Beruflich ins Schwarze getroffen

|   Kreis Borken

Pfeil und Bogen sind in der Freizeit von David Belting häufige Begleiter. Seit fast 11 Jahren ist Bogenschießen sein Hobby. Das Besondere: David sitzt seit seiner Geburt im Rollstuhl. Ins Schwarze trifft er aber trotzdem sehr gut. Auch bei der Suche nach einem Arbeitsplatz konnte er jetzt mit Hilfe der Agentur für Arbeit einen Volltreffer landen.

Während ihn beim Bogenschießen viel Übung recht schnell zum Erfolg führte, brauchte der 25-jährige Bocholter bei der Jobsuche etwas mehr Geduld. Nach dem Ende seiner Ausbildung zum Bürokaufmann im vergangenen Jahr, war er zunächst ein paar Monate lang arbeitslos: „Da ist mir Zuhause die Decke auf den Kopf gefallen,“ erzählt er heute. Ein Nachbar brachte ihn schließlich bei Franz Schmeink, Geschäftsführer der Firma Tekloth Solar GmbH in Bocholt ins Gespräch. Der konnte sich gut vorstellen David eine Chance zu bieten: „Trotzdem sind natürlich einige Fragen bei uns aufgekommen, denn bisher haben wir noch keinen Rollstuhlfahrer beschäftigt“, erzählt Schmeink. Bernd Krug, Arbeitsvermittler für Schwerbehinderte und Rehabilitanden bei der Agentur für Arbeit Coesfeld, setzte sich daraufhin mit Schmeink und David Belting zusammen. „Wir haben ganz offen über den Kündigungsschutz von Schwerbehinderten, die Beschäftigungspflicht oder alternativ die Ausgleichsabgabe gesprochen. Genauso aber auch darüber, wo wir als Agentur für Arbeit helfen und fördern können“, berichtet Krug.

„Auf den ersten Blick sieht man eine Behinderung schon als Hemmschwelle“, sagt Schmeink aus seiner Sicht als Unternehmer und zeigt damit ein wenig Verständnis für die Vorbehalte, die viele Arbeitgeber gegenüber schwerbehinderten Menschen als Mitarbeiter haben. „Man muss sich aber damit auseinander setzten und sieht dann, dass es sehr gut funktioniert“, fügt er hinzu. David startete im November letzten Jahres mit einem Probearbeiten bei der Firma Tekloth und wurde anschließend in ein befristetes Arbeitsverhältnis übernommen. „Beides wird von der Arbeitsagentur gefördert, um den Arbeitsplatz für David möglichst langfristig zu sichern“, sagt Bern Krug. Auch nötige räumliche Umbauten am neuen Standort, zu dem die Firma Tekloth Solar in Kürze ziehen wird, können finanziell unterstützt werden.

David Belting hatte von Anfang an ein gutes Gefühl bei seiner Bewerbung: „In den Gesprächen hatte ich immer den Eindruck, dass man hier den Willen hatte mich einzustellen.“ Daher war die Freude auch groß, als es dann endlich soweit war. „Nervös war ich trotzdem. Ich kannte weder die neuen Kollegen noch die einzelnen Aufgaben, die ich übernehmen sollten. Da ist man natürlich erstmal etwas angespannt.“

So waren auch die ersten Tage „echt anstrengend“, wie David sagt. Viel Neues kam auf ihn zu. Heute bereitet er Rechnungen zum Buchen vor, bearbeitet Post und schreibt Angebote: Aufgaben, mit denen er sehr zufrieden ist. „Man merkt, dass er mehr und mehr ins Unternehmen und seine Aufgaben reinwächst. Das ist schön zu sehen“, resümiert sein Chef. Noch fährt David übrigens mit dem Taxi täglich zur Arbeit. Den Führerschein, den die Arbeitsagentur finanziell gefördert hat, hat er bereits. Bald soll ein eigenes Auto ihn privat, aber vor allem auf dem Weg zur Arbeit flexibler machen. „Wir prüfen grade die Förderung eines entsprechenden Umbaus, denn der Wagen muss für die Behinderung von David angepasst werden“, erklärt Bernd Krug.

Beruflich sieht David die Chance bei Tekloth als Volltreffer. Das dass nicht immer so leicht zu erreichen ist, weiß er aus seiner Anfangszeit beim Bogenschießen noch sehr genau. Auch wenn er auf einen Rollstuhl angewiesen ist, steht er damit nun doch mit beiden Beinen fest im Leben.

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