Bürgermeisterin sichert Unterstützung zu

|   Ahaus

„Sie alle hier sind in Deutschland, sind vor allem auch in Ahaus, willkommen“, begrüßte Bürgermeisterin Karola Voss jetzt die Teilnehmer der BBS-Maßnahme „KFF - Kenntnisfeststellung und Förderung von Flüchtlingen“ bei ihrem spontanen Besuch bei der Berufsbildungsstätte. Überwiegend Menschen syrischer Herkunft werden dort zurzeit auf ihrem Weg, in Deutschland beruflich wie auch sozial Fuß zu fassen, begleitet. „Seit einem Jahr führt die BBS dieses Angebot durch. Zunächst in Kooperation mit der Arbeitsagentur, seit Ende letzten Jahres ausschließlich in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter“, erklärte Projektleiterin Sabine Böing die Hintergründe. Hauptsächlich männlichen Teilnehmern – bislang 49 – haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei bisher zur Seite gestanden. Elf Teilnehmer stehen aktuell auf der Warteliste. Sabine Böing: „Gut ein Viertel der Teilnehmer konnte in den zwölf Monaten in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden, bei vielen weiteren haben wir Sprachkurse angestoßen, die zum Teil von der VHS hier im Haus durchgeführt werden.“

Ziel der Maßnahme ist es nicht nur zu schauen, auf welchem sprachlichen Niveau sich die Teilnehmer bewegen und sie bei Bedarf in weitere Seminare zu vermitteln, sondern sie rundum bei ihren Integrationsversuchen zu unterstützen. Sabine Böing: „Das fängt bei der Sprache an und geht bei den Berufswünschen weiter. Anerkennungsberatung, Familiennachzug oder Wohnungssuche sind Themen, die wir gemeinsam bearbeiten.“ Und genau diese Punkte waren es auch, die den Gesprächsteilnehmern an dem Vormittag mit Karola Voß unter den Nägeln brannten. Eine Familie, die mit sieben Personen auf engstem Raum lebt und eine größere Bleibe sucht – aber keine findet. Oder ein Vater, der seit vier Jahren Frau und Kinder nicht gesehen hat und psychisch sehr darunter leidet. Ein 24-Jähriger, in Heek wohnhaft und inzwischen im dortigen Fußballverein gut aufgenommen, der eine Ausbildungsstelle als Elektriker oder Maler sucht. Und ebenfalls eine neue Wohnung: „Aus meiner jetzigen muss ich in einem Monat raus.“ Karola Voss nahm sich viel Zeit, hörte sich die Einzelschicksale geduldig an. Musste aber oft kapitulieren: „Da sind mir leider die Hände gebunden.“ Bei der Wohnungssuche beispielsweise gab das Stadtoberhaupt unumwunden zu, dass „dies ein Problem ist, das in Ahaus viele Menschen, nicht nur Geflüchtete, betrifft. Wir verfügen als Stadt leider nicht über einen Pool an Grundstücken, auf denen wir neue Häuser und Wohnungen bauen könnten. Zwei kleine Maßnahmen haben wir gerade angestoßen, aber sie sind, das weiß ich, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Auch bei der Bitte um Unterstützung im Zuge der Familienzusammenführung gestand Karola Voß ein: „Das liegt außerhalb meiner Kompetenz. Wenn die Familie bereits in Deutschland ist, aber auf verschiedene Städte verteilt wurde, dann gibt es Möglichkeiten. Wenn sich Familienmitglieder aber noch im Ausland befinden, kann ich nicht dafür sorgen, dass sie herkommen dürfen.“ Den Arbeitssuchenden, die mitunter eine angestrebte Stelle doch nicht bekommen, machte sie Mut: „Bleiben Sie dran. Wenn’s beim ersten und zweiten Mal nicht klappt, unternehmen sie einen dritten oder auch vierten Anlauf. Grundlage ist die Sprache. Wer eine Ausbildung anstrebt, benötigt allein für die Berufsschule fast einen deutschen Mentor neben sich, um den theoretischen Part dort zu schaffen.“ Ihr Anliegen sei es, so Voß, die Menschen, die hier Schutz suchten, auch zukünftig zu unterstützen: „Wir leben hier in Wohlstand und ich erachte es als meine Aufgabe, jenen zu helfen, die vor Krieg oder Not geflüchtet sind.“

BBS-Geschäftsführer Bernhard Könning wollte zu Abschluss der Veranstaltung von den Teilnehmenden dann gerne noch wissen: „Was erzählen Sie eigentlich Ihrer Familie, Ihren Freunden zu Hause über Deutschland. Die Antwort war ein dickes Lob: „Dass man hier gut leben kann. Hier gibt es Sicherheit – und Respekt vor den Menschen. Die Regierung hier schützt uns wie unsere Eltern.“

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