Europa direkt vor der Haustür

|   Legden

Wer wissen will, wie Europa auch ganz nah wirkt, muss sich nur im eigenen Ort umschauen: Im Förderprogramm LEADER werden in Ahaus, Heek und Legden bereits seit 2010 Projekte für und von Bürgerinnen und Bürgern umgesetzt, darunter z.B. der Dorfpark Ottenstein, der Dahliengarten Legden oder aktuell das Beleuchtungskonzept für das Burggelände in Heek. Mit einer Delegation von LEADER-Partnern aus den Niederlanden und Finnland besuchte die LEADER-Region „Kulturlandschaft Ahaus-Heek-Legden“ nun verschiedene Projekte in Delden (Niederlande) und Legden. Dabei wurde auch klar: Europa eint die gemeinsame Idee.

Mit der niederländischen Region Zuidwest Twente verbindet die „Kulturlandschaft Ahaus-Heek-Legden“ bereits seit vielen Jahren eine kooperative Partnerschaft. In den letzten Jahren fanden zahlreiche grenzüberschreitende Treffen statt, bei dem man sich über die Entwicklung der ländlichen Räume austauschte und gemeinsame Herausforderungen analysierte. Mit dem jüngsten Treffen, das zu Teilen auf niederländischer Seite und zu Teilen auf deutscher Seite stattfand, wurde diese internationale Partnerschaft nun noch erweitert um zwei Regionen aus Finnland: Die Regionen Rieska und Keskipiste liegen in Mittelfinnland und arbeiten an regionalen Entwicklungsstrategien bereits seit vielen Jahren im Rahmen des europäischen Förderprogramms LEADER. Bei dem Treffen ging es um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den nationalen Ausrichtungen des Förderprogramms und darum herauszufinden, ob es vergleichbare Problemlagen in allen vier Regionen gibt, die man möglicherweise gemeinsam in einem geförderten Kooperationsprojekt angehen könnte. Von deutscher Seite aus waren der LEADER-Vorsitzende Friedhelm Kleweken, Bürgermeister der Gemeinde Legden, Angelika Litmeier von der Freiwilligenagentur Ahaus und Regionalmanager Dominik Olbrich dabei. Aus Zuidwest Twente und den finnischen Regionen waren jeweils rund zehn Teilnehmer angereist.

Ein Themenschwerpunkt lag in den Gesprächen auf dem Bereich Regionalvermarktung. Hier stehen die ländlichen Gebiete in allen vier Regionen vor derselben Herausforderung: Wie kann es lokalen und regionalen Kleinproduzenten gelingen, ihre Produkte in größerem Stil zu vermarkten, ohne dabei in logistischer Mehrarbeit zu versinken? Dazu brachte ein niederländischer Gemüsebauer eine Idee ein, die weiterverfolgt werden soll, sofern sich ausreichend interessierte Mitmacher finden: Eine europäische Marketing- und Vertriebsplattform, die von den lokalen Erzeugern zwar inhaltlich gefüllt wird – die Logistik allerdings betrifft sie nicht, so der Plan. Bestellvorgänge, Versand und die Abwicklung von Zahlungen läuft über eine zentrale Schnittstelle, die den Erzeuger nur einen geringen Obulus kostet, der vom Verbraucher zum Teil übernommen wird. Über die Idee soll ein Informationsabend im Sommer die Erzeuger in Ahaus, Heek und Legden genauer informieren. Anschließend kann überlegt werden, wie ein Kooperationsprojekt der vier Regionen aussehen könnte.

Zum Thema passend besuchten die Regionen bei ihrem Treffen den Streekmarkt Twente in Delden, einen monatlich stattfindenden Regionalmarkt von Erzeugern aus der Region Twente. Dort konnten sich die anwesenden LEADER-Akteure vom nachhaltigen Erfolg eines regional produzierten Angebotes und einer sichtlich großen Nachfrage überzeugen. Bereits seit mehreren Jahren ist der Markt nahe der deutschen Grenze etabliert, die inzwischen rund 35 Erzeuger aus der Region stehen ganzjährig vor Ort und sind mit dem Absatz ihrer Waren mehr als zufrieden. Eine Online-Vertriebsplattform begrüßen sie alle: Damit, so der Tenor, ließe sich die Wertschöpfung in der oftmals eher kleinen Produktion der regionalen Anbieter nochmals deutlich verbessern.

Nach dem Marktbesuch reiste die Delegation über die Grenze nach Legden, wo nach einem gemeinsamen Mittagessen drei LEADER-Projekte bestaunt wurden: In Asbeck wurde der Umbau des Dorfteichs bestaunt, in Legden gab es neben einem Blick in den derzeit blumenlosen Dahliengarten eine Führung durch das 2015 mit LEADER-Mitteln entstandene Heimatmuseum und -archiv im Spieker. Für die Teilnehmer des Treffens wurde, auch dank ausreichend Zeit für Gespräche und Fragen, damit der europäische Gedanke mehr als greifbar. Und auch wenn formaler Aufwand, der mit der Abwicklung europäischer Förderprogramme offenbar in den Mitgliedsstaaten überall vorhanden ist, manchmal groß ist: Ohne Europa würden Nachbarn auf eine solch weltoffenen und freundschaftliche Weise wohl nicht zusammenkommen. Und das mitten in Legden.

www.leader-ahl.de und bei Twitter unter twitter.com/LEADER_AHL

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