Digitale Lösungen für das Leben auf dem Land

|   Vreden

Wer in der Stadt wohnt, hat kurze Wege: zum Bus, zum Supermarkt, zur Drogerie, zum Arzt. Auf dem Land ist das anders. Ellewick-Crosewick, ein Ort mit rund 1.500 Einwohnern bei Vreden, steuern Lieferdienste nur eingeschränkt an, im öffentlichen Nahverkehr gibt es einen einzigen Bürgerbus, und zum nächsten Arzt ist die Fahrt weit. Das muss nicht sein, findet das Team des Teilvorhabens „Gemeinschaft zwischen Tradition und Wandel (Dorf 4.0)“ im Projekt „münster.land.leben“. Es nimmt Ellewick-Crosewick genauer unter die Lupe, um digitale Lösungen zu entwickeln – basierend auf den Ideen der Einwohner.

„Wir wollen die Menschen, die hier leben, einbeziehen“, sagt Sven Luzar, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Münster, der das Vorhaben koordiniert. Deshalb lud das Projektteam die Bürgerinnen und Bürger zu einem Workshop ein. 20 nahmen teil und ließen sich auf das „World Café“ ein. Die Idee: Fünf Thementische mit jeweils einem anderen Schwerpunkt – Gesundheitsversorgung, Familie, soziales und kulturelles Leben, Bildung, Mobilität – dienen als Gesprächsgrundlage. Pro Tisch sollten drei Fragen diskutiert und beantwortet werden: Welche Wünsche und Ideen gibt es für eine digitale Transformation? Warum wurden bislang keine Lösungen umgesetzt? Wer muss unterstützen? Ihre Antworten schrieben die Teilnehmer direkt auf die Tischdecken – und da kam einiges zusammen.

„Ein zentraler Punkt ist für viele die Nahversorgung, also wer einem vom Baumarkt, von der Apotheke oder der Drogerie was mitbringen kann“, erklärt Luzar. Aber auch Termine seien ein großes Thema. „Es gibt zwar einige Vereine, aber alle kommunizieren ihre Veranstaltungen auf unterschiedlichen Kanälen. Einige nutzen Messenger-Dienste, andere hängen Zettel aus, manche haben Online-Kalender. Die Einwohner wünschen sich eine bessere Organisation.“ Ganz oben auf der Wunschliste stand außerdem die Dienstleistungsbörse, um darüber zum Beispiel kurzfristig einen Babysitter zu finden oder jemanden zu kontaktieren, der den Hund ausführt.

Die Ideen nahm das Projektteam dankbar auf, jetzt geht es mit der Analyse weiter. „Im nächsten Schritt schauen wir uns an, was sich wie umsetzen lässt und einfach in der Handhabung ist. Wir gucken aber auch, was es vielleicht schon gibt.“ Die Mitfahrgelegenheit, auch ein Wunsch, sei so ein Beispiel. „Hier gibt’s schon Apps, und wir wollen kein doppeltes Angebot schaffen“, so Luzar. Wichtig für das Team seien die Hinweise auf Hindernisse gewesen, an denen Ideen bislang scheiterten. „Gründe sind vor allem fehlende finanzielle Mittel, Datenschutz oder schlichtweg niemand, der sich als zentraler Ansprechpartner kümmern will.“

Für die Bedarfsanalyse nimmt sich das Team, zu dem auch der Vorstand der Bürgergenossenschaft Use Dorp und use Heimat eG gehören, zwei Monate Zeit. Danach folgen die Entwurfsphase und die Umsetzung. Insgesamt läuft das Projekt drei Jahre, vor drei Monaten ist es gestartet. Von den Erfahrungen mit dem „World Café“ profitiert ein weiteres Teilvorhaben aus „münster.land.leben“: „Science Marketing“ heißt es, Katrin Uude arbeitet daran mit und hat das Workshop-Format von Luzar beobachtet, um Erkenntnisse mitzunehmen. Das Projekt „Science Marketing“ erforscht, wie Wissenschaft und Gesellschaft erfolgreich zusammenarbeiten und interagieren können. Dadurch lassen sich gesellschaftliche Herausforderungen angehen sowie Forschungsergebnisse so übersetzen, dass sie gesellschaftliche Bedürfnisse, Werte und Erwartungen erfüllen.

Zum Thema: Das hochschulweite Projekt „münster.land.leben“ an der FH Münster mit mehr als 75 Partnern aus Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft hat die Stärkung von Gesundheitsversorgung, Teilhabe und Wohlbefinden im ländlichen Raum zum Ziel. Informationen zum Projekt und den Teilvorhaben finden Interessierte unter www.fh-muenster.de/muensterlandleben.

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