Ein außergewöhnliches Jubiläum am Canisiusstift

|   Ahaus

Am Samstag vor 50 Jahren kam Schwester Engeltraud Leister an das Canisiusstift in Ahaus. Schwester Engeltraud hat am benachbarten Gymnasium Canisiusschule von 1967 bis 2004 Kunst und katholische Religionslehre unterrichtet. Anschließend blieb sie noch bis 2009 Lehrerin am Berufskolleg Canisiusstift. „Ich bin sehr dankbar, für die Zeit, die ich hier erleben durfte. An Abwechslung hat es mit trotz der 50 Jahre an einem Ort nie gefehlt“, sagt die 78-Jährige. Die habe sie durch ihre Tätigkeit gehabt. Auch sei sie mindestens sechsmal innerhalb der Gebäude umgezogen.

Bis heute ist die frühere Lehrerin aktiv: So übernimmt sie hauswirtschaftliche Aufgaben im Schwesternkonvent besucht einmal wöchentlich die Senioren im gegenüberliegenden Heinricht-Albertz-Haus, um mit ihnen kreativ zu arbeiten. „Auch halte ich noch Kontakt zu vielen früheren Schülerinnen und Schülern“, sagt Schwester Engeltraud. Und die heutige Leiterin des Berufskollegs Canisiusstift, Schwester Maria Manuela Gockel, bestätigt: „Wer sie als Lehrerin erlebt hat, erinnert sich gern an ihren Unterricht, ihre hohe Sachkompetenz, ihre gerechte und jedem Menschen zugewandte Art.“

Schwester Maria Manuela, Schwester Engeltraud und Schwester Martina Küting bilden am Canisiusstift den Konvent der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel. 1967 lebten dort noch 30 Ordensschwestern. Die Ordensgemeinschaft ist seitdem kleiner geworden, Eintritte gibt es aber weiterhin. Mit dem halben Jahrhundert hat Schwester Engeltraud einen Großteil der vor genau 120 Jahren gegründeten Schule miterlebt. Am 14. Oktober 1897 hatten die Schwestern das Canisiusstift eröffnet. Von „kinderreichen Stadtvätern“ – so heißt es in der Stadtchronik – sei die Gründung der Schule angeregt worden.

Wörtlich steht dort: „Eine Eingabe einer großen Anzahl Ahauser Bürger beim Unterrichtsministerium blieb ohne Antwort. Da reisten vier hiesige Herren, kurz entschlossen, zur mündlichen Verhandlung nach Berlin, wo sie von dem Dozenten des Unterrichtsministeriums mit den Worten empfangen wurden: ‚Ach so, Sie kommen aus der Stadt mit den vielen Kindern‘.“ Zusammen hatten jene vier Besucher 42 Söhne und Töchter. Diese beeindruckende Zahl war wohl ausschlaggebend für die Genehmigung.

Daraufhin wurden die Schulschwestern aus Heiligenstadt zur Gründung eines Schwesternkonventes angefragt. „Die Niederlassung bezweckt die Errichtung einer Kleinkinderbewahrschule, einer Handarbeitsschule für Fabrikmädchen und einer höheren Töchterschule bzw. eines Pensionates“, schreibt die Zeitung „Der Münsterländer“ am 3. Mai 1897. Drei Wochen später reiste eine erste Delegation von Ordensschwestern nach Ahaus, um das Grundstück und das frühere Gebäude einer Zuckerraffinerie bzw. Stärkefabrik zu besichtigen. Der Garten und die Wohnräume haben sie offenbar entzückt – „dagegen befand sich der Fabrikraum, der seit zehn bis zwölf Jahren unbenutzt gestanden hatte, in kläglichem Zustande (…)“, heißt es in der Hauschronik. Dennoch schienen die Schwestern überzeugt, dass sich hier eine Schule aufbauen ließe. Also sagte die Ordensgemeinschaft zu und erwarb für 70.000 Mark das zehn Morgen große Grundstück des sogenannten „Fasanengartens“.

So kam es am 14. Oktober 1897 zur Gründung. Und da das Jahr 1897 unter dem „Gepräge der dreihundertjährigen Gedächtnißfeier des sel. P. Petrus Canisius“ stehe – wie die Zeitung damals schrieb –, erhielt die Behausung mit dem Park nun den Namen Canisiusstift. Pfarrer Boetel hoffte laut Pressebericht, „dass die Anstalt eine Quelle des Segens für die Jugend von Ahaus und Umgegend, insbesondere auch für die weltlichen Arbeiterinnen sein werde.“

Bereits am Morgen des 15. Oktober wurde der Schulbetrieb mit den ersten zehn Mädchen aufgenommen. Sieben Jahrzehnte später zog Schwester Engeltraud nach Ahaus. Sie sagt: „Gern will ich hier in fünf Jahren auch die Feier zum 125-jährigen Bestehen der Schule miterleben.“ Schwester Maria Manuela Gockel ergänzt: „Mit den Planungen dieses Jubiläums wollen wir bald beginnen.“ Heute ist das Canisiusstift ein modernes Berufskolleg mit 485 Schülerinnen und Schülern.

« Zurück zur Übersicht
Ein Angebot von