Großer Abschied von zwei Vredener Schulen

|   Vreden

Zahlreiche Gäste versammelten sich am Samstag im Forum der Sekundarschule zur Abschiedsfeier. Eingeladen hatte die Stadt Vreden gemeinsam mit der Hoimar-von-Ditfurth-Realschule und der St. Georg-Hauptschule. Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch konnte neben den beiden Schulleiterinnen zahlreiche Personen aus den Lehrerkollegien, den Elternvertretungen, der Schülerschaft und der im Rat vertretenen Parteien begrüßen.

"Nichts ist stetiger als der Wandel" unter dieses Motto stellte der Bürgermeister seine Rede, in der er die Geschichte der beiden Schulen kurz darstellte. Bei der Reform des Schulsystems in den 60er Jahren, bei dem die Volksschulen in Grund- und Hauptschulen getrennt wurden, ist Vreden schon damals vorangegangen. In Vreden wurde als eine der ersten fünf neuen Hauptschulen in NRW die St. Georg-Hauptschule gegründet, zunächst in den Räumen der St. Norbert-Schule, bevor 1969 die neuen Räume an der Schabbecke bezogen werden konnten. Die damalige Gemeinde Ammeloe gründete für ihre Schülerinnen und Schüler die Walbert-Schule, die 1972 ihre Räume im Schulzentrum erhielt. Nach Jahren mit Übergangsquoten von bis zu 70 % sanken diese, so dass zunächst die beiden Hauptschulen vereinigt wurden.

Im Gegensatz zu den Hauptschulen existierte die Realschule mit 20 Jahren nur recht kurz. Nach der Gründung des Gymnasiums in Stadtlohn begann in den 90er Jahren auch in Vreden eine rege politische Diskussion über die Schullandschaft. Ein Versuch, in Vreden als Ausnahme eine gemeinsame Haupt- und Realschule zu gründen, wurde von der Landesregierung abgelehnt und in Vreden wurde auch eine Realschule gegründet. Diese nahm 1998 ihre Arbeit auf.  Nach einem, wie der Bürgermeister es nannte, etwas turbulenten Prozess, erhielt sie den Namen Hoimar-von-Ditfurth-Realschule. Wie vorher bei den Schulleitungen der beiden Hauptschulen bedankte sich Bürgermeister Dr. Holtwisch auch im Namen des Rates und der Verwaltung bei Angela Köppen, die von Anfang die Realschule geleitet hatte und wünschte ihr alles Gute für ihren kommenden Ruhestand.

Ein besonderer Dank ging an die Bläserklasse der Sekundarschule unter ihrem Leiter Gerd Lebbing, die die Abschiedsfeier musikalisch umrahmte.

Stephan Krems von der Bezirksregierung Münster dankte auch im Namen des Schulrates Michael Ballmann den beiden Schulen für die geleistete Arbeit. Ausdrücklich lobte er die Veranstaltung, dass sie sich als Abschiedsfeier verstehe und nicht als Schließungsakt.

Hermann-Josef Eblenkamp, der die St. Georg-Schule von 1968 bis 1995 geleitet hatte, warf einen Blick auf die Anfänge und die Geschichte der Schulen, die Teil des landesweiten Prozesses der Schulentwicklung in NRW waren. Voller Stolz berichtete er, dass die in den 50 Jahren rund 10.000 bis 12.000 Schülerinnen und Schüler, die die beiden Hauptschulen besucht haben, heute die tragende Schicht der Vredener Gesellschaft sind. Auch die Themen Lehrermangel und Raummangel waren damals schon sehr akut, in Spitzenzeiten betrug die Unterbesetzung des Kollegiums 28 %, in 1978 besuchten 745 Schüler in 25 Klassen bei nur 16 Klassenräumen die Schule. Also mussten Fachräume belegt werden und 5 Klassen nach Doemern in die ehemalige Bauerschaftsschule und in die Martin-Luther-Schule ausgelagert werden. Bereits in der Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Georg-Schule hatte sich Ewald Kernebeck die Zukunft einer Sekundarschule aus Haupt- und Realschule, wie dann 20 Jahre später beschlossen wurde, vorgestellt. Eblenkamp dankte abschließend allen, "die die Hauptschulen gestaltet und miterlebt haben, den Leitern, an der St. Georg-Schule seit 1995 Ewald Kernebeck, Gisela Huning, Birgit Kentrup und Claudia Seewald-Lanca, an der Walbert-Schule Bernd Hoffmann und Johannes Bielevelt, allen Hauptschullehrern und –lehrerinnen, den Eltern, die uns ihre Kinder anvertraut haben, der Stadt, die uns im Rahmen der Möglichkeiten mit baulichen Maßnahmen unterstützt hat, aber vor allem den vielen Mädchen und Jungen, die sie mit Leben erfüllt haben."

Abschließend betonte er: "Ich finde es gut und sinnvoll, dass der Abschied von drei bewährten Vredener Schulen nicht sang- und klanglos vollzogen wird, sondern mit dieser Gedächtnisstunde aufgewertet wird."

Die beiden Schulleiterinnen, Angela Köppen und Claudia Seewald-Lanca, betonten in ihrem gemeinsamen Schlusswort, dass sich alles wandelt und auch ihre beiden Schulformen nicht ewig dauern. Dennoch blickten sie mit Wehmut und Traurigkeit auf die Vergangenheit zurück, in der die drei Schulen hervorragende Arbeit geleistet und Kindern die Grundlage für ihr weiteres schulisches und berufliches Leben gegeben haben. "Viele Anforderungen, die erst seit einiger Zeit einen eigenen Namen haben (Inklusion, Integration), wurden ja auch in unseren Schulen/Schulformen erfolgreich umgesetzt." Die Arbeit in auslaufenden Schulen ist nicht einfach, wie sie betonen. "Wenn man mehr oder minder plötzlich als Lehrer, als Schulleiter, als Eltern mit der Situation konfrontiert wird, dass die eigene Schule nicht mehr gefragt ist, ist das auch mit Selbstzweifeln verbunden. Die Frage nach der Wertschätzung beschäftigt einen nicht nur nebenbei."

Zum Schluss wurde eine Bronzeplatte enthüllt, die an die Realschule in Vreden erinnern soll. Das Denkmal "Wir" erinnert an die Walbert-Schule, die Bronze-Skulptur des hl. Georg ist in den Eingangsbereich der jetzigen Sekundarschule versetzt worden, so dass jetzt alle drei Schulen geschlossen, aber durch ihre Denkmale nicht vergessen sind.

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