Gastronomen fordern klaren Plan aus der Krise

|   Stadtlohn

Das Gastronomie-Netzwerk Leaders Club ist überwältigt vom Erfolg des bundesweiten Aktionstags der Branche am vergangenen Freitag und der Solidarität innerhalb des Gastgewerbes. Tausende Gastronomen und Hoteliers, die wegen der andauernden Schließung ihrer Betriebe um ihre Existenzen fürchten, organisierten den Protest der „Leeren Stühle“ in fast 80 deutschen Städten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am kommenden Freitag soll die Aktion wiederholt werden – allerdings im Internet, dafür aber noch größer und kreativer. 

Ursprünglich stammt die Idee der „Leeren Stühle“ aus Dresden. Hier hatten am 17. April rund 500 Gastronomen ihre Stühle in den öffentlichen Raum gestellt, um auf ihre prekäre Lage angesichts der anhaltenden Schließung ihrer Betriebe aufmerksam zu machen. Der Leaders Club griff die Initiative auf und startete einen Aufruf an die Branche, dem Dresdner Beispiel zu folgen. Am 24. April beteiligten sich tausende Gastronomen und Hoteliers in fast 80 Städten, indem sie rund 30.000 Stühle auf öffentlichen Plätzen und vor ihren Restaurants aufstellten.

Michael Kuriat, Präsident des Leaders Clubs Deutschland, ist begeistert: „Es ist großartig, dass unser Aufruf wirklich dazu geführt hat, dass die Kollegen die Idee aufgegriffen, für sich adaptiert und in ihrer Stadt individuell umgesetzt haben. Damit haben wir erreicht, dass unsere Botschaften und Forderungen jetzt auch in der lokalen Politik wahrgenommen werden. Einige Städte haben schon Unterstützung in Form von Gebührenverzicht in Aussicht gestellt, beispielsweise für Freiflächen.“

In Stadtlohn standen knapp  300 Stühle auf dem Marktplatz, 6 ansässige Gastronomen und Eventveranstalter beteiligten sich an der Aktion, darunter Dominik und Dieter Hintemann Gasthaus Schlüter, Martin Lensker und Dirk Klein-Reesink Restaurant Gambrinus, Jessica Behler Töpferkrug, Martin Bienhüls Dodgeball-Beach-Cup und Jochen Terbeck von WME Westmünsterland Event, „wir Fordern die Entwicklung eines Fahrplan zu entwickeln und Hygiene Maßnahmen zu definieren unter denen bestimmte Lockerungen sinnvoll sind. Und bis zu diesem Zeitpunkt die Existenz unserer Unternehmen und Mitarbeiter zu sichern. Sowie eine langfristige Perspektive“ Dominik Hintemann Gasthaus Schlüter, „Wir tun, was wir können, um der Gastronomie in unserer Stadt zu helfen“ sagte Günther Wewers, Erster Beigeordneter.

Der Erfolg der „Leeren Stühle“ zeigt: Das Gastgewerbe steht in der schweren Zeit des Corona-Lockdowns zusammen und kämpft gemeinsam für den Erhalt des vielfältigen Restaurant- und Hotelangebots in Deutschland. „Die Gesellschaft muss den Ernst der Lage erkennen: Große Teile der Branche stehen tatsächlich unmittelbar vor der Insolvenz“, unterstreicht Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Clubs, die Dringlichkeit der Forderungen. „Über die ersten erfreulichen Ansätze hinaus benötigt unsere Branche jetzt schnell Soforthilfen und ein Rettungspaket, damit alle weiteren Maßnahmen überhaupt noch bei den Betroffenen ankommen.“

Rüther führt unter anderem gemeinsam mit Tim Mälzer in Hamburg das Lokal Die Bullerei. Der TV-Koch war mit leeren Stühlen aus seinen Restaurants bei der Kundgebung vor dem Rathaus der Hansestadt dabei und bestätigt: „Ich habe Kollegen mit Tränen in den Augen gesehen, die sich mit Händen und Füßen gegen die Tatsache stemmen, dass ihre Läden nicht mehr existieren. Das macht mich zum Wut-Koch! Wir brauchen endlich mehr finanzielle Hilfen!“ 

Deutschlandweit beteiligten sich sowohl kleine als auch große Unternehmen an der Aktion. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA Bundesverbands, lobte das Engagement der Branche am Brandenburger Tor in Berlin, wo knapp 1.000 Stühle auf das drohende Aus für viele Betriebe aufmerksam machten: „Ich bin allen Gastronomen sehr dankbar für diese Aktion. Die ganze Branche muss jetzt solidarisch zusammenhalten.“ Gastronomin und Leaders Club Vorstand Kerstin Rapp-Schwan betonte auf der Veranstaltung in Düsseldorf: „Wir brauchen jetzt eine Perspektive und wollen gemeinsam mit der Politik die Auflagen und Bedingungen erarbeiten, unter denen die Gastronomie in verschiedenen Stufen schnellstmöglich wieder vernünftig öffnen kann.“

Auch 25 Betriebe der Enchilada-Gruppe, einem der führenden Gastronomieunternehmen Deutschlands, stellten in verschiedenen Städten leere Stühle auf. „Die Aktion in Dresden war sehr beeindruckend und hat es für alle sichtbar gemacht: Die Gastronomie droht in ihrer Vielfalt auszusterben, wenn die Politik nicht handelt“, sagt Hermann Weiffenbach, Gründer und Geschäftsführer der Enchilada Franchise GmbH. „Mit dem bundesweiten Protest macht die gesamte Branche deutlich, dass schnelle Hilfe umgehend erforderlich ist. Daher unterstützen wir und unsere Betriebe diese Aktion ausdrücklich und wollen so viele weitere Gastronomen wie möglich mobilisieren.“

Michael Kuriat hebt die große Unterstützung durch Behörden, Polizei und Politik hervor: „Das war eine wirklich positive Überraschung!“ Umso wichtiger ist dem Leaders Club, dass am kommenden Freitag keine weiteren Aktionen im öffentlichen Raum stattfinden: „Am 1. Mai raten wir unseren Mitgliedern und Kollegen dringend davon ab, Aktionen in den Städten anzumelden und durchzuführen.“ Da an diesem Tag traditionell viele Demonstrationen und auch Krawalle stattfinden, sollen Behörden, Sicherheits- und Rettungskräfte nicht zusätzlich belastet werden. „Wir bitten daher darum, die Aktionen ins Internet zu verlegen beziehungsweise auf privatem Grund kreativ zu werden.“

Denkbar seien beispielsweise originelle Fotos und Videoclips mit leeren Stühlen und persönlichen Statements, die in den Restaurants oder im Freibereich aufgenommen und am 1. Mai unter den Hashtags #leerestuehle, #Leadersclub, #gastrofriday auf sozialen Plattformen im Internet veröffentlicht werden. „So könnten Stuhlkunstwerke und Bauten jeglicher Art entstehen, die die Aufmerksamkeit der Gäste auf das Restaurant lenken. Auf diese Weise werden wichtige Ressourcen der öffentlichen Sicherheit geschont und der Protest kann noch weitaus größer ausfallen als in der Woche zuvor – unabhängig davon, ob in der jeweiligen Stadt eine Demonstration genehmigt wird“, erklärt Kuriat.

Alle Informationen und Ansprechpartner hält der Leadersclub auf der Seite www.leadersclub.de sowie auf seiner Facebookseite bereit.

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