Corona: „und trotzdem haben wir was gelernt“

|   Ahaus

Unter dem Motto "‘… und trotzdem haben wir was gelernt.‘ Bildung aktiv gestalten: kreisweit-krisenfest-vernetzt" hat die diesjährige Bildungskonferenz des Kreises Borken stattgefunden. Bei dieser Großveranstaltung tauschten sich rund 100 Fachleute von Schulen, weiteren Bildungseinrichtungen, Behörden sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft im kreiseigenen Berufskolleg für Technik in Ahaus über die Vermittlung von Bildungsinhalten unter den erschwerten Rahmenbedingungen der Corona-Pandeimie aus. Vor allem ging es darum, (neue) Wege aufzuzeigen, wie konstruktiv mit diesen besonderen Herausforderungen umgegangen werden kann.

Übereinstimmend erklärten Landrat Dr. Kai Zwicker und Uwe Neumann von der Schulaufsicht der Bezirksregierung zu Beginn im Gespräch mit Elisabeth Büning vom Kreis Borken, dass sich für sie in den vergangenen zwei Coronajahren vor allem pragmatisches Handeln und möglichst umfassende Kommunikation mit allen Akteuren als außerordentlich wichtige Instrumente der Krisenbewältigung erwiesen hätten.

Welche Erfahrungen sie in Schule, Ausbildung, Weiterbildung gemacht haben, schilderten dann zunächst Menschen verschiedener Altersstufen in einem Videofilm und anschließend unmittelbar in der Konferenz drei Jugendliche. So konstatierte Finja Schmeing vom Bocholter St. Josefs-Gymnasium – neben ihr waren Robin Seidenschwanz und Eva Milewski dabei – dass Kinder und Jugendliche in der Corona-Zeit mehr gelitten hätten, als viele glaubten. Sie selbst habe sich im Homeschooling oft allein gefühlt, und man habe gemerkt, dass Bildung immer noch sehr davon abhänge, wie das familiäre Umfeld sei. Sie wünschte sich daher, dass noch stärker als bisher die digitale Entwicklung vorangetrieben und Benachteiligte unterstützt würden.

"Die Krise ist offenbar der neue Normalzustand", betonte bei der anschließenden Podiumsdiskussion Dr. Nikolaus Schneider, Leiter des aktuellen forums Volkshochschule Ahaus. Er wies darauf hin, dass die Präsenz gerade bei Angeboten wie Integration gefehlt habe. Gleichzeitig habe man jetzt Kurse, die online Teilnehmer aus weit entfernten Städten zusammenbringe.

"Wir haben vieles hingekriegt, was vorher nicht möglich schien", sagte Ruth Weber, Personalleiterin beim Heidener Hallenbau-Unternehmen Brüninghoff. Ihr Unternehmen habe während Corona ein Projekt entwickelt, bei dem der Unternehmensnachwuchs eigenständig ein ganzes Bauprojekt in die Hand genommen habe. "Wir haben gelernt, den jungen Leuten mehr zuzutrauen", sagte sie. Dass Corona vor allem die getroffen hat, die es ohnehin nicht so einfach haben, das unterstrich Christa Engelmann von der Schulleitung der Stadtlohner Losbergschule. Bei etlichen Nicht-Muttersprachlern unter den Schülern hätten die Sprachkenntnisse während der Corona-Zeit mit ihren Lockdowns gelitten: "Die Deutschkenntnisse waren schlechter als zuvor." Ihr Wunsch für die Zukunft: "Die Digitalisierung muss auf einem aktuellen Stand bleiben, und wir brauchen Personal." Uwe Neumann von der Schulaufsicht und Werner Leuker, fürs Thema Schule zuständiger Beigeordneter der Stadt Ahaus, wiesen darauf hin, dass die Pandemie die Verwaltungen vor bis dahin nicht gekannte Aufgaben gestellt habe.

Bevor beim "Markt der Möglichkeiten" an zwölf Ständen Beispiele für in der Corona-Zeit entwickelte Innovationen im Bildungsbereich präsentiert wurden, zeigten zwei Ahauser, dass Corona und Bildung durchaus auch zusammenpassten: Josef Naber und Johannes Mensing haben in den vergangenen Jahren Mathe-Lernvideos und Online-Nachhilfe-Angebote über Youtube und Tiktok kreiiert – mit großem Erfolg: Inzwischen folgen ihnen 350.000 User.

Nach einem zwanglosen Gedanken- und Ideenaustausch konnte schließlich Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster gemeinsam mit Rolf Heiber (Mitglied der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Coesfeld) und Regina Harbig (Schulaufsicht Kreis Borken) am Schluss der Konferenz folgendes Fazit ziehen: Die Corona-Krise habe einerseits Schüler- und Lehrerschaft sowie Eltern, letztlich die gesamte Bildungsinfrastruktur enorm belastet. Andererseits seien aber auch kreative Kräfte freigesetzt worden, die zu Innovationen geführt hätten, von denen alle nun profitieren können.

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Am Ende der Konferenz fasste (v. r. n. l.) Kreisdirektor Dr. Ansgar Hörster gemeinsam mit Moderatorin Elisabeth Büning (Kreis Borken), Regina Harbig (Schulaufsicht Kreis Borken) sowie Rolf Heiber (Mitglied der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Coesfeld) die Konferenzergebnisse zusammen
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