Einzelhandel tauscht sich zu Arbeitsmarkt aus

|   Kreis Borken

In der Grenzregion ist die Arbeitslosigkeit auf niederländischer und deutscher Seite niedrig. Für die Unternehmer im Einzelhandel wird es daher immer schwieriger neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Wie sie die Chancen jedoch verbessern können, wenn sie ihre Bemühungen über die Grenze hinaus ausdehnen, diskutierten Sie mit Experten im internationalen Branchengespräch auf Einladung der Agentur für Arbeit Coesfeld.

„Als Kind bin ich mit meinen Eltern oft zum Einkaufen nach Deutschland gefahren. Für mich gab es da keine Grenze“, so Patrick Wellmann, Beigeordneter der Stadt Enschede bei der Begrüßung der Gäste des Branchengespräches in den Räumen der Firma Tobit in Ahaus. „Heute, bei der Suche nach Personal, ist das nicht ganz so. Wir müssen daher verhindern, dass die Grenze wieder in die Köpfe kommt“, fügt er hinzu.

Auch Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld, die zu dem Austausch eingeladen hatte, sieht große Chancen in der grenzübergreifenden Jobsuche für beide Seiten: „Bisher haben viele Unternehmen im grenznahen Bereich nur im eigenen Land gesucht und daher Bewerber aus dem Nachbarland nicht in Betracht gezogen. Das sind vergebene Möglichkeiten.“

Dabei kann beispielsweise die deutsche Seite für niederländische Bewerber durchaus interessant sein, wie Hermann Lammers von der EUREGIO berichtet: „Niederländer kommen vor allem wegen der unbefristeten Arbeitsverträge nach Deutschland. Diese gibt es in den Niederlanden kaum“, nannte er einen klaren Vorteil. Dass niederländisches Personal auch für die Unternehmer ein Vorteil sein kann, konnte einer der Teilnehmer berichten, der in seiner grenznahen Filiale bis zu 70 Prozent Kunden aus dem Nachbarland zählte.

Damit bei der Bewerberauswahl die Ausbildungen und Vorqualifikationen der Niederländer richtig zugeordnet werden können, stellte Lammers die verschiedenen Möglichkeiten und Unterschiede vor und schaffte so einen Überblick über das niederländische Berufsausbildungssystem.

Ebenfalls im Mittelpunkt der Diskussionen stand immer wieder die Frage, wie man junge Menschen für die Branche begeistern kann. „Der Einzelhandel steht, zum Beispiel durch den e-commerce, vor großen Herausforderungen. Für junge Menschen ist das eine Chance, sich intensiv einzubringen“, erklärte Karin Eksen, vom Einzelhandelsverband NRW, und verdeutlichte, dass kaum eine Branche so viele berufliche Möglichkeiten bietet.

So richtete auch Meiners einen Appell an die anwesenden Personalverantwortlichen: „Es reicht nicht, über die Probleme zu reden. Wir alle müssen jungen Menschen etwas bieten, um sie zu erreichen. Dafür ist Ideenreichtum gefragt.“

Die Agentur für Arbeit konnte dazu direkt praktische Hilfestellung anbieten, um Bewerber aus dem Nachbarland zu gewinnen. Mit dem grenzüberschreitenden Kompetenzzentrum „GrensWerk“, mit Standort in Gronau, bietet die Arbeitsagentur zusammen mit zahlreichen Partnern eine Dienstleistung an, die ganz gezielt bei der Stellenbesetzung mit Kräften aus der Grenzregion behilflich ist. „Dort arbeiten Experten aus den Niederlanden und Deutschland eng zusammen und beraten in allen Facetten rund um die Einstellung von Menschen aus dem Nachbarland“, erklärt Meiners.

Viele Herausforderungen wurden im Laufe des Nachmittages deutlich. Gleichzeitig konnten die Teilnehmer aber zahlreiche Ideen und Lösungsansätze für sich mitnehmen, um die Personalsituation, insbesondere mit Blick über die Grenze hinaus, zu verbessern.

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