Digitales Lernen am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung

|   Ahaus

Für die Lehrkräfte des kreiseigenen Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung Ahaus ist es inzwischen Routine: Zur verabredeten Besprechung schalten sich die Kolleginnen und Kollegen mit wenigen Klicks in der Videokonferenz zusammen. In den vergangenen drei Wochen haben sie diese Kommunikationsmöglichkeit häufig genutzt, und auch sonst spielt sich das Schulleben seit der vorsorglichen Schulschließungen aufgrund der Corona-Krise "online" ab. Mit dem Beginn der Osterferien fällt das Fazit von Schulleiter Reinhard Wehmschulte und seinen Kollegen Birgit Lammers, Hendrik Brügging und Guido Hayk ambivalent aus – doch eines sei sicher positiv: "Wenn wir dieser misslichen Lagen etwas abgewinnen wollen, dann hat sie der Digitalisierung einen großen Schub gegeben."

Digitales Arbeiten ist am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung natürlich nichts völlig Neues. "Wir benutzen schon seit Längerem verschiedene Anwendungen, deswegen lief auch vieles schon sehr rund", sagte Guido Hayk, Koordinator für die IT-Berufe und die Systemadministration. So verwenden die Schülerinnen und Schüler bereits seit anderthalb Jahren den "Untis-Stundenplan" (Untis = "Unterrichts-Informations-System"), die allermeisten auf ihren Smartphones. Das war in den vergangenen Wochen ein wichtiges Werkzeug: "Zu den Unterrichtsstunden haben die Lehrerinnen und Lehrer die jeweils zu bearbeitenden Aufgaben vermerkt oder Hinweise gegeben, wo die Aufgaben hinterlegt sind", erläutert Birgit Lammers, unter anderem Koordinatorin für die Fachoberschule. "Außerdem sind Abgabezeiten vereinbart worden." Ergänzend dazu nutzten sie nun den Untis-Messenger, der ähnlich dem bekannten "WhatsApp" funktioniert. "Das war eine gute Möglichkeit, um Kontakt mit einer ganzen Klasse oder bei Rückfragen auch zu einzelnen Schülern zu haben", sagt Lammers.

Das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung ist unter den Schulen in Kreisträgerschaft die "Pilotschule" für den Ausbau der Digitalisierung. So ist dort bereits eine entsprechende Infrastruktur geschaffen, das Kollegium mit passenden Geräten ausgestattet und auch viele Programme sind bereits eingeführt. Ein weiteres Beispiel ist das "OneNote-Classbook", das Bereiche für Lehrer (um Arbeitsmaterial einzustellen), für Schüler (um Hausaufgaben hochzuladen) und einen Platz für Zusammenarbeit bietet. Zudem wurden die vielfach schon bestehenden Moodle-Kurse, eine Online-Plattform für Kommunikation, Dateiaustausch und Leistungsüberprüfung, ausgeweitet.

Gemeinsames Arbeiten stand trotz der räumlichen Distanz auf dem Stundenplan. So erstellte eine Klasse etwa in Gruppenarbeiten eine Präsentation in Office 365 und arbeitete in Echtzeit gleichzeitig an einem Dokument. "Per Videokonferenz konnten einige Studierennde der Fachschule Wirtschaft, die ihren Abschluss zum staatlich geprüften Betriebswirt machen, ihre Abschlusspräsentationen vor der gesamten Klasse halten", berichtet Hendrik Brügging, stellvertretender Schulleiter und unter anderem Koordinator der Fachschule für Wirtschaft. Sie "teilten" dazu ihren Bildschirm und damit die Inhalte mit den Mitschülern und konnten so das sechsmonatige Projekt abschließen – obwohl alle zu Hause bleiben mussten.

Einer verbreiteten Aussage widersprechen die vier Lehrer allerdings: "Wenn immer wieder von ‚vorgezogenen Ferien‘ die Rede ist, dann muss ich ausdrücklich sagen: Das ist absolut nicht so!", betont Wehmschulte. "Der geplante Unterricht wurde ja nicht einfach auf den Scanner oder unter die Handykamera gelegt und das war’s – die Aufgaben mussten den Anforderungen und der Arbeitsweise gut angepasst werden." Manche Lehrkräfte gingen ganz neue Wege: "Ich habe zum ersten Mal eigene Erklärvideos erstellt, zum Beispiel zu komplexen Themen wie der Kostenträgerstückrechnung", erzählt Lammers. Auch fiel das Vergleichen der Ergebnisse im Klassenraum natürlich weg – also erstellten die Kolleginnen und Kollegen Musterlösungen, damit die Schüler selbst abgleichen konnten. Zu manchen Aufgaben gab es individuelle Korrekturen.

Der neue "Digital-Unterricht" habe bislang ingesamt gut funktioniert. Kleinere Probleme gab es externer Art: "In der ersten Woche waren viele Online-Dienste sehr belastet und es gab Verzögerungen", sagt Hayk. Doch die Anbieter hätten sich schnell darauf eingestellt. Und einige im Außenbereich lebende Schülerinnen und Schüler hätten aufgrund der "schmalen" Internetverbindung mit den Videokonferenzen Schwierigkeiten gehabt. "Aber insgesamt lief es sehr rund". Ein erstes Feedback über eine "Forms-Abfrage" spiegelte zurück, dass auch die Schülerinnen und Schüler mit der "Online-Schule" gut zurechtkamen und etwa positiv fanden, dass sie sich den Stoff selbst einteilen konnten und Fragen schnell beantwortet wurden.

Reinhard Wehmschulte hat in seinem Kollegium festgestellt, dass die ungewohnte und herausfordernde Situation insgesamt gut gemeistert wurde: "Das sind jetzt Erfahrungen, die wir nicht mehr missen möchten und die uns sicher auch zukünftig weiterhelfen."

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