Findus lässt geriatrische Patienten strahlen

|   Vreden

Er ist rund zehn Wochen alt, hört auf den Namen Findus und übt seit Monatsbeginn eine Teilzeitbeschäftigung im St. Marien-Hospital Vreden aus. Der Border Collie ist die neueste Verstärkung im Team der Klinik für Akutgeriatrie und Frührehabilitation und konnte bereits innerhalb kürzester Zeit die Herzen der geriatrischen Patienten sowie der Krankenhausmitarbeiter gleichermaßen erobern. Der Einsatz des Vierbeiners folgt einem klaren medizinischen Therapiekonzept.

„Der therapeutische Ansatz beruht auf den vielen positiven Interaktio­nen zwischen Mensch und Hund“, erklärt Dr. Christiane Bäcker, Chef­ärztin der Klinik und stellvertretende Ärztliche Direktorin der Vredener Klinik. „Hunde werten nicht, sie motivieren in Situation, in denen wir Menschen an unsere Grenzen stoßen.“ Das Konzept der tiergestützten Therapie richtet sich damit insbesondere – aber keinesfalls ausschließlich - an Menschen mit kognitiven, sozial-emotionalen und / oder motori­schen Einschränkungen sowie an Menschen in Palliativsituationen.

„Zunächst war es ein Impuls durch Marion Rengers, Pflegedienstleiterin im Vredener Krankenhaus, entstanden auf einer Verbandstagung. Dann haben wir einen Therapiehund in einer geriatrischen Einrichtung in Berlin in der Interaktion mit Patienten erlebt und aus der Idee entstand der gemeinsame Herzenswunsch, dieses überzeugende Konzept in unserer Klinik umzusetzen.“

Ein dreiviertel Jahr harte Arbeit stecken in der Vorbereitung des Konzep­tes, das im Wesentlichen von Marion Rengers erarbeitet und koordiniert wurde und ergänzt: „Der Einsatz von Tieren im therapeutischen und sozialen Bereich des Gesundheitswesens gewinnt zwar immer mehr an Bedeutung, jedoch hinken Krankenhäuser dieser Entwicklung größten­teils noch hinterher.“ So ist beispielsweise der Einsatz von ausgebildeten Therapiehunden in Senioreneinrichtungen schon etablierter als die Arbeit mit Tieren in Kliniken und Krankenhäusern.

„Wir verstehen uns als innovative Gesundheitseinrichtung, die offen für visuelle neue Therapieformen ist, solange diese einen Nutzen für unsere Patientinnen und Patienten aufweisen“, erläutert Marion Rengers. Gerade im eher ländlich geprägten Westmünsterland nimmt sie eine intensive Tierbindung vieler Menschen wahr. „Viele Westmünsterländer sind mit Tieren groß geworden. Gerade geriatrische Patienten, die häufig multimorbide Krankheitsbilder aufweisen, sind privat jedoch nicht mehr in der Lage, ein eigenes Tier zu pflegen. Dementsprechend groß ist die Freude und Zuneigung, die von den Patienten unserem Therapiehund Findus entgegengebracht wird.“

Die therapieunterstützende Rolle, die der vierbeinige Helfer künftig einnehmen wird, soll gleich eine Reihe von positiven Effekten auf die Patienten bewirken. Gerade bei Menschen mit körperlichen, psychischen oder dementiellen Erkrankungen, wird Findus zum Einsatz kommen. „Neben dem Training der kognitiven und motorischen Fähigkeiten, wirkt sich die tiergestützte Therapie auch positiv auf soziale Kontakte aus“, erklärt Dr. Christiane Bäcker. „So steigert das Training Selbstvertrauen, Motivation, In­teraktion und emotionales Wohlbefinden der Patienten und kann gleichzeitig Gefühle wie Stress, Einsamkeit und Isolation reduzieren.“

Die Ausarbeitung eines therapeutischen Einsatzplanes von Findus stellte jedoch nur einen Punkt im Rahmen der aufwändigen Vorbereitung in den vergangenen Monaten dar. Die Erstellung eines speziellen Hygieneplanes, die Schulung des Krankenhauspersonals sowie der kontinuierliche Austausch mit Gesundheits- und Veterinärämtern gehörten gleichermaßen hinzu.

Intensive Unterstützung erfolgte durch die Therapeuten der Klinik für Geriat­rie und die Hygienefachkräfte. Findus stammt aus einem Wurf im sauerländischen Attendorn aus den Hän­den einer Züchterin und Tiertrainerin. „Zunächst wird Findus täglich an typische Situationen des Krankenhausalltags in kleinen Schritten herangeführt“, so Frau Dr. Bäcker, die Hundehalterin des kleinen Border Collie ist. Die Ausbildung wird intensiv von Frauke Sonntag, die mit Co-Therapeut Enno (Anmerkung: ein Labrador Retriever) über langjährige Erfahrungen in der tiergestützten Intervention verfügt, begleitet. Obwohl bis zur eigentlichen Ausbildung und den Prüfungen noch viel Zeit vergehen wird, zaubert die kleine Fellnase bereits jetzt den geriatrischen Patienten (und den Mitarbeitern) ein Lächeln ins Gesicht.

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