DFB-Fitnesscoach zieht Schiedsrichter in seinen Bann

|   Kreis Borken

Die Pause ist die wichtigste Trainingsmethode. Mit dieser Aussage überraschte DFB-Fitnesscoach Heinz-Dieter Antretter bei seinem Vortrag während des jüngsten Lehrabends der Schiedsrichter des Fußballkreises Ahaus/Coesfeld. „Der sinnvollste Einsatz von Belastung und Regeneration ist lebenswichtig“, sagte der Sportwissenschaftler, der sich beim DFB um die körperliche Fitness der Bundesliga-Schiedsrichter kümmert. Wer nicht fit ist, ist verletzungsanfälliger.

Antretter, 1979 deutscher Vizemeister im Zehnkampf, warb für den richtigen Wechsel von Belastung und Erholung. Ein Trainingseffekt stelle sich aber nur bei einer regelmäßigen Belastung von mindestens zweimal wöchentlich ein. Dabei dürfe die Regenerationsphase nicht zu lang sein, ansonsten ginge der Trainingseffekt wieder verloren. Mindestens 45 Wochen im Jahr soll trainiert werden, so Antretter. „Meine Trainingseinheiten für die Schiedsrichter sind 45 bis 60 Minuten lang“, sagte Heinz-Dieter Antretter, inklusive dem Aufwärmen und abschließenden Dehnen. Noch herrsche viel zu oft der Gedanke vor, „gelobt sei, was hart macht“. Weniger ist oft mehr. „Ich muss mir überlegen, was ich trainieren will.“ So müsse ein Schnelligkeitstraining zum Beispiel im erholten Zustand absolviert werden und nicht im Anschluss an eine Ausdauereinheit.

Der Sportwissenschaftler, der beim Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen arbeitet, empfahl den Schiedsrichtern die Trainingsergebnisse zu dokumentieren, „man kann das nicht alles im Kopf behalten“. Die Spitzenschiedsrichter „können keinen Schritt mehr unbeobachtet machen“. Bei der Fifa und der Uefa werden die einzelnen Leistungsparameter über ein Wlan-System im Stadion direkt übertragen. Beim Training ist aber „jeder auf sich alleine gestellt“, betonte Antretter. Aber auch hier müssen die Schiedsrichter ihre Trainingsergebnisse übers Internet an die Schiedsrichter-Verantwortlichen weiterleiten. „Ich sehe die Schiedsrichter ja nur fünf, sechs Mal im Jahr“, so der DFB-Fitnesscoach. Dabei gibt es zweimal im Jahr einwöchige Lehrgänge. „Wer da seine Leistung nicht bringt, wird nicht angesetzt“, stellte Heinz-Dieter Antretter unmissverständlich klar. Er hat festgestellt, dass ältere Schiedsrichter aus Bequemlichkeitsgründen häufiger Ausdauertraining absolvierten, da seien gerade für sie Schnelligkeitsübungen viel wichtiger.

Viele Kleinigkeiten seien entscheidend, so Antretter. Das fange schon bei der Ernährung an. Hier gelte es, sich grundsätzlich ausgewogen zu ernähren. Und nach einer Belastung mehr Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, um so die Energiespeicher des Körpers wieder aufzufüllen. Der DFB-Fitnesscoach riet auch von übermäßigem Alkoholkonsum ab. „Alkohol ist ein Zellengift und verlängert die Regenerationszeiten.“ Bei der Formel 1 käme niemand auf die Idee mit schlechtem Sprit zu fahren. Antretter: „Das kann langfristig nicht funktionieren.“ Besonderen Wert sollten die Sportler auf ihre Beine legen. „Die Füße sind die empfindlichsten Organe im Leistungssport.“

Und die müssen nicht nur schnell unterwegs sein. Alle zwei, drei Sekunden  wechseln die Unparteiischen die Richtung. Auch das belastet den Körper. So wie die Schiris sich dem immer schneller werdenden Tempo auf den Plätzen anpassen müssen, so haben sich auch die Leistungsanforderungen bei den Tests verändert. „Vor 20 Jahren wurden die Zeiten bei den Bundesliga-Schiedsrichtern noch von Hand mechanisch gestoppt, heute geht das über Lichtschranken.“ Fehler ausgeschlossen. Möglichst wenige Fehler sind auch auf dem Feld das Ziel. Voraussetzung dafür: eine gute körperliche Fitness.

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Für den spannenden Vortrag gab es vom Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses, Christoph Hanck (l.), ein als Präsent eine Spezialität aus der Region.
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