Bewusstsein in Konsum umwandeln

|   Stadtlohn

Früher war es vergleichsweise einfach mit Lebensmitteln. Man hat gegessen, um satt zu werden. Heute ist es da schon schwieriger. Inzwischen geht es nicht mehr nur um Geschmack und Sicherheit. Es geht um das große Ganze. In seinem Hauptreferat beim Kreisverbandstag der Borkener Landwirte analysiert Tönnies-Geschäftsführer Ralf-Thomas Reichrath die Erwartungen des heutigen Verbrauchers.
„Das Essen ist ideologischer geworden, eine Frage des Sozialprestiges. Menschen, die an sich alles haben, wollen in dem Glauben konsumieren, mit ihrem Einkauf die Welt zu verbessern. Renate Künast hat das mal ‚mit dem Einkaufswagen Politik machen‘ genannt.“ Dem stehe allerdings ein gewisser Widerspruch gegenüber, stellt der ehemalige Aldi-Süd-Manager Reichrath vor den 300 anwesenden Mitgliedern und Ehrengästen in der gut gefüllten Stadthalle in Stadtlohn heraus: „Das, was der Verbraucher vor dem Supermarkt ins Mikrofon sagt und das, was er an der Ladentheke tatsächlich kauft, ist nicht wirklich übereinander zu bringen.“ Tatsächlich spiele der Preis als Kriterium für die Kaufentscheidung immer noch eine überragende Bedeutung.

Und das merke der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) auch ganz handfest: „Der ethische Konsum ist für den Lebensmittelhändler mehr reputationsprägend als tatsächlich umsatzrelevant.“ Der Deutsche gebe im Schnitt beispielsweise nur 12 Euro pro Jahr für Fairtrade-Produkte aus, der Schweizer 60 Euro.“ Reichrath ist ehrlich: „Ich habe keine richtige Erklärung dafür. In diesem Spagat zwischen nachhaltigem Konsum und der Preissensibilität des Kunden muss sich der LEH aber bewegen.“

Der Fleischbranchen-Experte skizziert folglich als Königsfrage für die Fleischbranche die Herausforderung, das vorhandene Bewusstsein für die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit umzuwandeln in ein geändertes Konsumverhalten. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, sich dies etwas kosten zu lassen. Der WLV-Kreisverbandsvorsitzende, Ludger Schulze Beiering, bekennt sich in seinem Statement klar dazu, dass die Landwirtschaft die Verbrauchererwartungen an Qualität, Sicherheit und auch an Nachhaltigkeit erfüllen müsse. Der Weseker nennt einen weiteren wichtigen Punkt: „Bei Rind und Hähnchen hat es zuletzt geklappt. Aber wir müssen es auch hinbekommen, dass Schweinefleisch wieder als Genuss wahrgenommen wird. Es muss wieder hip sein, so wie die Speckstreifen in den USA." Reichrath pflichtet ihm bei: „Wir müssen neue Wege der Kommunikation finden und zwar solche, wo wir ein positives Gefühl beim Verbraucher erzeugen ohne dass wir ihm reine Ökoromantik vorgaukeln. Und dieses Gefühl muss sich im nächsten Schritt auch in einem höheren Preis fortsetzen, den der Konsument bereit ist zu zahlen und sei es nur für bestimmte Teilstücke des Schweins.“

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