Bunte Fingerabdrücke setzen ein Zeichen gegen Rassismus

|   Ahaus

Mit einem farbigen Fingerabdruck werben die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Canisiusstift in Ahaus für Integration und menschliche Vielfalt. Zugleich wollen sie damit angesichts zunehmender Fremdenfeindlichkeit zum Gedenktag der Reichspogromnacht am 9. November ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Die große Stoffbahn soll in den nächsten Monaten auch durch andere Einrichtungen in Ahaus wandern und dort immer bunter werden.

„So bunt, wie wir Menschen eben an dieser Schule und auch anderswo sind“, sagt Eric Tenhumberg, Klassensprecher einer der beiden Unterstufenklassen aus der Fachschule für Sozialpädagogik. Sie hatten die Aktion an der Schule gemeinsam mit der Lehrerin Mechthild Passerschröer initiiert. „Wir hatten einfach gespürt: Wir müssen etwas zu tun“, sagt Eric Tenhumberg. Auch die Landtagswahlen in Bayern und Hessen hätten gezeigt, wie wichtig es sei, gegen Populismus Flagge zu zeigen.  „Gerade für uns als angehende Erzieherinnen und Erzieher sind Toleranz und Offenheit wichtig. Die wollen wir auch an die Kinder weitergeben. Kinder können wir in ihrer Entwicklung beeinflussen und prägen. Da müssen wir Vorbild sein und mit gutem Beispiel voran gehen“, betont Vanessa Ott aus der Unterstufe des Bildungsgangs. Die 21-jährige hat schon in einem integrativen Kindergarten gearbeitet, in dem 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben: „Die gehen erst einmal ganz offen miteinander um. Das sollten wir doch alle hinbekommen.“

Als Abteilungsleiterin für die beruflichen Bildungsgänge am Canisiusstift hatte Mechthild Passerschröer eine Initiative gegen Fremdenfeindlichkeit angeregt und war selbst überrascht, wie schnell sie von den Schülern der beiden Unterstufenklassen aufgenommen, entwickelt und umgesetzt wurde: „Die Entscheidung fiel einstimmig aus. Und sofort gab es Ideen“, freut sie sich. Dabei hatte sie auch die Situation im Blick, auf die die künftigen Erzieherinnen und Erzieher später teilweise in den Kindergärten treffen: „Im Zuge der Inklusion müssen wir die Auszubildenden auf Kinder vorbereiten, die in zunehmendem Maße ein herausforderndes Verhalten haben.“ Das gelte aber nicht nur im Hinblick auf Behinderungen oder Defizite in der Kindesentwicklung. Sondern ebenso vor dem Hintergrund der Migration, anderer kultureller Hintergründe und unterschiedlicher Sprachkenntnisse: „Insofern gehören Inklusion und Integration eng zusammen“, sagt Mechthild Passerschröer.

In der Schulkonferenz des Canisiusstifts waren die verschiedenen Aktionen der Klassen für Toleranz und gegen Ausgrenzung ebenfalls Thema: „Da ging es darum, dass wir diese Aktivitäten besser bündeln und so unser Schulprofil schärfen wollen. Denn wir sind eine christliche Schule mit entsprechenden Werten und wollen das zeigen“, so die stellvertretende Schulleiterin Stefanie Bauer. Im vergangenen Schuljahr hatte es zum Beispiel eine Luftballonaktion zu diesem Thema gegeben. Auch fahren viele Klassen zur Gedenk- und Bildungsstätte Wewelsburg, um dort mit ehrenamtlich engagierten Bürgern, die die Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten und vor den derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen warnen, zu diskutieren. „Über unser Leitbild und Schulprofil wollen wir uns dazu noch deutlicher positionieren“, sagt Schulleiterin Schwester Maria Manuela Gockel.

Am Berufskolleg Canisiusstift gebe es in allen Klassen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, erläutert Stefanie Bauer. Probleme habe es dadurch bislang nicht gegeben. „Unser Bestreben ist es ja auch, für einen offenen Umgang miteinander zu sorgen.“ Dafür steht auch die Stoffbahn mit den bunten Fingerabdrücken „Wenn demnächst in anderen Kindergärten und Schulen Kinder mit Farbe einen Abdruck darauf setzen, werden sie sicher von ihren Eltern oder Großeltern gefragt, warum sie Farbe an den Händen haben. So wird die Aktion hoffentlich auch in die Familien hineingetragen“, wünscht sich die Schülerin Clara Pieper. „Zum Ende des Schuljahres wollen wir die Stoffbahn mit vielen bunten Fingerabdrücken gefüllt haben. Dann könnte sie hier in der Schule einen festen Platz finden“, sagt Eric Tenhumberg. Und Vanessa Ott meint: „Das wäre ein bleibendes Zeichen, um das Thema am Canisiusstift präsent zu halten und weitere Aktionen anzuregen.“

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