„Der Mann wird akzeptiert – nicht die Tat!“

|   Kreis Borken

Die "Täterarbeit" des Runden Tisches gegen häusliche Gewalt im Kreis Borken (GewAlternativen) stand jetzt im Mittelpunkt der Sitzung des Arbeitskreises für die Gleichstellung von Frau und Mann. Ingrid Salthammer, Kriminalbeamtin und Sprecherin der Arbeitsgruppe "Täterarbeit", und Andreas Purz, Gewaltberater beim Verein "Männer gegen Männer-Gewalt Euregio"  in Nordhorn stellten ihre Arbeit vor. Die AG Täterarbeit ist eine der sechs Arbeitsgruppen des Runden Tisches GewAlternativen, der es sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 zur Aufgabe gemacht hat, der häuslichen Gewalt im Kreis Borken mit vereinten Kräften entgegenzuwirken. In der AG Täterarbeit sind Fachkräfte aus den Bereichen Justiz, Gerichts- und Bewährungshilfe, Jugendgerichtshilfe, Polizei, Männerberatung und Gewaltberatung vertreten.

Im Jahr 2017 seien bei der Kreispolizeibehörde Borken insgesamt 622 Fälle häuslicher Gewalt registriert worden, so die Referenten Purz und Salthammer. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle seien Frauen und Kinder die Opfer und Männer die Täter. Etwa 10 Prozent der erwachsenen, männlichen Täter würden die Gewaltberatung des Runden Tisches in Anspruch nehmen. Das Angebot der Gewaltberatung richte sich an Männer, die im häuslichen Kontext gewalttätig geworden seien oder in der Gefahr stünden, gewalttätig zu werden und die ihr Verhalten verändern wollten, erläuterte Andreas Purz. In Einzelgesprächen werde an der Verantwortungsübernahme für die Gewalttat gearbeitet. Ziel sei es, in einer Mischung aus Konfrontation und Begleitung die Selbstwahrnehmung des Mannes zu schärfen. Gemeinsam würden alternative Konfliktlösungsstrategien in gewaltgefährdeten Situationen erarbeitet und neue Umgangsformen des Täters mit sich selbst, seiner Partnerin oder seinem Partner und seiner Familie erlernt. Wichtig sei es, dem Mann zu vermitteln, dass er als Mensch akzeptiert werde, nicht aber die Tat an sich, stellte der Gewaltberater heraus.

Die Männer kämen entweder freiwillig, durch Vermittlung von Netzwerkpartnerinnen und –partnern oder über Weisungen und Auflagen der Gerichte und Staatsanwaltschaften, mit denen seit 2012 kooperiert werde, berichtete Ingrid Salthammer. In den meisten Fällen stünden die Männer, die gewalttätig geworden seien, unter einem enormen Leidensdruck, da häufig die Partnerinnen und/oder die Kinder bereits in ein Frauenhaus gezogen seien oder damit drohten, den Täter zu verlassen. 2017 seien 54 Männer aus dem Kreis Borken in 278 Stunden beraten worden.  Die Dauer der Beratung sei sehr unterschiedlich, das Minium seien aber in der Regel rund zehn Beratungstermine. Die Beratung wird durch den Kreis Borken finanziell gefördert.

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