Auf der Suche nach Fachkräften

|   Kreis Borken

Noch vor zehn Jahren war die Zahl der Bewerber deutlich größer als die der Ausbildungsstellen. Wer eine Nachwuchskraft suchte, konnte meistens aus mehreren Kandidaten auswählen. Heute hat sich das Blatt gewendet. Viele Jugendliche können unter mehreren Ausbildungsangeboten entscheiden.  Gleichzeitig fehlen in immer mehr Branchen und Betrieben passende Ausbildungsbewerber. Wie aber lassen sich trotzdem noch Azubis finden? Der 9. „Dialog Fachkräftesicherung“, eine Plattform in der sich Arbeitgeber über neue Wege in der Personalarbeit austauschen, gab darauf Antworten.

Auf Einladung der Agentur für Arbeit, der Wirtschaftsförderung für den Kreis Borken mbH und der Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH kamen rund 30 Personalverantwortliche zusammen. Diesmal war die SVS Versorgungsbetriebe GmbH in Stadtlohn Gastgeber der Veranstaltung. „Um junge Menschen zu gewinnen, muss man wissen, was diese überhaupt möchten. Darüber haben sich bislang viele Unternehmer zu wenig Gedanken gemacht.“, erklärte Gerd Drendel, Diplom Sozialpädagoge, Teamberater und Deeskalationstrainer, in seinem Impulsvortrag. „Es wird immer gesagt, die Jugend sei nicht motiviert und wolle nur Freizeit. Das stimmt aber nicht“, so Drendel und verdeutlicht: „Sie möchten arbeiten, sich einbringen und gefordert werden, erwarten dafür aber Respekt, klare Anweisungen und Wertschätzung.“ Vor allem aber, kommunizieren sie anders als vorherige Generationen. „Aus Gewohnheit setzten Unternehmen bei der Nachwuchsrekrutierung nach wie vir auf Zeitungsanzeigen. Damit erreichen sie die jungen Menschen aber nicht mehr, denn die lesen kaum noch Zeitung sondern informieren sich woanders,“ so der Experte.

Für das eigene Unternehmen lassen sich Jugendliche laut Drendel am besten begeistern, wenn die ersten Berührungen schon früh beginnen: „Machen Sie als Unternehmer schon rechtzeitig auf sich aufmerksam. Kooperieren Sie mit Schulen und stellen Sie sich und Ihr Unternehmen bei den Schülern schon ab der achten Klasse vor. Zeigen Sie ihnen, wie Sie für Ihren Job brennen, das steckt an.“ Dazu rät er, sich als Unternehmen bekannt und interessant zu machen. Durch das Erschaffen einer Corporate Identity und mit Anreizen für die Beschäftigten: „Bieten Sie Ihren Mitarbeitern Besonderheiten an. Sie können beispielsweise die Kosten für die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio oder einem Buchclub übernehmen. Seien Sie kreativ, denn Möglichkeiten gibt es viele. Die Wirkung solcher Kleinigkeiten ist groß“, betont Drendel.

Weitere konkrete Möglichkeiten konnten die Teilnehmer in kurzen Präsentationen erfahren. So stellte das Münstersche Unternehmen Azubi-me GmbH ein Ausbildungsportal vor, das besonders auf Jugendliche zugeschnitten ist. Carsten Haak von der Handwerkskammer Münster zeigte Möglichkeiten auf, Studienabbrecher für sich gewinnen zu können, während Melanie Wesseler von der Firma Johannes Räckers GmbH vom Projekt Spätstarter berichtete, bei dem ungelernte im eigenen Unternehmen mit Unterstützung der Arbeitsagentur zu Fachkräften weitergebildet werden können. Elisabeth Büning von der Kreisverwaltung Borken stellte die Landesinitiative KAoA – Kein Abschluss ohne Ausbildung vor, die die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schülern unterstützen soll.

Alle Vorträge regten zu lebhaften Diskussionen unter den Teilnehmern an. „Es gab heute viele Interessante Anregungen“, so die einhellige Meinung der Personalverantwortlichen am Ende der Veranstaltung.

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