Auf neuen Wegen zum Erfolg

|   Kreis Borken

Mit dem Smartphone in der Hand steht ein junger Mann in der Produktionshalle der Firma LIDU Maschinenbau Lienenbrügger in Dülmen. Was beim stellvertretenden Produktionsleiter Florian Beier normalerweise für Verärgerung sorgt, weil es gegen Betriebsregelungen verstößt, wird hier jedoch unterstützt: Dustin Lang hat eine starke Sehbehinderung. Der 23-Jährige arbeitet als Zerspanungsmechaniker Fachrichtung Drehtechnik bei LIDU.

„Am Anfang waren wir schon skeptisch“, erklärt Anne-Katrin Wiggermann, Personalerin bei LIDU und ergänzt: „Uns war einfach nicht klar, wie das in der täglichen Arbeit funktionieren sollte. Aber Dustin hat uns verblüfft.“ Mit Handykamera und der Vergrößerung der gemachten Bilder verschaffte sich der Dülmener Lang Einblicke in Dinge, die er sonst nicht erkennen könnte.

Seine Ausbildung machte er im Berufsbildungswerk Soest, wo man auf Menschen mit Sehbehinderung spezialisiert ist. Um die praktischen Teile der Ausbildung zu absolvieren, erhielt er eine Chance bei der Firma LIDU, die er für sich nutzte. Nun, nach Bestehen der Ausbildung, wurde er übernommen.

Das Benutzen des Smartphones, um eine bessere Sicht zu erhalten, wird durch den Betrieb zwar gestattet, ist aber keine dauerhafte Lösung: „Langfristig gibt es gute technische Hilfsmittel, die Dustin Lang die Arbeit erleichtern“, erklärt Stefanie Wichmann, Arbeitsvermittlerin für Schwerbehinderte und Rehabilitanden bei der Agentur für Arbeit Coesfeld. Gemeinsam mit dem technischen Berater der Arbeitsagentur sorgte sie für die Anschaffung eines Tablets, welches die Funktion des Handys übernimmt, und speziellen Werkzeugen, die auf seine Seheinschränkungen angepasst sind. Die Kosten für die Anschaffungen trägt die Arbeitsagentur. „Eine wichtige Unterstützung für Dustin,“ erklärt Beier und fügt hinzu: „Der Berater der Agentur für Arbeit hat dabei auch an viele Dinge gedacht, die wir so nicht auf dem Schirm hatten.“

Neben Dustin Lang hat auch Julian Riddermann eine Chance bei der Firma LIDU erhalten. Aus gesundheitlichen Gründen tauschte er das Küchenmesser mit der CNC-Fräse. „Koch war mein Traumberuf. Als ich diesen nicht mehr ausüben konnte, musste ich mich ganz neu orientieren“, erklärt der 28-jährige Dülmener. Weil er immer schon Interesse an Metallbearbeitung hatte, bewarb er sich bei der Firma LIDU und startete dort eine Umschulung zum Feinwerkmechaniker.

Dort betrat er, gemeinsam mit dem Arbeitgeber, Neuland: „Bislang hatten wir noch keinen Umschüler, daher war das für uns neu“, erklärt Anne-Katrin Wiggermann. Das Unternehmen stimmte sich mit der zuständigen Kammer und der Agentur für Arbeit ab. „Wir konnten die Finanzierung der Umschulung übernehmen, weil sich für Herrn Riddermann dadurch langfristig neue berufliche Perspektiven ergeben“, erklärt Wichmann.

Im Oktober 2016 konnte Riddermann starten. Da eine Umschulung maximal zwei Jahre dauern darf, musste er die Inhalte der sonst dreieinhalb Jahre dauernden Ausbildung in deutlich kürzerer Zeit schaffen. „Das war eine harte Zeit für mich. Meine Freizeit verbrachte ich die ersten Wochen viel mit dem Lernen“, blickt Riddermann zurück. Es hat sich aber gelohnt. Mit einer guten Note konnte er die Prüfung im Januar dieses Jahres abschließen und wurde von seinem Umschulungsbetrieb übernommen. „Mit einem starken Willen hat er sich durchgebissen und macht hier heute einen guten Job“, berichtet Florian Beier.

„Wir sind mit der Beschäftigung von Beiden neue Wege gegangen, auf denen wir keine Erfahrung hatten,“ berichtet Wiggermann und ergänzt: „Solche Chancen eröffnen wir aber gerne, wenn die neuen Mitarbeiter Eigeninitiative zeigen und ihre Möglichkeit auch nutzen.“ „Es wäre schön, wenn mehr Arbeitgeber Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen eine berufliche Zukunft bieten würden. Dass es gut funktioniert, kann man an Dustin Lang und Julian Riddermann sehr gut sehen“, resümiert Stefanie Wichmann.

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