„Beim Pflastern ist er fast unschlagbar“

|   Kreis Borken

Auf den Knien sitzend setzt Dominik Wübbeling Stein an Stein. So, als hätte er im Leben nie etwas anders gemacht als zu pflastern. Mit der Arbeit im Landschafts- und Straßenbau hat er endlich eine Arbeit gefunden, die ihm gefällt. Der Weg dahin war allerdings nicht ganz so einfach. Mit Hilfe der Agentur für Arbeit und dem Integrationsfachdienst konnte ihm jedoch eine berufliche Perspektive geboten werden. Der 21-jährige aus Borken ist Autist. Er tut sich daher zum Beispiel schwer damit, Wortwitze oder Ironie zu erkennen. Und er benötigt ganz eindeutige Arbeitsaufträge, die einzelnen Schritte beinhalten: „Darauf mussten wir uns erstmal einstellen“, erklärt Andreas Finke, Geschäftsführer der Finke Landschaft + Straße GmbH und Chef von Dominik Wübbeling. „Das führte auch dazu, das am Anfang nicht alles rund lief. Es gab schon Schwierigkeiten und Missverständnisse“, fügt er hinzu.

Nachdem Dominik eine Ausbildung zum Maler abgeschlossen hatte, meldete er sich bei Silke Schulze-Herding, Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit in Borken: „Im Gespräch wurde schnell klar, dass er sich als Maler nicht wohl fühlt und eine andere berufliche Tätigkeit benötigt. Die Fingerfertigkeit für diesen Beruf fehlte ihm“ Also schaltete die Arbeitsmarktexpertin zur Unterstützung den Integrationsfachdienst (ifd) des LWL ein. „Im Gespräch kamen wir auf eine Tätigkeit im Garten- und Straßenbau“, erzählt Hans Vogl, Berater beim ifd. Er stellte Kontakt zur Firma Finke in Borken her und fragte dort nach einer Praktikumsmöglichkeit für Dominik. „Zeugnisse und Dinge auf Papier sind mir zunächst nicht so wichtig. Ich muss den Menschen kennen lernen, da muss es passen“, erzählt Finke. Im ersten Gespräch mit Dominik passte es, sodass er sich vorstellen konnte, den Autisten einzustellen. „Dominik geht mit seiner Besonderheit sehr offen um, das ist wichtig für ihn, aber auch sehr hilfreich für das Umfeld“, erklärt Frank Börgers von der Autismus Ambulanz des Deutschen Roten Kreuzes Borken, der Dominik seit längerem begleitet und unterstützt.

Inzwischen ist der Borkener gut im neuen Job angekommen: „Ich wollte unbedingt draußen arbeiten, das kann ich nun“, sagt er zufrieden. Zwar muss sein Arbeitgeber schauen, welche Aufgaben er übertragen bekommt, die erledigt er dann aber sehr genau: „Beim Pflastern ist er fast unschlagbar“, lobt Finke. Außerdem gehört noch das Setzen von Kanälen, das Schottern und das Säubern der Rohre zu seinen Aufgaben. „Das sind alles Tätigkeiten die er neu lernen musste, aber heute gut kann“, so Vogl.

Dank der Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Integrationsfachdienst, sowie der Bereitschaft des Arbeitgebers kann Dominik nun in eine berufliche Zukunft blicken: „Er ist motiviert und will diesen Job, das merkt man deutlich. Deshalb hat er diese Chance verdient“, sagt sein Chef Andreas Finke. Der sieht sogar das Potenzial für eine Ausbildung zum Straßenbauwerker. „Das würden wir gerne angehen. Es wird noch eine schwere Zeit für Dominik sich den Anforderungen in der Schule zu stellen aber ich bin sicher, dass er das packen kann“, so Finke. „Ich würde mir wünschen, wenn noch mehr Firmenchefs so denken und handeln wie Herr Finke und sich trauen, Menschen mit Handicap eine Chance zu geben. Gerade Menschen mit Autismus sind oftmals sehr gewissenhaft, ehrlich und genau“, fügt Frank Börgers hinzu. „Die Wahl, eine Tätigkeit im Landschafts- und Straßenbau anzustreben war für Dominik die richtige Entscheidung“, zeigt sich Arbeitsvermittlerin Schulze-Herding zufrieden und ergänzt: „Das zeigt sich noch deutlicher mit der Ausbildung die ihm durch seinen Arbeitgeber in Aussicht gestellt wurde. Auch das kann er mit viel Einsatz schaffen.“

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