Chinesische Delegation besuchte Hähnchenmastbetrieb

|   Kreis Borken

Im Rahmen der "Umweltkooperation NRW – China", die die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemeinsam mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen durchführt, hat jetzt eine chinesische Delegation den Kreis Borken besucht. Im Fokus des Programms steht in diesem Jahr das Thema "Umweltschutz durch nachhaltige Nutztierhaltung und Förderung des Tierwohls". Die insgesamt 13 Gäste aus den chinesischen Provinzen Jiangsu, Shanxi und Sichuan haben vor diesem Hintergrund einen Hähnchenmastbetrieb in Velen besichtigt.

Kreisveterinär Dr. Albert Groeneveld begrüßte die Delegation auf dem Hof der Familie Rotthues. Dort züchtet Franzis Musholt gemeinsam mit ihrem Vater Werner Rotthues derzeit langsam wachsende Hähnchen der Rasse "Hubbard" für den niederländischen Markt. "Diese Tiere sind sehr lebhaft, robust und gesund", erklärte Dr. Groeneveld den Gästen aus China, die in Begleitung einer Dolmetscherin nach Velen gekommen waren. "Sie werden über 52 Tage aufgezogen – zehn Tage länger als konventionelle Tiere", erläuterte er weiter. Zudem haben die Hubbard-Hähnchen mehr Platz und Beschäftigungsmaterial im Stall. "Diese alternative Haltung erfüllt mehr Anforderungen und bietet somit mehr Tierwohl, als das deutsche Gesetz verlangt", konstatierte der Kreisveterinär. "Zudem sagen viele Landwirte, die auf diese Rasse gewechselt haben, dass ihnen die Zucht mehr Spaß macht, da die Tiere agiler und gesünder sind."

Das Hähnchenfleisch werde jedoch nur in die Niederlande verkauft, berichtete Franzis Musholt. Dort gebe es durch den massiven Druck von Tierschutzorganisationen bereits kein herkömmliches Hähnchenfleisch mehr in den Supermärkten, ergänzte Dr. Groeneveld. "Und da möchten wir in Deutschland auch etwas bewegen." Daher sprach er sich für ein größeres Angebot von Fleisch mit Tierwohllabel im deutschen Einzelhandel aus, um unterschiedliche Haltungskonzepte für Kundinnen und Kunden deutlicher darzustellen. Natürlich werde das Fleisch durch die zusätzlichen Anforderungen an die Haltung im Verkauf auch etwas teurer – knapp zwei Euro pro Kilo – und daher derzeit kaum in Supermärkten im Kreisgebiet angeboten. Das Problem sei nämlich: "Im lebenden Zustand erkennt man einen großen Unterschied bei den Tieren, im Supermarkt jedoch nicht mehr", sagte Dr. Groeneveld. Dort sehen die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht, dass es den Tieren bei der Aufzucht bedeutend besser ging.

Während der Besichtigung des Hähnchenmastbetriebs, aber auch im Anschluss hatten die Gäste aus China – unter anderem Professoren, Geschäftsführer und Leiter von Lebensmittelüberwachungslaboren – die Gelegenheit, Fragen an die Hofbesitzer und den Kreisveterinär zu stellen. Sie waren sehr interessiert und informierten sich beispielsweise über Lüftungssysteme, Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Stall sowie über die Verlustrate der langsam wachsenden Hähnchen – diese liegt zwischen einem bis eineinhalb Prozent und ist damit niedriger als bei der konventionellen Mastvariante (circa drei Prozent).

Zum Hintergrund:

Die Gäste aus China sind frühere Teilnehmerinnen und Teilnehmern der "Umweltkooperation NRW – China". Sie alle waren – teilweise bereits vor 33 Jahren – im Rahmen des Programms in Nordrhein-Westfalen. Sie wurden nun zu einer fachspezifischen Qualifizierung und Vernetzung noch einmal nach Deutschland eingeladen. Die GIZ führt dieses sogenannte "Refresher-Programm" gemeinsam mit dem Umweltministerium NRW vom 24. März bis 6. April 2019 durch.

Der fachliche Fokus des Projektes liegt auf der Stärkung des Umweltschutzes und hier insbesondere auf der Luft-, Wasser- und Bodenreinhaltung, der Klimafolgenanpassung sowie der Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Es sollen Kooperationspartnerschaften zwischen Schlüsselakteuren aus den chinesischen Provinzen und aus NRW auf- und ausgebaut werden.

Ziel des Programms ist es zum einen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Erkenntnisse gewinnen und sich mit Fachexpertinnen und -experten austauschen. Zum anderen sollen bestehende Kontakte zwischen NRW und China vertieft und neue Kontakte geknüpft werden. Daher gestalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusätzlich zum Fachprogramm einen Teil des Programms auch in Eigenregie.

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