Austausch mit Ministerin

|   Vreden

Wie schon im vergangenem Jahr lud die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ina Scharrenbach, erneut die Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Borken nach Münster ein.

Im Vordergrund stand der Austausch zu aktuellen Themen in der Gleichstellungspolitik. Neben der modernen Frauen- und Familienförderung wurden auch aktuelle Projekte zum Ausbildungsverhalten von Mädchen und Jungen vorgestellt. Der gutlaufende "Girls and Boys Day" wird in auserwählten Städten um das Projekt "Girls and Boys Akademie" ergänzt. Hierbei sollen für die Jugendlichen Möglichkeiten geschaffen werden, in 60 Schulstunden einen für sie untypischen Beruf bzw. Ausbildungsberuf intensiver kennenzulernen.

Auch hier in Vreden wird die Notwendigkeit gesehen, Mädchen und Jungen Ausbildungsberufe praktisch und geschlechtsunabhängig näher zu bringen. Das Konzept "Ausbildungsoffensive" ist ein Gesamtfahrplan, der in enger Zusammenarbeit abgestimmt ist zwischen der Vredener Wirtschaft, den weiterführenden Schulen und der Stadt Vreden. Am 8. Juli wird erstmalig der vom Technikzentrum Minden-Lübbecke zertifizierte und durchgeführte "Berufsparcours" stattfinden.

Unterschiedliche Vredener Betriebe stellen ihren Ausbildungsberuf nicht nur theoretisch vor, sondern bereiten eine kleine Aufgabe vor, deren Fähigkeiten für ein Berufsbild wichtig sind. An sogenannten "Berufsstationen" werden diese Aufgaben von Ausbildern oder/und Auszubildenden der Betriebe präsentiert. Der Vorteil des Berufsparcours liegt in der direkten persönlichen Kontaktaufnahme zwischen den Jugendlichen und den Betrieben.

Im weiteren Verlauf des Treffens mit Frau Scharrenbach ging es um die Schaffung von mindestens 50 weiteren Plätzen in Frauenhäusern bis 2020. Mehr als die Hälfte der Frauen, die vor Gewalt in der Familie flüchteten, findet in NRW keinen Platz in einem der Frauenhäuser. Seit Jahren steigt die Zahl der Frauen stetig, die auf der Flucht vor gewalttätigen Männern keinen Platz im Frauenhaus findet. In fast 60% der Fälle waren minderjährige Kinder im Haushalt und somit auch unmittelbar mitbetroffen. 2017 mussten landesweit 7.358 Aufnahmegesuche abgelehnt werden.

Von 2007 bis 2016 habe sich die Zahl der Strafanzeigen im Bereich Häusliche Gewalt um 7.817 erhöht. Das entspreche einer Zunahme von gut 38 Prozent. Im gleichen Zeitraum sei die Anzahl der Wohnungsverweise und Rückkehrverbote in diese um 4.950 angestiegen das entspricht 51 Prozent. Die Zahl der Partnerschaftsgewalt gegenüber Frauen in Nordrhein-Westfalen stieg 2017 insgesamt auf 31.695 Fälle. Fast 11.100 Opfer seien 2016 an Beratungsstellen verwiesen worden. Binnen zehn Jahren entspreche dies einer Zunahme von rund 59 Prozent. "Immer mehr betroffene Frauen durchbrechen somit die Gewaltspirale, suchen sich Hilfe und müssen auch entsprechende Hilfe erhalten" so Christine Ameling, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Vreden.

Des Weiteren soll auch ein Konzept für Männer, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, weiter entwickelt werden.

Für eine hitzige Diskussion sorgte auch die schleppende Entwicklung in der Hebammensituation. Es besteht eine europäische Richtlinie, die bis 2020 umgesetzt werden soll. Die Akademisierung der Hebammenausbildung steht vor der Tür. Übergangslösungen und mögliche Umsetzungen sind noch nicht klar formuliert. "Schauen wir doch hier in unseren Kreis Borken, es mangelt an Hebammen und der Kreissaal in Stadtlohn wurde geschlossen. 1991 gab es in Deutschland noch 1.186 Geburtsstationen in Krankenhäusern, Ende 2015 waren es nur noch 709. Hinzu kommt, dass die Kaiserschnittquote in NRW auffallend hoch sei, hier sollen die Ursachen im Auftrag des Ministeriums bald evaluiert werden. Für viele werdende Eltern und junge Paare, die es werden wollen, eine durchaus beängstigende Situation" teilt Christine Ameling weiter mit.

Ein spannender Austausch, der auch 2020 weiter fortgeführt werden soll. Bis dahin hält Ministerin Ina Scharrenbach die Gleichstellungsbeauftragten mit neuen Entwicklungen und Ergebnissen auf dem Laufenden.

Bei Fragen zu diesen oder anderen Themen wenden Sie sich gerne an das Gleichstellungsbüro der Stadt Vreden, Christine Ameling, Tel. 02564 - 303 – 207.

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