Beispiel ins Krankenhaus muss.

Beim GVP-Gespräch geht es darum, wie man am Ende seines Lebens versorgt werden will. Es werden Wünsche erforscht und besprochen – und vor allem offen kundgetan. Wertvorstellungen werden thematisiert – um dann sicher sein zu können, so selbstbestimmt wie möglich versorgt zu werden und sterben zu können. Ganz im Sinne einer begleitenden Gesundheitlichen Versorgungsplanung.

Ein weiterer Schwerpunkt, den der GVP-Arbeitskreis bearbeitet: eine einheitliche Dokumentation. Manches werde handschriftlich aufgezeichnet, manches digital hinterlegt. Wichtig sei es, Informationen zu bündeln, eine Einheitlichkeit herzustellen und für einen Wiedererkennungswert zu sorgen. „In der Krise gibt es oft nicht die Zeit, vieles durchzulesen. Da braucht man schnell einen Sachstand, Informationen und Anweisungen.“ Thematisiert wurde auch die Refinanzierung des Arbeitskreises. „Im Moment gibt es noch keine Refinanzierung, wenn wir zum Beispiel Fortbildungen anbieten und dazu Referenten einladen“, berichtet Monika Nienhaus. 

Die GVP-Beratung könne bei gesetzlich Versicherten über die Krankenkasse abgerechnet werden. Es entstehen somit keine Kosten für die, die das Angebot der Begleitung in Anspruch nehmen.

Zum Schluss formulierte der Arbeitskreis noch einen Wunsch: dass in den Einrichtungen die Gesundheitliche Versorgungsplanung am Lebensende ein Teil des Lebens wird. „Noch tun sich viele schwer, darüber zu reden, Wünsche und Vorstellungen auszudrücken. Zugehörige mögen oft die Betreffenden nicht damit konfrontieren. Nach den Gesprächen, so die Erfahrung, sind alle dankbar für die Möglichkeit des Austausches. Damit und mit dem niedergeschriebenen (mutmaßlichen) Willen kann der Betroffene sicherer sein, dass seine Wünsche respektiert werden, damit ein selbstbestimmtes Leben am Ende möglich ist.

Die Berater stehen für tiefere Gespräche bereit. Die Möglichkeit der Gesundheitlichen Versorgungsplanung kann in allen Einrichtungen des Kreises erfragt werden.

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