Im Einsatz für Kopfweiden

Erstellt von Von SVEN ASMUSS | |   Ahaus

Am Donnerstag, 25. Februar, soll der Rat der Stadt Ahaus in seiner Sitzung die Offenlage des Bebauungsplans Nr. 37 – Wüllen Nord – Abschnitt 2 beschließen. Mit diesem Bebauungsplan wird die Entwicklung eines Wohngebiets zwischen Kaickhoffs Weg, Stickte und Vredener Dyck sowie dem Wohngebiet Friedmate im Wüllener Norden vorangetrieben.

Ahaus In der Beschlussvorlage werden den Ratsmitgliedern zwei Varianten zur Auswahl gestellt. In der sogenannten Variante A würden zahlreiche alte Bäume, die unter anderem um eine ehemalige Hofstelle gewachsen sind, gefällt und so Platz für mehr Grundstücke machen. In der Variante B bleiben die alten Bäume bestehen, dafür gibt es aber weniger Grundstücke. 
In der Vorlage wird auch abgewogen und begründet. Demnach befindet sich im östlichen Teil des Plangebiets eine Kopfbaumreihe, die im Landschaftsplan als geschützter Landschaftsbestandteil im Sinne des § 29 BNatSchG festgesetzt ist und die wegen der besonderen Bedeutung für das Landschaftsbild und der Lebensraumfunktion für Tiere erhalten werden soll. Es wird aber gleichzeitig darauf hingewiesen, dass durch den Bebauungsplan die Kopfbaumreihe ins Siedlungsgebiet rutscht und daher die Bedeutung für das Landschaftsbild verliert. Eine Orientierungsfunktion für Fledermausarten, die der Kopfbaumreihe in einem Artenschutzgutachten zukommt, soll durch eine neue Hecke übernommen werden. Ein weiteres Argument, mit dem in der Vorlage die Abholzung der Kopfbäume befürwortet wird, ist die Tatsache, dass das Plangebiet auch ohne die Kopfbäume über ausreichend Grünflächen verfügt. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Verkehr hat sich bereits in seiner Sitzung am 17. Juni 2020 für die Variante A ausgesprochen. 
Gegen die Abholzung der alten Bäume, insbesondere besagter Kopfbäume, hat sich Widerstand formiert. Stefanie Brunsmann und Christiane Betting haben eine Online-Petition gestartet, in der sie vehement für den Erhalt der Bäume werben und die Variante B präferieren. Über 630 Unterstützer*innen haben die Petition bislang unterzeichnet. „Wir wollen nicht das Neubaugebiet verhindern, sondern erreichen, dass beides kombiniert wird. Es muss eine Kompromisslösung geben“, sagt Stefanie Brunsmann. „Wir wollen verhindern, dass durch die Fällung der Bäume das Landschaftsbild nachhaltig verändert wird. Es würde ewig dauern, bis Ersatzanpflanzungen so groß wären wie die Kopfweiden jetzt“, ergänzt Christiane Betting. Sie hat recherchiert und im Geodatenatlas des Kreises Borken Hinweise darauf gefunden, dass die Wallhecke und die Kopfweiden schon seit 1850 existieren. Politiker hatten bei Ortsterminen darauf verwiesen, dass Kopfweiden nicht älter als 100 Jahre werden würden und die zur Disposition stehenden Exemplare wohl mindestens 80 Jahre alt wären, also ohnehin nicht mehr lange leben würden. Den beiden Initiatorinnen geht es darum, etwas Typisches für Wüllen zu erhalten. „Dass die Münsterländer Parklandschaft direkt bis an den Kirchturm reicht, das gibt es nicht so häufig“, weiß Christiane Betting aus verschiedenen Gesprächen mit Planern. Es gelte also, etwas Besonderes zu erhalten. Um dieses Vorhaben möglichst erfolgreich zu gestalten, muss aber noch einiges passieren. Damit die Stadtverwaltung noch einmal offiziell Stellung nehmen muss, müssen 670 Ahauser die Petition unterschrieben haben. Derzeit liegt die Zahl bei knapp über 460 Ahausern. Christiane Betting und Stefanie Brunsmann werden auf jeden Fall auch bei der Ratssitzung dabei sein und die Abstimmung verfolgen. Sie hoffen auf weitere Mitstreiter. 
www.openpetition.de/petition/online/dorfidylle-bald-dorfgeschichte-wuellener-stoppt-die-geplante-beseitigung-unserer-baumbestaende-2

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