„Ich habe noch nie aufgegeben"

|   Stadtlohn

Wie so viele Sportler blickt der Leichtathlet Steven Orlowski auf eine schwierige Saison zurück. Seit nahezu einem Jahr wartet der 23-Jährige auf seinen nächsten Wettbewerb. Dabei startete das vergangene Sportjahr noch so vielversprechend. Davon und auch von seinen Plänen berichtet der Stadtlohner, der für die LG Olympia Dortmund startet, im Interview.

Hallo Steven, grundsätzlich erst einmal die Frage nach der Gesundheit und der allgemeinen Stimmungslage…

Steven Orlowski: Schönen guten Tag, mir geht es grundsätzlich sehr gut. Ich wurde am Wochenende auf das Coronavirus getestet und mein Ergebnis war auch negativ. Auch sonst bin ich gesundheitlich fi t. Meine persönliche Stimmungslage allgemein ist sehr gut, auf den Sport bezogen ist das leider nicht so.

Das vergangene Jahr hatte für Sie verheißungsvoll begonnen. In Barcelona haben Sie Ihre Bestzeit über den Halbmarathon deutlich geknackt.

Steven Orlowski: Dann gab es aber eine Verletzung. Nach meinem Rennen in Barcelona wurde jedes Rennen nach und nach abgesagt, was für mich sehr gut war. So hatte ich nicht den Stress, schnellstmöglich wieder fit zu werden. Als ich erfahren habe, dass der EuropaCup, für den ich mich in Barcelona qualifiziert hatte, ebenfalls abgesagt wurde, ist mir zu dem Zeitpunkt ein kleiner Stein vom Herzen gefallen. Eine Absage wegen Verletzung wäre enttäuschender gewesen.

Wie fühlt man sich, wenn man stets einen gewissen Level halten muss, die Ziele aber nach und nach wegbrechen?

Steven Orlowski: Ich bin damals extra von Stadtlohn nach Dortmund gezogen, um hier mein gesamtes Leben auf den Sport auszurichten. Alles hier ist perfekt darauf abgestimmt, das Bestmögliche aus meinem Körper herauszuholen. Ich trainiere rund 20 Stunden die Woche, wenn ich alles zusammenzähle komme ich auf 30 Stunden für den Sport. Wenn nichts stattfindet, fragt man sich schon, wofür man diesen Riesenaufwand betreibt.

Welche Konsequenzen hat eine Saison ohne Wettbewerbe gerade für ambitionierte Sportler?

Steven Orlowski: Ich persönlich kann mein Leben nicht über den Sport finanzieren. Leider ist die Leichtathletik „nur“ eine Randsportart in Deutschland, dementsprechend gibt es nur ausgewählte Athleten, die von der Leichtathletik leben können. Neben meinem Sport arbeite ich bei einem Vereinspartner im Einzelhandel. Zudem bin ich als Trainer in der Leichtathletik aktiv und studiere in Hamm.

Zu den Anfängen: Ursprünglich waren Sie ja Triathlet im SuS Stadtlohn. Wann waren Sie an dem Punkt angelangt, alles auf die Karte Laufen zu setzen?

Steven Orlowski: Ich habe damals eine Ausbildung zum Holzmechaniker bei Hülsta angefangen. Dadurch, dass ich keine Ferien mehr hatte und mein Tagesablauf ein ganz anderer war, war Triathlon für mich zeitlich nicht mehr möglich. Ich habe mich dann auf meine Lieblingsdisziplin konzentriert, das Laufen. 2014 folgte dann der Sprung zur LG Olympia Dortmund.

Wie kam der Kontakt zustande?

Steven Orlowski: Ich glaube, dass jeder, der sich mit dem Laufen im Münsterland auskennt, meinen Namen schon mal gehört haben muss. Ich bin als Zwölfjähriger schon 18:15 Minuten über die fünf Kilometer gelaufen, drei Jahre später war ich der schnellste deutsche U16-Athlet über diese Strecke. Mein Trainer Pierre Ayadi wollte mich schon früher nach Dortmund holen, er besuchte meine Familie und mich schon ein paar Jahre zuvor.

Wie sah der Alltag in den ersten Jahren aus?

Steven Orlowski: Es war für ich erstmal eine riesige Umstellung. Ich habe zunächst in einer Einzimmerwohnung gewohnt und musste von nun an für mich selbst sorgen. Ein großer Vorteil war, dass ich in einem Mehrfamilienhaus gewohnt habe und dort im Haus auch andere Läufer gewohnt haben. Ich habe eine zweite Ausbildung angefangen, eine schulische zum Sport und Gymnastiklehrer.

Wo liegen Ihre besonderen Stärken?

Steven Orlowski: Am liebsten bin ich auf der Straße aktiv. Ich denke, momentan liegt mir die Halbmarathonstrecke am besten. Natürlich werde ich auch weiter was auf der Laufbahn machen, aber erst ab 5000 Metern.

Welche Ereignisse sehen Sie für Ihre persönliche Entwicklung wesentlich?

Steven Orlowski: Im Sport gibt es natürlich immer magische Momente, wie der im Berliner Olympiastadion oder eben der in Barcelona. Dies motiviert einen natürlich. Ich denke aber, einen sehr großen Anteil an meinem Erfolg hat der Umstand, dass ich noch nie aufgegeben und immer an mich geglaubt habe. Auch bei schweren Verletzungen.

Was läuft aktuell? Als Individualsportler sind die Einschränkungen nicht ganz so groß, oder?

Steven Orlowski: Leider ist das nicht ganz so. Man muss sich anmelden, wenn man in die Leichtathletik-Halle möchte. Mein übliches Krafttraining hat schon lange nicht mehr stattgefunden, Schwimmbäder sind geschlossen. Das hat dann auch Einfluss auf Ihre Tätigkeit als Übungsleiter und Trainer... Steven Orlowski: Ich bin als Lauftrainer der U16 der LG Olympia Dortmund tätig und als Übungsleiter beim TSC Eintracht Dortmund in der Leichtathletik. Training findet momentan praktisch nicht statt. Ich schreibe für meine Läufer einen wöchentlichen Trainingsplan, bin im regelmäßigen Austausch mit ihnen.

Wo sehen Sie beruflich Ihre Zukunft?

Steven Orlowski: Natürlich würde ich sehr gerne später meinen Beruf mit dem Sport verbinden - sei es als Trainer oder sogar im Einzelhandel in der Beratung, wo ich mein Fachwissen weitergeben darf und kann.

Gibt es noch Kontakte zur Heimat, zum SuS?

Steven Orlowski: Ich habe keinen regelmäßigen Kontakt, wenn dann zur Leichtathletik- oder zur Laufabteilung. Natürlich bin ich dem SuS Stadtlohn sehr dankbar für die Unterstützung, zum Beispiel durch Bernhard Sax, Mechthild Wüpping, Heiner Strack oder auch Gerrit Völker. Sie haben alle mitgewirkt, dass ich heute hier stehe. Persönlich würde ich mir etwas mehr Anerkennung wünschen – zum Beispiel im Vergleich zu den Fußballern. Es werden mit viel Aufwand immer wieder tolle Sportler hervorgebracht. Am meisten wurde ich natürlich von meinen Eltern unterstützt, die es mit mir nicht immer leicht hatten. Heute sind sie sehr stolz.

Dürfen wir auch weitere Auftritte beim City- oder Silvesterlauf in der Heimat erwarten?

Steven Orlowski: Natürlich! Ich glaube zwar, dass ich jeden Streckenrekord in Stadtlohn besitze, aber in die Siegerlisten möchte ich mich so oft wie möglich eintragen. Sportlich gesehen ist ein Rennen für mich nicht von großer Bedeutung, da habe ich andere Ziele. Ich zeige so aber, dass ich gerne in Stadtlohn laufe und stolz darauf bin, als Stadtlohner so weit gekommen zu sein.

Zur Person: Steven Orlowski, Jahrgang 1997, aus Stadtlohn schloss sich 2007 der Leichtathletik- und Schwimmabteilung des SuS Stadtlohn an; mit der Triathlonabteilung des SuS fand er 2009 den Einstieg in den Leistungssport mit großen Erfolgen auf NRWEbene; 2014 folgte der Wechsel zur LG Olympia Dortmund; nach dem Umzug 2016 wurde er Vierter bei der U20-DM über 10.000 Meter; 2018 wurde er Deutscher Meister im Halbmarathon mit der Mannschaft; ebenso mit dem U23-Team 2019; 2019 nahm er an der DM Elite über 5000 Meter teil; beim Halbmarathon in Barcelona schaffte er 2020 die Norm für den Europa-Cup in Paris.

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