Bühnenfieber im Audimaxx

|   Ahaus

Es dauerte nur wenige Momente, bis sich das „Bühnenfieber“ vom Orchester aufs Publikum übertrug: „Bühnenfieber“ – das war nicht nur der Titel des mitreißenden Konzerts des Musikvereins Wüllen im Audimaxx in Legden, sondern spiegelte auch treffend die Atmosphäre im Saal wider. Denn mit einem vielseitigen und Überraschungen gespickten Repertoire versetzte das Orchester unter der Leitung von Dirigent Christoph Harpers das Publikum in Begeisterung.

Für die ersten Gänsehaut-Momente sorgte jedoch der Nachwuchs: Nachdem der frisch gewählte neue Vorsitzende Andre Heuer gemeinsam mit seinem Vorgänger Christoph Almering das Publikum begrüßt hatte, verzückte das Aufbau-Orchester unter Heuers Dirigat die Zuschauer. Es war der erste Auftritt der Jüngsten aus dem Verein. Etwas weiter ist da schon das Jugend-Orchester, das anschließend unter der Leitung von Sabine Fröhlich schon auf beeindruckende Weise sein Können zeigte. Über zwei Jahre musste der Nachwuchs auf seinen ersten öffentlichen Auftritt warten, und die Spielfreude sprudelte nur so heraus aus den jungen Musikern.

In imponierender Größe zog dann das Große Orchester des Musikvereins ein. Mit einigen „Stücken, die auch zum Nachdenken anregen sollen“, so Dirigent Christoph Harpers, startete das Ensemble das Konzertprogramm. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – eine Collage aus Hymnen, Balladen und Volksweisen aus der deutschen Geschichte – und Filmmusik aus „Band of Brothers“ unterstrichen direkt, wie die Wüllener Musiker sowohl die Wucht eines großen Orchesters als auch die feinen Töne, die sinfonische Blasmusik bieten kann, auf Bühne bringen können. Die anschließende Konzert-Version des Eurovision-Klassikers „Ein bisschen Frieden“ wollte Harpers auch als Gruß an die anwesenden Gäste aus der Ukraine im Saal verstanden wissen. Das Gesangs-Trio Christina Harpers, David Orthaus und Christoph Almering brachten den Friedensgruß in mehreren Sprachen stimmlich herüber. Christina Harpers begeisterte später auch mit der Ballade „Lenas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Schier aus dem Häuschen waren die Zuschauer dann, als der Nachwuchsmusiker Lukas Harpers mit Flügelhorn und Trompete brillierte. Mit Präzision und Klarheit, vor allem aber mit unglaublichem Gefühl spielte er die Solopartien in „Aranjuez Mon Amour“. Den tosenden Beifall hatte er sich danach redlich verdient. Ebenso wie anschließend David Orthaus, der den John-Miles-Klassiker „Music“ in der Original-Tonart vortrug und dabei mit einer gewaltigen stimmlichen Range beeindruckte, die dem Original in nichts nachstand. Eine musikalische Überraschung erlebten Musikkenner dann bei „Highway to Hell“: Nicht etwa krachende Hard-Rock-Gitarren-Riffs waren zu hören, sondern groovender Swing. Denn der Musikverein Wüllen verwandelte den ACDC-Klassiker in eine Orchester-Swing-Nummer, bei der Christoph Almering im Stil von Tom Gaebel das Publikum mitriss. Dass Christoph Harpers nicht nur ein hervorragender Dirigent, sondern auch ein ausgezeichneter Arrangeur ist, bewies er mit den Stücken „Die Weiße Dame“, „I Love Paris“ und „Trumpets In The Swing And Latin Mood“. Die Spannweite reichte von Marsch- bis James-Last-Klängen, und das Orchester wusste die Harpers-Arrangements in brillanter Weise zu interpretieren.

Das Konzert im Legdener Audimaxx war der „Ersatz“ für das ausgefallene Weihnachtskonzert im vergangenen Dezember. Aber nicht nur das Weihnachtskonzert, sondern auch Karneval waren zuletzt in Wüllen dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Grund genug, auch karnevalistische Motive ins Programm einzubauen: David Orthaus, der in der abgelaufenen Session auch Klein-Kölner Karnevalsprinz war, tauchte zum Finale im Original-Prinzen-Kostüm auf der Bühne auf und sang die bekannte Brings-Nummer „Kölsche Jung“ (in Legden als „Wüllschke Jung“) in einem eindrucksvollen Konzertarrangement. Die Wüllener Gäste im Publikum fühlten sich in die fünfte Jahreszeit versetzt und forderten eine Zugabe, die ihnen der Prinz schließlich auch gab.

Die Wüllener Musiker nutzten auch die Gelegenheit, vor großem Publikum langjährige Mitglieder zu ehren. Der stellvertretende Vorsitzende Gerrit Möllers überreichte Christian Wynk, Kai Plümer und Andreas Stücker für 30 Jahre und Tobias Benneker und André Gerick für 25 Jahre Mitgliedschaft Urkunden und Präsente.

Zu Beginn des Konzerts hatte Vereinsmitglied Helmut Vöcker dem Publikum von der bevorstehenden Gründung eines Fördervereins berichtet. Bereits in der Pause bekundeten zahlreiche Gäste ihr starkes Interesse am Mitwirken im neuen Verein, mit dem Jugendarbeit unterstützt werden soll. Weitere Infos gibt es bei Helmut Vöcker: helmut.voecker@voecker-gmbh.de

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